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Erinnerungen an das Haftlager Hohnstein

Ein Onkel der Autorin wurde im KZ festgehalten. Darüber gesprochen wurde kaum. Einige Details kamen doch ans Licht.

© Daniel Förster

Von Ute Kaufer

In den Jahren 1933 und 1934 wurde die Burg Hohnstein von den Nationalsozialisten als Schutzhaftlager missbraucht. Der erste Insasse war der damalige Burgleiter Konrad Hahnewald. Doch auch mein Onkel, Karl S., gehörte zu diesen Opfern. Aus dieser Zeit ist nicht sehr viel bekannt. Selbst hatte er kaum etwas erzählt.

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Er war ein echter Humanist und Mitglied der „Roten Hilfe“. Er unterstützte also Familien, deren Väter oder Männer arbeitslos oder im Gefängnis waren.

Die Familie von Karl S. wohnte in Sebnitz-Hertigswalde gegenüber des ersten Gemeindeamtes, heute die Nummer 54 von Hertigswalde. Von da aus wurde Onkel Karl beobachtet. Am 7. März 1933 verhaftete man ihn, brachte ihn ins Gefängnis zum Amtsgericht nach Sebnitz und er kam dort in Einzelhaft.

Sein Arbeitsverhältnis wurde ihm wegen seiner Tätigkeit in einer kommunistischen Organisation gekündigt. Am 30. März 1933 erfolgte mittels eines Lastkraftwagens der Transport mit sechs weiteren Häftlingen nach Hohnstein.

Hilfe gab es, wenn auch illegale

Er war im Schutzhaftlager in Hohnstein im Haus II, Saal II, untergebracht. So stand es als Absender auf seinen Briefen an seine Frau. Einige Briefe befanden sich noch in seinem Nachlass. Erfahren habe ich von ihm wenig, da er immer so ergriffen war, wenn er daran dachte oder über das Erlebte sprechen sollte.

Zugute kam ihm seine Intelligenz. Und die hatte ihm möglicherweise auch das Leben gerettet. Der Bürgermeister Hausmann von Hohnstein benötigte jemanden im Rathaus, der Kenntnisse in Stenografie, Maschineschreiben und Buchführung hatte. Er fragte bei der Lagerleitung an. Karl S. wurde ausgewählt. Täglich führten ihn zwei Aufseher zum Rathaus und holten ihn abends wieder ab. Anfangs bewachten sie das Rathaus ganztägig. Dass die Angestellten ihn sehr gut behandelten und ihn Unterstützung gaben, las ich in einem Brief, den Karl S. nach dem Krieg an Herrn Seifert, einem Mitarbeiter im Rathaus, geschrieben hat.

„Herr Seifert hat mich in einer Weise behandelt, die man als wahrhaft antifaschistisch bezeichnen kann.“ Von Herrn Seifert bekam Karl S. meistens ein Frühstück. Und wenn Karls Frau ihn im Rathaus besuchte, was nicht erlaubt war, versteckte er sie im Archiv. Solche Dinge waren strengstens verboten und Herr Seifert hat dies auf sich genommen. Besuche wurden den Angehörigen aller drei Wochen, an Wochentagen zwischen 2 bis 4 Uhr nachmittags, für 15 Minuten erlaubt. Jeder Besuch musste vorher schriftlich unter Beifügung von Rückporto nachgesucht werden.

Für die Familie von Karl S. war es eine sehr aufwühlende und schwere Zeit.