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Erfolgreicher Kampf um Bertsdorfer Schule

Eine der kleinsten Grundschulen der Region hat wieder eine Perspektive - dank vieler Kinder und einer Millionen-Investition. Das wird morgen gefeiert.

Bürgermeister Günther Ohmann und Rica Hänel vom Bauamt der Gemeinde Olbersdorf stehen in einem der neu gestalteten Klassenräume der Bertsdorfer Grundschule.
Bürgermeister Günther Ohmann und Rica Hänel vom Bauamt der Gemeinde Olbersdorf stehen in einem der neu gestalteten Klassenräume der Bertsdorfer Grundschule. © Rafael Sampedro

Noch versteckt sich der Altbau der Bertsdorfer Grundschule hinter einem Gerüst. Die Bauarbeiten seien etwas in Verzug, erklärt Bürgermeister Günther Ohmann. Eigentlich sollte das Gerüst schon abgebaut sein. Dass es noch steht, hindert die Gemeinde Bertsdorf-Hörnitz nicht daran, Sonnabend das sanierte Schulgebäude feierlich zu übergeben. Mit dem Umbau ist die Bertsdorfer Schule nun auf längere Zeit gesichert und das jahrelange Tauziehen um das weitere Bestehen beendet. "So schnell wird sie nicht dicht gemacht", sagt der Bürgermeister. 

Die Grundschule, die zu den kleinsten in der Zittauer Region gehört, stand lange unter Beobachtung, weil es zu wenige Schüler gab. In den nächsten Jahren gibt es wieder genug Kinder im Ort, um erste Klassen bilden zu können. Gleichzeitig lernen hier aber auch ein paar Kinder aus Pethau, Waltersdorf und Großschönau. Der Besuch einer anderen als der zugewiesenen Grundschule ist nur mit Genehmigung des Regionalschulamtes in Bautzen möglich. Und selbst wenn die Kinderzahl mal nicht ausreichen sollte, würden die Bertsdorfer auf einen jahrgangsübergreifenden Unterricht setzen. Bisher musste dieses Modell noch nicht praktiziert werden, so Ohmann.

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Seit dem Start des Schuljahres vor knapp zwei Wochen nutzen die Grundschüler bereits die sanierten Klassenräume. Zuvor lernten sie ein Jahr lang in der Waltersdorfer Schule. Nun sind die mehr als 80 Schüler zurück in Bertsdorf - und werden hier unter besten Bedingungen unterrichtet. Fußböden, Heizungen und Fenster sind neu, ein Teil der Tische und Stühle in den Klassenräumen wurde ausgetauscht. Wer die sanierte Schule betritt, erreicht über hell gestrichene Flure die Klassenräume und Lehrerzimmer. Der Haupteingang befindet sich jetzt auf der Rückseite im Anbau. Der Anbau ist ebenfalls neu errichtet worden. Und bietet zusätzliche Klassenzimmer und einen Mehrzweckraum, der von Schule, Hort und Gemeinde gleichermaßen genutzt werden kann. Einen Mehrzweckraum hat es bisher in der Bertsdorfer Grundschule noch nicht gegeben. 

Das Gerüst an der Schule wird erst in einigen Wochen fallen, da sich die Bauarbeiten verzögert haben.
Das Gerüst an der Schule wird erst in einigen Wochen fallen, da sich die Bauarbeiten verzögert haben. © Rafael Sampedro
Am Neubau ist ein Bild des verstorbenen Bertsdorfer Künstlers Siegfried Schreiber angebracht worden. Seine Witwe hat es zur Verfügung gestellt, überholen lassen und auch die Montage finanziert. Es zeigt zwei Gänse. Aus Sicht des Bürgermeisters passt es gut, da man ja auf dem Dorf sei.
Am Neubau ist ein Bild des verstorbenen Bertsdorfer Künstlers Siegfried Schreiber angebracht worden. Seine Witwe hat es zur Verfügung gestellt, überholen lassen und auch die Montage finanziert. Es zeigt zwei Gänse. Aus Sicht des Bürgermeisters passt es gut, da man ja auf dem Dorf sei. © Rafael Sampedro
Der Haupteingang befindet sich nun auf der Rückseite des Schulgebäudes.
Der Haupteingang befindet sich nun auf der Rückseite des Schulgebäudes. © Rafael Sampedro
Die Klassen- und Horträume haben neue Fußböden und Fenster, teilweise auch neues Mobiliar erhalten.
Die Klassen- und Horträume haben neue Fußböden und Fenster, teilweise auch neues Mobiliar erhalten. © Rafael Sampedro
Im Altbau wurde ein zusätzliches Treppenhaus als zweiter Rettungsweg errichtet.
Im Altbau wurde ein zusätzliches Treppenhaus als zweiter Rettungsweg errichtet. © Rafael Sampedro
An das alte Schulgebäude ist ein Neubau angebaut worden, in dem sich auch ein Mehrzweckraum (vorn) befindet.
An das alte Schulgebäude ist ein Neubau angebaut worden, in dem sich auch ein Mehrzweckraum (vorn) befindet. © Rafael Sampedro

Die Klassenzimmer befinden sich fast ausschließlich in der oberen Etage, nur ein einziges ist im Erdgeschoss und wird gleichzeitig auch als Hortraum genutzt. Diese doppelte Nutzung sei von Anfang an geplant gewesen, erklärt Rica Hänel vom Bauamt der Gemeinde Olbersdorf. Insgesamt stehen der Schule und dem Hort jetzt mehr Räume zur Verfügung.

Der bisherige Haupteingang auf der Vorderseite bleibt übrigens bestehen, weil der Altbau unter Denkmalschutz steht. Aber er soll nur noch im Notfall genutzt werden, wie der Bürgermeister erklärt. Dafür ist ein zusätzliches Treppenhaus als zweiter Rettungsweg entstanden. Er führt wie der Haupteingang auf den Schulhof. Genutzt werden kann der zweite Rettungsweg aber erst, wenn das Gerüst verschwunden ist. Das wird in ein paar Wochen der Fall sein, schätzt Ohmann.

Wenn alle Baufirmen ihre Arbeiten beendet haben, soll es dann auch noch mal einen kleinen Empfang mit den am Bau beteiligten Unternehmen und den Nachbargemeinden geben, kündigt der Bürgermeister von Bertsdorf-Hörnitz an. Denn die Gemeinden Olbersdorf, Jonsdorf und Mittelherwigsdorf haben großen Anteil daran, dass das Dach und die Außenhaut überhaupt gemacht werden konnten. Sie stellten ihre Investitionsmittel, die jede Gemeinde vom Freistaat bekommen hat, für den Schulbau in Bertsdorf-Hörnitz zur Verfügung. So konnte der zweite Bauabschnitt mit Gesamtkosten von 250.000 Euro realisiert werden.

Hätte die Gemeinde Bertsdorf-Hörnitz mit der Dachsanierung gewartet, hätte es vielleicht in zwei Jahren hineingeregnet, meint der Bürgermeister. Das wollte niemand. Denn in das Schulhaus floss eine deutlich größere Summe. Innenausbau und zweiter Rettungsweg sowie der Anbau kosteten insgesamt rund zwei Millionen Euro. 60 Prozent davon musste die Gemeinde selbst finanzieren, und hat sich damit stark verschuldet. Dazu gab es keine Alternative, findet der Bürgermeister. Die Gemeinde wollte unbedingt ihre Schule retten und akzeptierte aus dem Grund die Förderung von 40 Prozent. Man habe ihnen die Pistole auf die Brust gesetzt: Entweder der geringeren Förderquote zustimmen oder die Schule schließen, übt Ohmann Kritik am Umgang mit der Gemeinde.

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Während das Schulgebäude nun saniert und umgebaut ist, wartet die benachbarte Turnhalle noch darauf. Und so schnell wird daraus wohl auch nichts. Denn nach Einschätzung des Bürgermeisters muss es dafür erst ein passendes Förderprogramm geben. Und auch ein neuer Standort müsste gefunden werden. An der bisherigen Stelle könne keine normgerechte Turnhalle gebaut werden, erklärt Rica Hänel. "Da müsste ein großes Wunder geschehen", meint Günther Ohmann mit Blick auf eine baldige Sanierung der Turnhalle.

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