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Einzelne Brummi-Räder machen Anwohnern Sorgen

Nachdem ein Laster vorige Woche zwei Räder verlor, fordern Anwohner erneut ein Lkw-Verbot. Bei den Behörden fühlt sich aber niemand zuständig.

Von Carina Brestrich

Vorsichtig schieben sich die Brummis über die Kreuzung. Es sind nicht die ersten an diesem Tag und sicher auch nicht die letzten – auch wenn sich viele Anwohner an Löbaus Hauptverkehrsstraßen wie der S 115 oder der alten B 178 das wünschen würden. Sie fühlen sich genervt von den vielen Lkw, die täglich durch die Stadt rollen. Dabei sind die Laster nicht nur störend, sondern auch gefährlich, wie sich erst vorige Woche zeigte: Ein tschechischer Holzlaster verlor kurz vor der Kreuzung Rumburger Straße – Äußere Zittauer Straße zwei Räder. Während das eine eine kurze Strecke auf dem Gehweg zurücklegte, rollte das andere 800 Meter weit über die Straße. Es grenzt fast an ein Wunder, dass dabei niemand verletzt wurde.

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Und dennoch beschäftigt der Vorfall die Gemüter. Denn die seit Jahren geführte Diskussion um die Lkw-Belastung in Löbau flammt damit wieder auf. „Was wäre denn gewesen, wenn das Rad tatsächlich jemanden getroffen hätte“, fragt ein Löbauer, der direkt an der Rumburger Straße in der Nähe zur Auffahrt auf die neue B 178 wohnt, die Laster der einzelnen Speditionsfirmen vor seinem Fenster inzwischen kennt. „Da wurde für viele Millionen Euro die Umgehungsstraße gebaut, und trotzdem rollen die Lkw weiter durch Löbau, gefährden jetzt sogar die Menschen“, ärgert er sich.

Problem seien vor allem die Holzlaster, die ins Holzwerk nach Kodersdorf wollen, beschreibt der Anwohner. So wie vorige Woche vermutlich auch der tschechische Laster, der aus Richtung Neugersdorf kam. „Diese Laster nutzen die neue B 178 nur wenig, weil es durch die Stadt für sie kürzer ist“, erzählt er. Aber auch die Gewohnheit an alte Strecken oder veraltete Navigationsgeräte scheinen eine Ursache zu sein, warum die Ortsumgehung noch immer nicht dafür gesorgt hat, dass Ruhe auf Löbaus Straßen einkehrt „Ich sehe zum Beispiel immer wieder diesen einen Tieflader, der Teile für den Waggonbau nach Niesky bringt. Der könnte ja nun wirklich die Umgehung benutzen“, sagt der Löbauer.

Helfen würde vor allem eine entsprechende Beschilderung, um die Lkw auf die Ortsumgehung zu zwingen und sie so aus der Stadt fernzuhalten, findet der Anwohner. So wie in Bautzen: Als die Lkw-Maut für Autobahnen aufkam, wurde dort ein Durchfahrtsverbot für Laster über 7,5 Tonnen eingeführt, um so die schweren Mautpreller-Brummis vom Zentrum fernzuhalten. „Ich finde die Idee gut. Sowas könnte ich mir auch in Löbau vorstellen“, meint der Anwohner von der Rumburger Straße.

Doch in Sachen Beschilderung scheint sich keine Behörde so recht zuständig zu fühlen. Vielmehr schieben sich die Ämter die Verantwortung gegenseitig zu. Das Landesamt für Straßenbau und Verkehr (Lasuv) etwa, das Bauherr der Umgehungsstraße ist, gibt die Frage nach der Wegweisung an die Untere Verkehrsbehörde des Landratsamtes weiter.

Das Landratsamt wiederum erklärt, dass Bundes- und Staatsstraßen wie die Rumburger Straße oder die Äußere Zittauer Straße so ausgebaut sind, dass alle Verkehrsarten, also auch der Durchgangsverkehr, aufgenommen werden können. Eine grundsätzliche Sperrung für Lkw sei deshalb nicht möglich, sagt Marina Michel, Sprecherin des Landratsamtes. Die konkrete Beschilderung im Gebiet der Großen Kreisstadt Löbau obliege allerdings ohnehin der dortigen Straßenverkehrsbehörde.

Die Stadt Löbau jedoch fühlt sich nach Angaben von Oberbürgermeister Dietmar Buchholz (parteilos) nicht dafür zuständig, Schilder gegen den ungewünschten Durchgangsverkehr der Brummis aufzustellen. Buchholz sieht vielmehr das Landesamt in der Pflicht. „Wir haben bereits versucht, das Bautzener Modell auch bei uns einzuführen“, sagt der OB. Dies sei jedoch gescheitert. Zu den Gründen wolle er sich nicht auslassen. Der Oberbürgermeister hofft aber, dass es in der Stadt ruhiger werde, wenn das Teilstück der neuen B 178 nach Weißenberg fertig ist. Die Laster werden bis dahin weiterhin durch Löbau rollen. Die Anwohner müssen also vorerst damit leben – auch mit den Gefahren, die von den Brummis ausgehen.