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Endlich Zeit zum Schlagzeug spielen

AZV-Teamleiter Albrecht Hänel hat sich in den Ruhestand verabschiedet. Zur Ruhe kommt er aber keineswegs.

Der Teamleiter technische Dienste des AZV „Untere Zschopau“ hat sich in den Ruhestand verabschiedet.
Der Teamleiter technische Dienste des AZV „Untere Zschopau“ hat sich in den Ruhestand verabschiedet. © Dietmar Thomas

Waldheim. Rentner haben niemals Zeit. Das bestätigt auch Albrecht Hänel. Dabei gehört er erst seit wenigen Wochen zu den Ruheständlern.

Auf sein Arbeitsleben zurückblickend, muss er schmunzeln. „Ich stamme aus einer Klempnerfamilie. Ich wollte nie Klempner werden und nie etwas mit Toilettenbecken und deren Inhalten zu tun haben. Und dann lande ich in einer Kläranlage“, erzählt der bisherige Teamleiter technische Dienste im Abwasserzweckverband (AZV) „Untere Zschopau“.

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Doch anfangs blieb er seinem Schwur treu, lernte bei der PGH Heizungstechnik den Beruf des Heizungsmonteurs. Ab 1989 folgte der Meisterlehrgang. Den konnte dieser Jahrgang durch die Umstellung der Lehrpläne in der Wendezeit aber erst 1994 abschließen. Dafür war die Zeremonie zur Überreichung der Meisterurkunde eine Besondere. Denn die erhielt Albrecht Hänel im Leipziger Gewandhaus aus den Händen des damaligen Bundeskanzlers Helmut Kohl.

Und dann kam die Flut

Hänel blieb bei der Heizungstechnik, bis die in Schieflage geriet. Es folgten zwei Arbeitsstellen bei Privatfirmen, bis im Jahr 2001 die Stelle eines Klärwärters für das Klärwerk Hartha ausgeschrieben war. Er bewarb sich, bekam den Job, begann ihn im Dezember desselben Jahres und dazu eine Klärwärterausbildung.

Doch die wurde wenige Monate später zur Nebensache. Das Wasser der Zschopau stieg und stieg. „Wir wussten gar nicht, wie wir damit umgehen sollten“, erzählt er. Das Betriebsgebäude stand leicht erhöht. „Die Frage war, müssen wir etwas hochräumen?“ Doch auch das hätte nicht viel genutzt.

Letztendlich stiegt der Pegel der Zschopau 6,5 Meter über normal und überflutete das gesamte Gelände. Zuvor habe Klärwärter Jürgen Reichelt entschieden, das Trafohaus abzuschalten und damit die komplette Kläranlage außer Betrieb zu nehmen.

Albrecht Hänel erinnert sich, als wäre die Flut erst gestern über die Region hereingebrochen. Das Hochwasser im August 2002 gehört zu den intensivsten und emotionalsten Erlebnissen während seines Arbeitslebens.

Kläranlagenbau im Eiltempo

Die erste Zeit nach der Flut sei das Abwasser ungeklärt in die Zschopau geflossen. Recht schnell habe es aber eine Übergangslösung gegeben, bis eine neue Kläranlage gebaut war. Deren Planung erfolgte im Eiltempo. Nicht selten hätten die Planer bis in die Nacht gearbeitet, seien am nächsten Morgen in die Landesdirektion Leipzig gefahren, hätten sich nach der Prüfung der Unterlagen dort den nötigen Stempel geholt, um sofort den nächsten Schritt gehen zu können. Im Oktober 2003 erfolgte der erste Spatenstich. Im März 2005 ging die neue Kläranlage in Betrieb.

Albrecht Hänel sagt nie „ich“. Er spricht immer von „wir“, wenn er von der Entwicklung des AZV erzählt. In den vergangenen beiden Jahrzehnten habe der viel investiert. „Wir haben den Breitenberg erschlossen, Diedenhain, Meinsberg, Ziegra, Limmritz sowie halb Stockhausen ans Abwassernetz angeschlossen und das neue Verbandsgebiet Gersdorf übernommen“, zählt er auf. All das sei mit einem Team von vier Leuten gestemmt worden, die außerdem auch den Wochenend-, Feiertags- und Bereitschaftsdienst abgesichert haben.

Bei all dem, was geschafft wurde, hätte der Waldheimer eins gern noch erlebt: den Abschluss des Umbaus der Kläranlage Hartha. Denn dort hat sein Weg beim AZV begonnen. Darum kümmert sich nun sein Nachfolger Matthias Funke, der im Herbst 2020 seine Meisterausbildung beginnen wird.

Festumzug 2023 in Vorbereitung

Und wie verbringt Albrecht Hänel die neu gewonnene Freizeit? Zeit? Die habe er nicht, meint der 63-Jährige. Nach wie vor engagiert er sich ehrenamtlich als Vorsitzender der Kultur- und Heimatfreunde Waldheim. Im Organisationskomitee für das Heimatfest im Jahr 2023 ist er für den Festumzug verantwortlich. Albrecht Hänel gehört zum Freundeskreis Hartha-Waldheim-Leisnig, zum CDU-Kreisvorstand und sitzt seit 2004 im Waldheimer Stadtrat, wo er auch als stellvertretender Bürgermeister fungiert.

Außerdem sei privat einiges liegengeblieben. „Ich bin Numismatiker und habe viele Kartons, deren Inhalt sortiert werden muss.“ Auch die Unterlagen seines Vaters, der ebenfalls Heimatforscher war, will er sichten und sich mehr um die Familie kümmern.

Ach ja, Schlagzeug spielt er auch. Zusammen mit ein paar Freunden. Das Instrument möchte er nun öfter wieder hervorholen. Sie hätten früher viel auf Familienfeiern und Hochzeiten gespielt. Allerdings, so schränkt er schmunzelnd ein, würden die Musiker nicht mehr für Hochzeitsfeiern engagiert. „Die Ehen sind alle wieder geschieden worden.“

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