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Einkaufslust statt Corona-Frust

Kunden kommen wieder in die kleinen Läden in Weißwasser. Etwas, das den Händlern unheimlich Mut macht.

Karin Rybus aus Weißwasser (li.) hat mit dem Kauf von Deko und Gartenmöbeln gewartet, bis sie die wieder vor Ort kaufen kann. So, wie bei Kaulfuss, wo sie Ines Roick bediente.
Karin Rybus aus Weißwasser (li.) hat mit dem Kauf von Deko und Gartenmöbeln gewartet, bis sie die wieder vor Ort kaufen kann. So, wie bei Kaulfuss, wo sie Ines Roick bediente. © Sabine Larbig

Seit Montag ist Weißwasser keine Geisterstadt mehr. Überall sind Menschen unterwegs, zeugen Hinweistafeln und Rabattschilder an Läden davon, dass sie wieder offen sind. Allgegenwärtig und im Alltagsbild noch ungewohnt sind die Mund-Nasen-Masken und die überall bereitstehenden Desinfektionsmittel, die beim Einkauf Pflicht sind. Trotz der umfangreichen Schutzmaßnahmen hoffen die Händler auf Einkaufslust statt Corona-Frust. Für den Einzelhandel waren die letzten vier Wochen purer Überlebenskampf. Wie im Gartencenter Kaulfuss. „Wir hatten einen Telefonservice für Warenbestellung und -abholung. Doch es gingen nur Kleinigkeiten. Wir hoffen nun, dass regelmäßig Kunden kommen und einkaufen“, erzählt Andreas Kaulfuss. „Zum Glück bekamen wir die beantragte finanzielle Unterstützung.“

Lieber zum örtlichen Händler

Froh, dass die kleinen Geschäfte in Weißwasser wieder aufhaben, sind auch die Kunden. „Ich wollte nicht online bestellen, habe extra gewartet, um unsere örtlichen Händler zu unterstützen“, sagt Karin Rybus, die bei Kaulfuss nach Deko und Gartenmöbeln sucht.
Beraten wird sie von Verkäuferin Ines Rick, die wie ihre Kollegen aus der Kurzarbeit zurück und gerne an der Arbeit ist. „Ich habe mich schon zu Hause gelangweilt“, bekennt sie.

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Langeweile hatte Uwe Schicht im „Garten Eden“ nicht; der Gartenbaubetrieb durfte unter Auflagen verkaufen. Kunden wie Christa Werlich vermissten es aber, selbst die Ware auswählen zu können. „Ich suche Grabschmuck“, sagt die 90-Jährige. Zuletzt sei sie trotz Corona täglich spazieren gegangen. Einkaufen im Gartenbetrieb sei ihr ohne Begleitung aber unmöglich gewesen. Umso mehr freue sie sich, dass nun ihr Sohn endlich da sei und es ermögliche. „Normalerweise besuche ich meine Mutti regelmäßig, weil sie an einer Makula-Degeneration leidet und fast blind ist. Da ich aber in Dresden wohne, ging es durch die Kontaktsperre in letzter Zeit nicht.“

Viele Kunden sind noch verunsichert

Immer öffnen durfte Diana Gose ihren Presseshop. Nun sind bei ihr, neben Zeitungen und Lotto, die Schutz-Masken aus Stoff der Renner. „In zwei Tagen haben wir fast 150 Masken verkauft, die eine Halbendorferin für uns näht“, erzählt Diana Gose. Weil die Masken schnell vergriffen sind, nimmt sie auch Vorbestellungen auf.

Wer keine Maske hat und bei Ilona Kiel im Modehaus einkaufen will, kann trotzdem ihr Geschäft betreten. Sie verkauft ja Masken für Kinder und Erwachsene, angefertigt von der Änderungsschneiderin des Modehauses. Noch ist kein Kundenansturm da. „Es muss sich rumsprechen, wer in Weißwasser offen hat. Außerdem sind viele Menschen noch verunsichert oder müssen aufs Geld achten, weil sie selbst in Kurzarbeit waren oder sind. Das Geschäft wird nur schleppend gehen“, vermutet sie.

Sie bräuchte nach der langen Schließzeit (ohne Einnahmen, aber mit fortlaufenden Ausgaben) dringend Kundinnen. Auch weil sie nicht weiß, ob ihr Antrag auf Unterstützung genehmigt wird. „Bisher habe ich keinerlei Informationen“, so Ilona Kiel.

Ohne Desinfektionsmittel geht auch bei Carmen Paukert im Schuhladen von Tobias Hemmo nichts.
Ohne Desinfektionsmittel geht auch bei Carmen Paukert im Schuhladen von Tobias Hemmo nichts. © Joachim Rehle
Christa Werlich und ihr aus Dresden angereister Sohn nutzten die Lockerungen für einen Gartenmarkt-Besuch.
Christa Werlich und ihr aus Dresden angereister Sohn nutzten die Lockerungen für einen Gartenmarkt-Besuch. © Sabine Larbig
Ilona Kiel bietet derzeit nicht nur Damenmode und Accessoires an, sondern auch Mundschutzmasken.
Ilona Kiel bietet derzeit nicht nur Damenmode und Accessoires an, sondern auch Mundschutzmasken. © Sabine Larbig

Unbedingt an die Regeln halten

Überrascht haben sie dagegen Kunden: mit Blumen und mutmachenden Worten. „Ich bin froh, dass die Menschen wieder in die Stadt gehen und keine Angst vor dem Virus haben. Doch wichtig ist, dass sich alle an die Regeln halten und die Lockerungen nicht zurückgenommen werden. Das wäre für den Handel fatal und für viele das Aus.“
Gut vorbereitet, aber erst am Dienstag gestartet ist die Hugendubel-Filiale in Weißwasser. Man habe dabei Erfahrungen von Berliner Geschäften nutzen können. Dennoch sei sie aufgeregt gewesen, sagt Filialleiterin Julia Hartwig. Kurz vor 10 Uhr standen schon mehrere Kunden vor dem Laden. Allesamt hätten sie ihre Freude darüber erklärt, dass nun auch der Buchladen wieder offen ist. „Das war für uns ein tolles Feedback“, freut sich die Buchhändlerin. Dass die Kunden auf all die Hygienemaßnahmen so verständnisvoll reagierten, habe den Wiederbeginn erleichtert. Gefragt war am ersten Tag Lesestoff querbeet. „Die Kunden waren auf der Suche nach geistiger Nahrung, um sich von den vielen Corona-Nachrichten ablenken zu können“, sagt sie. Die Öffnungszeiten sind vorerst eingeschränkt: Montag bis Freitag 10 bis 17 und Sonnabend bis 12 Uhr.

Laufschuhe, Inlineskater oder Räder für die Inliner; kurz: alles, was man so für Sportarten braucht, die man allein oder zu zweit ausüben und dabei auch den nötigen Abstand halten kann, ist derzeit bei Sachsensport in Weißwasser besonders gefragt. Durch die lange Schließung habe man beinahe eine ganze Saison übersprungen, sagt Mitinhaber Matthias Henschel. Zwar könne man bei jedem Wetter Sport treiben, aber ob jetzt noch Übergangsjacken an die Sportler zu bringen sind, werde man sehen. „Die Kunden kaufen nicht mehr auf Vorrat, sondern wenn sie es brauchen“, so der Sporthändler. Fußbälle und dergleichen braucht jetzt offenbar niemand. Für das Fachgeschäft wäre es wichtig, dass der Vereinssport wieder in die Gänge kommt.

Das Ordnungsamt kontrolliert weiterhin

Auch gestern waren wieder Mitarbeiter des Ordnungsamtes der Stadt Weißwasser unterwegs, um die Einhaltung der Hygiene-Schutz-Maßnahmen zu überprüfen, wie Abstandslinien, Plexiglasscheiben an der Kasse, das Vorhandensein von Desinfektionsmitteln oder unzählige Hinweise, die an Ladentüren gut sichtbar anzubringen sind. Die Liste der Vorschriften ist lang, die Verantwortung der Geschäftsinhaber hoch. Und dennoch überwiegt die Freude über die Wiederöffnung – bei Kunden und Händlern gleichermaßen.

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