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"Es ist eine politische Entscheidung"

Über den Standort der Bundeswehr in Zeithain sprach die SZ angesichts der Diskussion um die Zukunft der Armee mit dem Standortältesten und Kommandeur des Nachschubbataillons, Oberstleutnant Bernhard Fichtner.

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Über den Standort der Bundeswehr in Zeithain sprach die SZ angesichts der Diskussion um die Zukunft der Armee mit dem Standortältesten und Kommandeur des Nachschubbataillons, Oberstleutnant Bernhard Fichtner.

Nach den Vorschlägen der Bundeswehr-Zukunftskommission soll jeder zweite Standort geschlossen werden. Herr Oberstleutnant, wie sieht die Zukunft der Zeithainer Kaserne aus? Es ändert sich erst einmal nichts. Aber wir beobachten die Diskussion natürlich aufmerksam. Sie ist Teil eines Prozesses in der großen Politik. Solche Strukturen zu verändern, ist aber eine politische, keine militärische Entscheidung. Zum jetzigen Zeitpunkt kann man überhaupt noch nicht beurteilen, welche Auswirkungen auf lokaler Ebene zu erwarten sind. Wir sind voll mit unseren täglichen Aufgaben beschäftigt, mit der allgemeinen Grundausbildung, mit Fahrschullehrgängen
Immerhin soll jeder zweite Standort betroffen sein Das ist Spekulation. Was jetzt vorliegt, ist ein Kommissionsbericht. Der soll helfen, eine politische Entscheidung zu finden, die im Juni erwartet wird. Dann beginnt die Diskussion im Detail. Wir wissen nicht, wann die Reform tatsächlich greift, denn Standortentscheidungen, die trifft man nicht von heute auf morgen. Wir sind ja in den letzten Monaten erst aufgestockt worden im Hinblick auf die Kfor- und Sfor-Einsätze. Bis 4. Juni kehren 170 Soldaten aus dem Kosovo zurück, und wir bereiten das nächste Kontingent von 100 Soldaten vor. Im November geht es in den Einsatz.
Ist das ein günstiges Zeichen? Nein, daraus lässt sich nichts schlussfolgern.
Aber bis zum Jahresende sind keine Änderungen zu erwarten? Nein, da wird sich an unserem Auftrag nichts ändern, alles darüber hinaus ist reine Spekulation. Aber ich denke schon, wenn dieser Standort erhalten werden soll, muss man darum kämpfen.
Wen sprechen Sie damit an? Die Reform ist Sache der Politiker, sie haben das Mandat dafür. Und Politiker gibt es ja auch auf lokaler Ebene. Ich denke, dass sie ihren Beitrag zur Diskussion leisten werden. Wir fühlen uns jedenfalls hier in der Region sehr gut aufgenommen, das Verhältnis zur Bevölkerung und den Politikern ist sehr gut.
Sich für Zeithain auszusprechen, dafür müssen die Politiker in der Region natürlich Gründe haben. Sie sprechen oft vom Wirtschaftsfaktor, worin liegt er? Da sind natürlich zuerst die gut 1 000 Soldaten, die hier wohnen, arbeiten und verpflegt werden. Außerdem wird ja auch viel investiert. Allein drei Millionen Mark pro Jahr fließen in die bauliche Erhaltung und damit vor allem in die Firmen der Region.
Dieses Jahr waren auch erhebliche Investitionen geplant. Werden sie wegen der unsicheren Lage aufgeschoben? Für uns geht die Planung weiter wie vorgesehen. Ende dieses oder Anfang des nächsten Jahres soll Baubeginn für ein Wirtschaftsgebäude sein, eine Truppenküche soll entstehen und ein Lehrsaalgebäude. Außerdem soll ein sechsstelliger Betrag in die Ausstattung des Gerätehauptdepots gesteckt werden.
Für und Wider gibt es auch zur Wehrpflicht. Wie sehen Sie's? Ich will mich nicht dafür oder dagegen äußern, sondern zu bedenken geben: Ein Großteil der länger dienenden Soldaten in Zeithain wäre ohne Wehrpflicht nicht auf die Idee gekommen, Berufssoldat zu werden. Die Nachwuchsgewinnung würde schwieriger.
Das Gespräch führte Reiner Hanke