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Erfindungen zum Anfassen

Eine neue Schau am Schloss Schleinitz zeigt sächsische Patente – eine Zeitreise mit Überraschungen.

© hübschmann

Von Christoph Scharf

Ein Hausfrauenparadies! So könnte das Gewölbe am Schloss Schleinitz nennen, wer ein traditionelles Frauenbild vertritt. Immerhin sind dort Dutzende Bügeleisen in Reih und Glied nebeneinander aufgereiht. Die wuchtige Wäschemangel wartet auf Benutzer. Eine stählerne Trommelwaschmaschine wird gerade mit Laken befüllt. Regina Wolfring und Karin Schmidtgen vom Förderverein Schloss Schleinitz legen aber heute keinen Waschtag ein. Denn zum einen sind die Laken längst sauber, zum anderen wäre der Betrieb der Waschmaschine ziemlich mühselig: Das Gerät von 1902 muss mit Kohlen befeuert und per Hand in Drehung versetzt werden.

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Der Nussknacker: 1571 soll das erste Exemplar im Erzgebirge gefertigt worden sein – als Bettelmönch. Das Exponat in Schleinitz ist rund 100Jahre alt.
Der Nussknacker: 1571 soll das erste Exemplar im Erzgebirge gefertigt worden sein – als Bettelmönch. Das Exponat in Schleinitz ist rund 100Jahre alt. © hübschmann
Die Tinte: Fließt blau, wird schwarz, bleicht nie – damit warb man für die Alizari-Tinte aus Dresden, für die schon 1856 ein Patent erteilt wurde.
Die Tinte: Fließt blau, wird schwarz, bleicht nie – damit warb man für die Alizari-Tinte aus Dresden, für die schon 1856 ein Patent erteilt wurde. © hübschmann
Die Waschmaschine: Regina Wolfring (li.) und Karin Schmidtgen müssen keinen Stromausfall fürchten: Mit Kohlefeuerung und Kurbel funktioniert die Maschine ohne Steckdose. Patentiert wurde sie 1902 von K. L. Krauß (Schwarzenberg). Fotos: Claudia Hübschmann
Die Waschmaschine: Regina Wolfring (li.) und Karin Schmidtgen müssen keinen Stromausfall fürchten: Mit Kohlefeuerung und Kurbel funktioniert die Maschine ohne Steckdose. Patentiert wurde sie 1902 von K. L. Krauß (Schwarzenberg). Fotos: Claudia Hübschmann © hübschmann

Und dennoch hat es bald seinen großen Auftritt. Denn die Waschmaschine mit der Aufschrift „Karl Louis Krauß“ gehört als sächsische Erfindung zur neuen Sonderausstellung, die Sonntag eröffnet wird. „Wir wollen sächsische Erfindungen zeigen, die in der Lommatzscher Pflege in Gebrauch waren“, sagt Vereins-Vize Hartmut Oefner. Anders als die Mangel wird die Trommelwaschmaschine aus Schwarzenberg heute allerdings nicht mehr benutzt – obwohl im Regal daneben schon die Spee-Packungen bereitstehen.

Ob das Pulver aus dem VEB Waschmittelwerk Genthin wohl ausreichen würde, um Flecken von Alizari-Tinte aus der Kleidung zu bekommen? Man darf zweifeln. Denn der Dresdner Hersteller – auch so ein sächsischer Erfinder – wirbt mit dem Spruch „fließt blau, wird schwarz, bleicht nie“. Ein Fläschchen davon hat es genauso in die Schleinitzer Ausstellung geschafft, wie ein Melitta-Kaffeefilter, ein erzgebirgischer Nussknacker oder die erste deutsche Briefmarke mit kyrillischer Beschriftung.

Episoden von Spannern und Säufern

Sämtliche Exponate finden ihren Platz im ehemaligen Getreidespeicher und dem Handwerkerhof. Denn der Förderverein hat in den Nebengebäuden des Schlosses in den vergangenen 20 Jahren eine Ausstellungswelt geschaffen, die ihresgleichen sucht. Besucher können sich zwischen Wäschestube, Nähmaschinenausstellung und Opas Schuhmacherwerkstatt verlaufen – wenn sie nicht vorher schon in der Schau mit historischen Radiogeräten, der Abteilung mit der Hausschlachterei oder der Landpost hängenbleiben. Auf fast alle Fragen versucht die Ausstellung eine Antwort zu geben: Wie wurden vor 100 Jahren Federn gespleißt? Womit machte man Wein? Welchen Luxus bot ein Bauern-Wohnzimmer? Womit spielte Uroma als Kind?

Mitunter wirkt die Zusammenstellung der Exponate etwas eigenwillig – verfolgt aber immer einen Zweck. „Wir wollen sichtbar machen, wie das Leben auf dem Lande früher war“, sagt Hartmut Oefner. Dazu gehören auch geschnitzte Szenen aus dem Dorfleben, an die sich manch älterer Einwohner noch erinnern kann: etwa die Episode einer Bauersfrau, die sich gern von Spannern beim Bad in der Badewanne beobachten ließ oder der Einfallsreichtum eines volltrunkenen Familienvaters, der ins versperrte Heim zurückkehren wollte.

Zu sehen ist die Schau ab dem 6. April wieder an jedem Sonn- und Feiertag. Außerdem hat der Verein, der im Sommer sein 20-jähriges Bestehen feiert, in dieser Saison auch wieder ein Kinderfest am 6. Juni und den Ernte-, Dresch- und Handwerkertag am 7. September auf dem Programm: ein Angebot für die ganze Familie – längst nicht nur für Hausfrauen.

Saisoneröffnung am Schloss Schleinitz, Sonntag 13 Uhr. Geöffnet ist die Schau sonn- und feiertags 13 bis 18 Uhr.

Eintritt: Erwachsene (ab 17 Jahre) zahlen drei Euro, Kinder (6-16) 1,50 Euro, Familien (mit zwei Kindern) 7,50 Euro. Gruppen erhalten Rabatt. Sonderführungen kosten zusätzlich zum Eintrittspreis einmalig 10 Euro.

www.schlossschleinitz.de