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Einkaufen auf dem Land wird schwieriger

In Horka schließen ein Bäcker und ein Fleischer ihre Filialen. Vor allem für ältere Einwohner bedeutet das Umwege.

Von Katja Schlenker

Ab 6.30 Uhr geöffnet, steht an der Tür zu lesen. Doch das Bäckergeschäft im Deutschen Haus in Horka ist verlassen. Ein ähnliches Bild zeigt sich ein paar Meter weiter. Wo bis vor Kurzem die Fleischerei Krug eine Filiale hatte, bleibt die Wursttheke jetzt leer. Innerhalb weniger Wochen haben beide Geschäfte zugemacht. Vermieter Karl-Heinz Müller sucht derzeit einen Nachmieter für die Fleischerei. Leicht fällt ihm die Entscheidung nicht.

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Detlef Russek, der zuvor im Deutschen Haus nicht nur Backwaren, sondern auch andere Lebensmittel verkauft hat, hat sich bei ihm beworben. „Doch einen Bäcker haben wir bereits in Horka“, sagt Karl-Heinz Müller. Zudem soll es im Deutschen Haus auch wieder ein kleines Geschäft geben, sobald Besitzer Jens Drahonovsky umgebaut hat. Auch wenn der momentan nicht weiß, wie sich das gestalten soll, hält er an der Idee fest. Um zu sanieren, musste der Bäcker ausziehen. Wenn der mit seinem Geschäft bei Karl-Heinz Müller einzieht und es dann zusätzlich ein kleines Geschäft im Deutschen Haus gibt, „würde sich das ja auch wieder reiben“, erklärt Karl-Heinz Müller. Er hätte lieber wieder einen Fleischer in seinem Haus.

Bis Ende Januar läuft der Mietvertrag mit der Fleischerei Krug noch. Bis dahin hat der Vermieter also genug Zeit jemand Neuen zu finden. Doch er würde das Geschäft an der Rothenburger Straße in Horka gerne schon eher wieder beleben. Denn der nächste Engpass kündigt sich derzeit bereits an. Der Fleischer in Uhsmannsdorf schließt ebenfalls Ende des Jahres. Viele Niederhorkaer sind dorthin gefahren, um Wurst und andere Fleischwaren zu kaufen, sagt Karl-Heinz Müller.

In der Gemeinde ist das Problem bekannt, Einfluss darauf, wer ein Geschäft im Ort eröffnet, hat sie nicht. „Es ist schwierig, ganz besonders für die älteren Einwohner“, sagt Bürgermeister Christian Nitschke (CDU). Mancher lässt sich fahren oder tut sich mit dem Nachbarn zusammen. Entweder nimmt derjenige ihn mit zum Einkaufen oder bringt das Gewünschte mit nach Hause. „Manche fahren auch mit dem Bus“, sagt der Bürgermeister. Aber das ist ebenfalls keine optimale Lösung. Die Einwohner müssen bis zur Bushaltestelle – jetzt im Winter mitunter bei Schnee und Eis. Und wenn der Einkauf in Niesky oder Rothenburg geschafft ist, müssen sie ihre Einkäufe vom Supermarkt bis zum Bus und danach bis nach Hause schleppen.

„Zufrieden sind wir überhaupt nicht mit der Situation“, sagt Christian Nitschke. Früher hat die Gemeinde versucht, eine Handelskette mit einem Markt nach Horka zu locken. Geglückt ist das nicht, „weil die sich nach den Einwohnerzahlen richten“. Knapp 2 000 Horkaer, Biehainer und Mückenhainer sind den Handelsketten nicht genug, um einen Markt zu bauen. Auch Durchfahrtsverkehr, wie zum Beispiel an der Bundesstraße 115 in Kodersdorf, fehlt in Horka. In jüngster Zeit sind die Versuche verebbt, den Markt einer Handelskette vor Ort zu holen.

Wenigstens in Kodersdorf steht der Bau des Edeka-Marktes in den Startlöchern. Vielleicht hilft das dem einen oder anderen Einwohner, der in Horka wohnt und in Görlitz arbeitet. Wenigstens Brot, Kuchen und andere gebackene Leckereien können die Horkaer das ganze Jahr über vor Ort kaufen – beim Bäcker Hübner. Den Sommer über gibt es zusätzlich Obst und Gemüse beim Gartenbau Meyer an der Kreuzung in Richtung Niesky, erklärt Christian Nitschke. Außerdem verkauft Mario Steinert an seinem Standort auf der Uhsmannsdorfer Straße den Winter über jeden Dienstag Fleisch, Eier und Honig. Ebenso hat der Hofladen der Teichwirtschaft Rießner in Biehain während der Karpfensaison von September bis April freitags und sonnabends geöffnet. Hinzu kommen einige Verkaufswagen, welche die die Woche über in Horka stehen.