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Eman radelt künftig in Kairo

Drei Monate war eine Ägypterin als Praktikantin bei der Fürst-Pückler-Stiftung. Davon profitieren sie und die Region.

Eman Adel arbeitet als Praktikantin bei der Fürst-Pückler-Stiftung und hat dabei von deutschen Kollegen Radfahren gelernt.
Eman Adel arbeitet als Praktikantin bei der Fürst-Pückler-Stiftung und hat dabei von deutschen Kollegen Radfahren gelernt. © Foto: Joachim Rehle

Von Sabine Larbig

Bad Muskau.  Lächelnd zeigt Eman Adel vor dem Neuen Schloss, wie sicher sie inzwischen Fahrrad fährt. Vor drei Monaten, als sie aus Kairo nach Bad Muskau kam, konnte sie das nicht. In ihrer Heimatstadt Kairo, der Hauptstadt und Millionenmetropole Ägyptens, habe sie zu viel Angst gehabt. Nun sei dies anders. „Ich fahre inzwischen gerne und viel Rad“, erzählt die 27-Jährige in akzentfreiem flüssigem Deutsch.

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Die Sprache hat sie in der Schule gelernt,, als zweite Fremdsprache neben Englisch, bevor sie Germanistik und Anglistik studierte und später unterrichtete. „Schon in der Schule war es mein größter Wunsch, einmal nach Deutschland zu reisen, um meine Sprachkenntnisse weiter zu verbessern“,erzählt Eman. Ihr Wunsch hat sich erfüllt. Seit Mitte August ist die Ägypterin als Hospitantin bei der Fürst-Pückler-Stiftung. Möglich wurde es durch das Austauschprogramm „Gemeinsam freiwillig engagiert“ der Deutschen Unesco-Kommission und ihrem Kooperationspartner, dem Austauschdienst „Kulturweit“. „Es ist das dritte Mal, dass die Stiftung eine Hospitantin aus einem arabischen Land hat“, erklärt Stiftungssprecherin Sophie Geisler. Kein Wunder. War doch Fürst Pückler selbst so vom Orient begeistert, dass er mehrere Reisen dorthin unternahm und Reiseberichte schrieb. Und er hinterließ in seinen Parks und Schlössern in Bad Muskau und Branitz manche, der arabischen Welt entlehnte, Gestaltungselemente und Bauwerke. Das Imposanteste ist sein Pyramidengrab. All dies wusste Eman Adel bereits vor ihrer Reise nach Deutschland. „Ich hatte mehrere Angebote auf meine Bewerbung und informierte mich daher über die Einsatzstätten im Internet. Vom Pückler-Park war ich wegen der Natur und der Orientreisen sofort fasziniert.“

Seit 26. August hat Eman bereits die Hektik und Quirligkeit Kairos, die ägyptische Sonne, Familie und heimisches Essen gegen das ruhige Bad Muskau, eine Gastfamilie, den deutschen Herbst und ungewohntes Essen getauscht. „Das gefällt mir alles. Ich mag sogar ein paar deutsche Gerichte. Doch ich habe auch typisch ägyptisch für meine Vermieterin und die Kinder der Arbeitsgemeinschaft Kleine Schlossgärtner der Grundschule Bad Muskau gekocht“, erzählt Eman, die ebenfalls von der deutschen Pünktlichkeit begeistert ist. Probleme mit den Menschen, sagt sie, habe sie als Ausländerin nie gehabt. Besonders gern sei sie jedoch auf dem Markt in Leknica, da die Mentalität der Händler etwa wie in ihrer Heimat sei. Nach der, und ihre Familie, sehnt sich Eman Adel inzwischen sehr. „Es war ja das erste Mal, dass ich im Ausland war. Und allein“, bekennt sie. Glücklicherweise habe sie täglich per WhatsApp mit ihnen Kontakt gehabt. So konnte sie den Eltern und Brüdern auch von ihren Erlebnissen erzählen: der Busreise nach Krakau zu einer Freundin vom Austauschprogramm, dem Empfang in Berlin mit dem deutschen Außenminister, dem Lernen des Radfahrens oder der Unterrichtsstunde, die sie kommende Woche an der Grundschule Muskau gibt. Und natürlich hat sie Familie und Freunden auch von ihren Aufgaben bei der Stiftung berichtet.

„Eman übersetzte die Erläuterungstexte am Grab von Machbuba ins Arabische, so dass es sie künftig in fünf Sprachen gibt“, erläutert Sophie Geisler. Außerdem habe sie, in Vorbereitung der für 2022 geplanten Dauerausstellung zu den Orientreisen des Fürsten, bereits Kontakte zu Museen in Ägypten geknüpft. Für die Mitarbeit am Projekt, so Geisler weiter, sei bereits die nächste Praktikantin fest eingeplant.

Doch Eman Adel hat noch etwas Besonderes während ihres Aufenthalts gemacht: einen persönlichen Kurzfilm über den Muskauer Park in arabischer Sprache, den sie auf Youtube und anderen Multimedia-Kanälen verbreiten wird. Unterstützt wird sie beim Filmprojekt von der Stiftung, die ihr Bildmaterial zur Verfügung stellt.

„Die Idee dazu kam mir, weil ich im Internet keine Informationen über Pückler und den Park in arabisch fand“, begründet Eman, die deshalb mit ihrem Film zur weiteren Bekanntheit des deutsch-polnischen Unesco-Parks beitragen will, dessen Ländergrenzen, wie sie sagt, sie übrigens nie wahrgenommen habe.

Wenn Eman Adel Mitte November zurück in die Heimat fliegt, hat sie ihr vorerst größtes Abenteuer des Lebens erlebt. Doch dabei soll es nicht bleiben. „Ich möchte gerne noch Kommunikation studieren und in dem Beruf und mit Sprachen arbeiten und mich als Lehrerin für sehbehinderte Kindern oder im Alphabetisierungsbereich sozial engagieren. Das habe ich schon beim Studium freiwillig getan.“ Und sie wird weiter deutsche Musik von Helene Fischer oder Nicole hören und mitsingen. „So habe ich viel Deutsch gelernt“, verrät Eman.

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