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Ephraims Uhr schlägt wieder

Schüler und Nachkommen gedachten gestern einem einst sehr bekannten Görlitzer Juden.

© Pawel Sosnowski/80studio.net

Von Daniela Pfeiffer

365 Tage für Patienten da

Die Dresdner City-Apotheken bieten mehr, als nur Medikamente zu verkaufen. Das hat auch mit besonderen Erfahrungen zu tun. Was, wenn Sonntagmorgen plötzlich der Kopf dröhnt oder die Jüngste Läuse mit nach Hause gebracht hat?

In der Schule haben sie „Schindlers Liste“ gesehen. Dazu Fotos von Auschwitz. Doch gestern sind die Achtklässler der Oberschule Rauschwalde richtig beeindruckt, manche vielleicht auch berührt. Denn da hören sie von Zeitzeugen, was Holocaust war.

Bauherr Ronny Otto hatte am Vormittag in die Villa Ephraim eingeladen, um anlässlich des 70. Jahrestages der Befreiung des KZs Auschwitz an den Görlitzer Juden Martin Ephraim zu erinnern. Zugleich nutzte er das Datum als ersten Teil der Eröffnung der von ihm originalgetreu restaurierten Villa, die einst Ephraims Firmensitz war. Daran erinnern seit gestern im Eingangsbereich unter anderem zwei große Tafeln. Eine mit der Ansicht des Werksgeländes des Ephraimschen Eisenwarenunternehmens. Die andere mit Bildern der Villa und einem ausführlichen Lebenslauf von Martin Ephraim. Dazu kam gestern die Werksuhr, die Ronny Otto originalgetreu hat restaurieren lassen. Sie fand gestern ihren früheren Platz wieder – über der Eingangstür. Vorerst aber nur bis zum 23. März. An diesem Tag wurde Martin Ephraim 1860 geboren – an diesem Datum soll der zweite Teil der Eröffnung sein. Dann wird in die Wand hinter der Uhr eine Dose mit Zeitdokumenten eingebracht, davor endgültig die Uhr befestigt. „Ich hoffe, dass das Wirken Martin Ephraims und seine Stiftung wieder bekannter werden“, sagte Ronny Otto. Denn nach der Judenverfolgung und Ephraims Tod im KZ Theresienstadt im April 1944 sprach in Görlitz bald niemand mehr vom einstigen Stadtrat und Unternehmer, der sich in Görlitz so engagiert hatte und Kunst und Kultur mit seinem Privatvermögen förderte.

An sein Leben erinnerte gestern auch Elisabeth Bürvenich, die zu Martin Ephraim geforscht hat. Über sein schreckliches Sterben berichtete sie mit stockender Stimme. Ebenfalls waren Nachkommen Ephraims gestern da, darunter Urenkelin Vera Gunkel aus Dresden. Sie kam mit den Achtklässlern aus Rauschwalde ins Gespräch, erzählte, was sie über ihre Großeltern und Urgroßeltern weiß. „Ich freue mich, dass Ihr Euch mit dem Thema befasst. Das Leben ist eben nicht immer nur Spaß, es gibt auch schlimme Sachen“, sagte sie. Max, Eric und Timur aus der 8 b beeindruckten Gunkels Worte. „Man kann sich das gar nicht vorstellen, wie das war“, sagte Max. Und Timur ist sicher, dass die Angehörigen mehr erzählen können, als jede Internetrecherche es vermag. In zwei Jahren werden die Jungs in der Gedenkstätte Auschwitz noch mehr eine Ahnung davon bekommen, was KZ bedeutete. Denn traditionell fahren die Abschlussklassen ihrer Schule nach Auschwitz.

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