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Einen Kindheitstraum erfüllt

Die Hagelsburg kennt Manfred Matthäus noch aus der Zeit, als hier nur eine Wiese war. Damals ist er als Kind oft auf dem Hang gewesen. Nur einen Steinwurf entfernt ist der heute 82-Jährige geboren worden und aufgewachsen.

Die Hagelsburg kennt Manfred Matthäus noch aus der Zeit, als hier nur eine Wiese war. Damals ist er als Kind oft auf dem Hang gewesen. Nur einen Steinwurf entfernt ist der heute 82-Jährige geboren worden und aufgewachsen. Wo jetzt schmucke Häuser zu sehen sind, standen einst Kühe auf der Weide. Das alte Wasserhäusel ganz oben auf dem Berg gibt es noch. „Schon als Kinder sind wir von dem Blick, den man von dort auf Olbersdorf und das Zittauer Gebirge hat, begeistert gewesen“, erzählt er. Hier müsste man ein Haus bauen können, haben sie damals immer geschwärmt. Heute wohnt Manfred Matthäus mit seiner Frau Brigitte schon fast 20 Jahre genau hier auf der Hagelsburg.

In 13 Fotoalben haben die beiden den Hausbau dokumentiert. „Unsere Baufirma war quasi die gesamte Familie. Und die ist bei vier Söhnen groß. Selbst die Enkel haben mitgeholfen. Bei Matthäus’ sind sie geübt darin. Denn die drei älteren Brüder von Ralf Matthäus sind zu dem Zeitpunkt schon stolze Eigenheimbesitzer. Als 1993 die Gemeinde Olbersdorf die Hagelsburg als Bauland anbietet, wird der heute 47-jährige Ralf Matthäus mit seiner Frau Antje der erste Bauherr im neu entstehenden Wohngebiet. Für seine Eltern erfüllt sich dadurch ein Traum. Sie ziehen 1996 in die Einliegerwohnung im Haus ihres Jüngsten ein.

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Mit Bedacht haben sie ein Bausatzhaus gewählt, um viel selber machen zu können. Und viel bedeutet am Ende fast alles. „Von der Bodenplatte über den Rohbau bis zum Dachstuhl haben wir oft bis zum Abwinken gearbeitet“, sagt Manfred Matthäus. Inzwischen können er und sein Sohn Ralf schmunzeln, wenn sie an den Baubeginn im August 1994 denken. Entgegen dem Baugrundgutachten entpuppte sich die Baugrube schon nach wenigen Baggerschaufeln als ein Steinbruch. Statt der geplanten 2 000 Euro erhöhten sich die Baukosten für die Grube auf das Vierfache, schildern Vater und Sohn. Kein guter Start. Wenn sie heute überlegen, wie und was für eine Menge von Baumaterial alles den Berg hochgebracht wurde, ist das gewaltig. Und es ist immer gut gegangen. Nur einmal wären sie fast nicht an die Steine für den Schornstein rangekommen. Die lagen schon einige Zeit unterhalb ihres Grundstückes. Von dort ist man auf der nassen Wiese den Hang im Herbst aber schon zu Fuß kaum noch hochgekommen. „Aber zum Glück fiel mir ein, dass ein Kumpel auf Arbeit ein Allradfahrzeug hat. Mit seiner Hilfe war das kein Problem “, erinnert sich Ralf Matthäus.

Heute ist das Wohngebiet Hagelsburg vollständig bis auf ein Grundstück bebaut. Aber auch das befindet sich in Privatbesitz, berichtet der Bau- und Hauptamtsleiter der Gemeinde, Ralph Bürger. „Es wohnt sich wunderschön hier“, schwärmen Junior und Senior Matthäus. Egal wo sie hinwollen, die Wege sind relativ kurz. Das Zittauer Gebirge liegt quasi vor ihrer Haustür. Längst sind alle mit ihren Bauarbeiten am Haus fertig. „Es ist schön ruhig hier“, sagt Ralf Matthäus. Einen Durchgangsverkehr gibt es nicht. Wer in das Wohngebiet reinfährt, wohnt hier, kommt zu Besuch oder bringt etwas. „Früher seien öfter Gucker gekommen, um sich Anregungen für den eigenen Hausbau zu holen. Aber das hat sich längst gelegt“, erzählt der 47-Jährige. Außerdem ist jetzt der Bewuchs überall so hoch, dass man das gar nicht mehr richtig sehen kann. „Die Lage vom Wohngebiet ist top. Das Einzige, was etwas stört, ist die dichte Lage der Häuser zueinander. Wenn es ein paar weniger wären, wäre es optimal“, sagt er und sein Vater fügt hinzu: Dafür hätte auf einige Nebenwege verzichtet werden können, die zum Aufstieg auf den Butterhübel gedacht sind, aber kaum genutzt werden. Und bei der Planung des Wohngebietes hätten durchaus auch mehr Parkbuchten angelegt werden können.

Sein Sohn Karl will sich gar nicht vorstellen, in einer Wohnung zu wohnen, so wie seine Eltern und Großeltern vor dem Hausbau. Im Grundstück seiner Eltern kann sich der Elfjährige im Garten sogar in sein eigenes kleines Reich zurückziehen. Ein riesiges Baumhaus steht hier – natürlich Marke Eigenbau. „Weil wir alles selber machen, sind wir allerdings kaum in Urlaub gefahren – 2004 das erste Mal“, erzählt sein Vater. Sonst ist im Winter nur eine Woche Skifahren drin gewesen. Selbst das kleine Blockhaus und der Holzanbau an der Terrasse sind sein Werk. „Da steckt eine Menge Arbeit drin – vom Schälen der Stämme bis zum Bearbeiten.“ Nur die riesige hölzerne Tischgarnitur auf der Terrasse mit den übergroßen Rückenlehnen ist nicht sein Werk. Dafür verbindet Ralf Matthäus gerade mit ihr eine besondere Beziehung. „Ich habe in meiner Montagezeit in Österreich mal sonntags nicht gewusst, was ich machen soll, erzählt er. Von Wien bis an die Grenze zu Ungarn ist es nur eine Autostunde. Ralf Matthäus entschließt sich damals zu etwas, was er schon immer wollte: Die Stelle wiedersehen, wo er im August 1988 mit einem Kumpel die Flucht in den Westen wagte und geschnappt wurde. „Es war am Nationalfeiertag von Ungarn. Wir waren schon im Niemandsland. Da flogen plötzlich Leuchtraketen und Schüsse in unsere Richtung“, schildert er. Obwohl sie bereits am letzten Zaun hingen, haben sie aufgegeben. „Danach musste ich einsitzen“, sagt er kurz. Genau dort, wo damals in Sopron am Neusiedler See alles geschah, stehen heute Händler. Einer von ihnen handelt mit Sitzgarnituren. Deren Holz stammt von riesigen alten Bäumen, die im Moor stehen. Die aus einem Brett gesägte Tischplatte lässt erahnen, wie gewaltig der Stamm war. „Ich musste den Tisch und die Stühle einfach mitnehmen“, sagt er.

Die SZ-Serie „Unsere Siedlung“ ist am 31. Mai mit der Wohnsiedlung Johannes-R.-Becher-Straße in Oderwitz gestartet. Weitere Serienteile: 3. Juni: Eichgraben „Am Walde“; 7. Juni: Ebersbach-Schlechteberg; 11. Juni:

Olbersdorf-Hagelsburg; 14. Juni: Pethau Obere/Untere Bergstraße; 17. Juni: Jonsdorf; 21. Juni: Neugersdorf;

24. Juni: Oberseifersdorf-Siedlung; 28. Juni: Zittau-Weinau „An der Aue“ und „Weinauring“.