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Endlich wieder Leben im Ottendorfer Pfarrhaus

Die Kirchgemeinde wartete zwei Jahre. Nun ist Maria Bartels da. Sie ist gespannt. Zum Beispiel auf den Gottesdienst diesen Sonntag.

Von Heike Sabel

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Wie Weihnachten und Geburtstag zusammen sieht es aus. Auf dem Schrank häufen sich Geschenke. Eine Kerze, Tee, eine Flasche Wein, ein Bild mit einem geklöppelten Kreuz. Viele Geschenke sind noch eingepackt. Es sind Abschieds- und Willkommensgeschenke. Pfarrerin Maria Bartels will sich mit ihrer Familie Zeit nehmen, die Geschenke auszupacken. Zeit, die das Loslassen und das Ankommen brauchen.

Loslassen was war, ankommen in Ottendorf. Die Wohnung ist wunderschön, sagt Maria Bartels. Hier stehen noch ein paar Umzugskisten, da noch ein paar Sachen auf dem Fußboden. Der Bücherschrank ist schon eingeräumt, das Bügeleisen hat seine ersten Einsätze hinter sich. Die Tochter und der Sohn gehen in die evangelische Schule nach Pirna, der Mann ist als Mitarbeiter im Landesjugendpfarramt viel unterwegs. Da bleibt eben auch mal was liegen. Abschied und Ankunft, Freude und Leid liegen für die Kirchenfrau nah beieinander. Bei Maria Bartels liegen knapp 100 Kilometer, unzählige Erfahrungen, viele Hoffnungen, einige Enttäuschungen dazwischen. Zwölfeinhalb Jahre war sie Pfarrerin in Lößnitz-Affalter im Kirchenbezirk Aue.

Nun war es Zeit für einen Wechsel – und für die Gemeinde Ottendorf-Liebstadt für einen neuen Pfarrer. Über zwei Jahre musste die Gemeinde seit dem Weggang von Olaf Börnert ohne Seelsorger auskommen. Nun muss die erzgebirgische Gemeinde suchen und warten. Deren Abschiedsgeschenke sind für Maria Bartels Zeichen für die Enttäuschung über das Weggehen und die Freude, dass man gemeinsam ein Stück gegangen ist.

Die Briefeschreiberin

Maria Bartels ist zunächst etwas distanziert, zurückhaltend, beobachtend. Sie ist in Zwickau geboren und jetzt 47. Sie konnte erst mit 23 Jahren Theologie studieren. Da sie aus einer Handwerkerfamilie stammte, durfte sie in der DDR nicht zur Erweiterten Oberschule gehen. Deshalb musste sie ihr Abitur nach der Berufsausbildung machen. Sie nutzte das Studium für Aufenthalte in Münster und Kapstadt. Die große Welt und ihr Erzgebirgsland, beides hat Platz in ihr, so wie das Abwarten und das fröhliche Zugehen auf Menschen.

Gottesdienste sind Pfarrers (sonn)tägliches Brot. Nach über zwölf Jahren dürfte das auch für Maria Bartels nichts Neues mehr sein. Und doch erlebt sie am Sonntag einen Gottesdienst zum ersten Mal. In Liebstadt gibt es einen Faschingsgottesdienst. „Das ist neu für mich, ich bin gespannt.“

Die ersten 100 Tage in Ottendorf hat Maria Bartels auf ein Jahr ausgedehnt. Dann hat sie alle Höhepunkte und Ereignisse eines Kirchenjahres miterlebt. Ostern und Weihnachten, Taufen und Beerdigungen, Konfirmation und Kirchenvorstand. Sie nennt das Jahr Mitlaufen, „ich gebe mich rein“. Dann will sie überlegen, was sie einbringen kann. Auch das ist loslassen und ankommen. Lößnitz war Lößnitz, die Gemeinden um Ottendorf und Liebstadt sind jetzt, haben aber auch Geschichte.

Der Kirchenvorstand hier ist sehr offen, sagt sie. Er habe viel aus eigener Kraft erledigt, viel gelernt in den vergangenen zwei Jahren. Ob ein Pfarrer in den zwei Jahren fehlte, mag sie nicht beurteilen. Aber es sei auffällig, dass auch an den sieben Kirchen in der Gemeinde etwas gemacht wurde. Um alles zu tun, was notwendig ist, dafür ist die Gemeinde nicht reich genug, sagt Maria Bartels.

Ein Päckchen hat sie gleich aufgepackt. Es kam per Post. Eine Frau aus ihrer bisherigen Gemeinde hat es geschickt. Mit Marmelade und Badezusatz. Der Frau hat sie einen Brief geschrieben. Mit der Hand und mit Füller. „Ich schreibe und empfange gern solche Briefe“, sagt Maria Bartels.

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