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Erste Pläne für grünen Strom aus Nochten

Ein Brandenburger Unternehmen möchte einen Solarpark bauen – und Sonne auf kommunalen Dächern einfangen.

© Symbolfoto: Hendrik Schmidt/dpa

Boxberg. Eine Ladesäule für Elektrofahrzeuge wird die NaturStromProjekte GmbH am Findlingspark Nochten aufstellen – und das sogar kostenfrei für die Gemeinde Boxberg. Das hatte Torsten Leske, Koordinator Neue Projekte des brandenburgischen Unternehmens, unlängst im Gemeinderat angekündigt. Ortsvorsteher Mario Weier (WV Boxberg) nimmt das Versprechen nur allzu gern „für bare Münze“, wie er sagt. Man kämpfe ja schon länger um eine Ladesäule.

Auf Nachfrage von Tageblatt bestätigt Torsten Leske jetzt, dass man selbstverständlich zu dieser Zusage stehe. Ladesäulen gebe es am Schweren Berg in Weißwasser und am Bärwalder See, eine neue am Findlingspark wäre mittendrin eine sinnvolle Ergänzung. Besucher würden ja auch aus Berlin oder Dresden anreisen. „Während sie im Findlingspark spazierengehen, könnten sie in der Zwischenzeit die Batterie ihres Elektroautos aufladen und wären so auch wieder für den Heimweg gerüstet“, blickt Torsten Leske voraus. Gleichzeitig dämpft er aber die Erwartungen. In diesem Jahr werde das wohl nichts mehr. Zum einen müsste man sich mit Bürgermeister und Ortsvorsteher noch einmal über die Wünsche der Gemeinde verständigen, zum anderen seien die baurechtlichen und technischen Voraussetzungen zu klären. Zum Saisonstart im nächsten Jahr sei eine solche Ladesäule aber durchaus realistisch.

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Vonseiten der NaturStromProjekte GmbH stellt man sich eine längerfristige Zusammenarbeit mit der Gemeinde Boxberg vor. Das Unternehmen plant die Errichtung einer Freiflächenphotovoltaikanlage. Im Mai hatte man dazu im Bauamt vorgesprochen – und für den Juni eine Einladung zur Präsentation in den Technischen Ausschuss erhalten. „Wir waren überrascht, wie schnell das ging“, lobt Torsten Leske. Das habe man in anderen Kommunen auch schon ganz anders erlebt. Nach ersten Gesprächen in der Verwaltung könnten sich beide Seiten nachhaltige Lösungen der Photovoltaik auf kommunalen Gebäuden vorstellen. Dass die Gemeinde dann durch Direktnutzung Stromkosten sparen würde, ließ die Räte aufhorchen.

Doch so weit ist es noch lange nicht. Denn erst einmal möchte die NaturStromProjekte GmbH besagten Solarpark bauen. Für die Freiflächenphotovoltaikanlage ist eine 15 Hektar große Fläche östlich von Nochten und nordöstlich des Bahngleises Weißwasser – Rietschen vorgesehen. Das Gelände grenzt auf einer Seite an die Gemarkung Nochten, auf den anderen drei Seiten an die Gemarkung Weißkeißel. „Ganz schön weit weg“, so hatte das Bürgermeister Achim Junker (CDU) kommentiert. Und dennoch ist die Gemeinde Boxberg dafür zuständig. Um Baurecht zu schaffen, hatte der Gemeinderat mit zwei Gegenstimmen und einer Enthaltung mehrheitlich die Aufstellung eines vorhabenbezogenen Bebauungsplans „Solarpark Nochten“ beschlossen. Die Kosten dafür trägt der Investor. Außerdem sind Bürger wie auch Behörden und sonstige Träger öffentlicher Belange frühzeitig einzubeziehen. Erfahrungsgemäß dauert ein solches Verfahren ein bis anderthalb Jahre. Torsten Leske hofft, dass es schneller geht. „Baubeginn Ende 2021 wäre nicht schlecht“, sagt er. Aber wenn erst einmal die Genehmigung erteilt ist, rollt schnell der Bagger an.

Win-Win-Situation erhofft

Die NaturStromProjekte GmbH mit Standorten in Senftenberg und Cottbus ist ein Unternehmen der Naturstrom-Gruppe, die deutschlandweit 40 Mieterstromprojekte gegründet sowie 130 Wind-, Photovoltaik- und Biogasanlagen errichtet hat. Sie beschäftigt 350 Mitarbeiter und versorgt nach eigenen Angaben bundesweit 255.000 Kunden mit Strom und Gas.

In der Oberlausitz ist man in Sachen Grüner Strom schon länger aktiv. Ursprünglich gab es Ideen zur Errichtung von Windkraftanlagen bei Nochten. Von diesen Plänen musste man sich jedoch wegen der Nähe des Truppenübungsplatzes verabschieden. Da hätten sowohl Bundeswehr wie auch Regionalplanungsverband ihr Veto eingelegt. Deshalb soll es nun also eine Freiflächenphotovoltaikanlage sein.

Im Juli standen Torsten Leske und Regionalberater Dieter Fellerhoff im Gemeinderat Rede und Antwort. Die Räte interessierte dabei vor allem, was denn die Gemeinde davon habe. „Wir fassen ins Auge, dort, wo es sich anbietet, die gemeindeeigenen Gebäude mit Photovoltaik zu bedachen. So könnte es für alle eine Win-Win-Situation sein“, betonte Dieter Fellerhoff. Genauso sieht man das auch in der Gemeindeverwaltung. Wie eine erfolgreiche Kooperation zwischen dem Naturstrom-Unternehmen und der Kommune aussehen könnte, erläuterten Leske und Fellerhoff am Beispiel der Gemeinde Wöbbelin im Landkreis Ludwigslust-Parchim (Mecklenburg-Vorpommern) – beginnend von der Umrüstung der dortigen Straßenbeleuchtung auf LED im Jahre 2012 über die Errichtung einer Freiflächenphotovoltaikanlage (2015), die Gründung einer Bürgergesellschaft für einen Windpark (2017), der seit 2019 vorangetrieben wird, bis hin zu Angeboten zur Elektro-Mobilität für Autos und Fahrräder.

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Auch in Boxberg sei eine Beteiligung der Gemeinde an diversen Projekten denkbar, hieß es. Bundesweit gebe es ja verschiedene Modelle für Bürger- und Mieterstrom durch umweltgerechte, nachhaltige Stromerzeugung. Armin Hoffmann (WV Kringelsdorf) warf ein, dass der Verein Perspektive Boxberg in dieser Richtung offenbar Interesse hätte.

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