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Es krippelt wieder

Die Schirgiswalder Krippenschau zeigt über 100 Exemplare. Sehr viele neue sind darunter – und auch ganz ungewöhnliche.

© Uwe Soeder

Von Katja Schäfer

Ganz dicht beugt sich Franz Meier über eine der großen Weihnachtskrippen, die im Schirgiswalder Elisabethsaal aufgebaut sind. Einige der Figuren haben es ihm besonders angetan. Er betrachtet sie lange von allen Seiten. „Das sind Grulicher-Figuren“, erklärt der Schirgiswalder sein Interesse und fügt stolz an: „Ich habe zu Hause auf meiner Krippe auch welche.“

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Grulich ist eine Stadt im tschechischen Adlergebirge. Im 19. Jahrhundert entwickelte sich dort die Schnitz- und Krippenbaukunst. Die Männer schnitzten Figuren aus gekochter Fichte, Frauen und Kinder bemalten sie mit Leimfarbe. Die Grulicher Mannl’n wurden bis nach Amerika verkauft. Bis heute sind die Figuren bei Krippenfreunden sehr begehrt. Im Internet werden sie für etwa 50 Euro gehandelt. „Die hier sind bestimmt 100 Jahre alt“, schätzt Franz Meier mit Blick auf die Anlage vor ihm. Es handelt sich dabei um eine ganz typische nordböhmische Krippe. Die Landschaft ist aus Wurzeln, Moos und Sand gestaltet, der Hintergrund gemalt. Aufgebaut hat sie Werner Hentschel aus dem tschechischen Lisci (Röhrsdorf). Seine Anlage ist eine von über 100, die von heute bis Sonntag in Schirgiswalde ausgestellt sind.

Aller zwei Jahre gestaltet der Schirgiswalder Krippenverein eine Krippenschau. Dabei präsentieren Familien ihre Schätze, die in der Weihnachtszeit sonst in ihren Wohnungen stehen. „Dieses Jahr können wir ganz viele Krippen zeigen, die bisher noch nie öffentlich ausgestellt worden sind“, berichtet Vorsitzender Stefan Wollmann. Darunter sind auch etliche ganz neue Exemplare. „Die Krippenvielfalt ist wesentlich gewachsen. Es entschließen sich immer mehr Leute, eine Krippe zu bauen“, freut sich Matthias Jung, der sich um die Öffentlichkeitsarbeit des Vereins kümmert. Das ist vielleicht auch ein Ergebnis dessen, dass der Verein jedes Jahr in der Schule Krippenbautage veranstaltet.

In Schirgiswalde gibt es noch viele geschnitzte böhmische Krippen, denn die Stadt gehörte jahrhundertelang als Enklave zu Böhmen. Auch als Schirgiswalde 1845 sächsisch wurde, blieben enge familiäre und konfessionelle Bindungen an Böhmen bestehen, sodass die nordböhmische Krippentradition in Schirgiswalde übernommen wurde. Die diesjährige Krippenschau zeigt erstmals auch die ältesten in Schirgiswalde vorhandenen Krippenfiguren. Sie stammen aus dem Jahr 1832 und befanden sich bisher in Privatbesitz. Jetzt präsentiert der Krippenverein sie in einer extra dafür gestalteten Landschaft. Neben den großen traditionellen Anlagen, die in stundenlanger Arbeit aufgebaut werden, zeigt die Schau viele kleine Krippen unterschiedlichster Art – aus verschiedenen Ländern und Materialien, zum Beispiel aus Knete, Papier oder Schrauben.

Franz Meier schaut sich alle mit Interesse an. Doch am längsten bleibt er vor den großen Landschaften stehen. So holt er sich Anregungen für seine Anlage. Seine Frau, die aus dem Adlergebirge stammt, hat die Grulicher-Figuren von ihren Vorfahren mit in die Familie gebracht. Lange schlummerten sie vergessen in einer Kiste. Dann holte Franz Meier sie hervor und begann, sich mit dem Krippenbau zu beschäftigen und wurde Mitglied im Verein. „Nach und nach habe ich immer mehr darüber gelernt“, erzählt der Schirgiswalder, der seine Krippe jedes Jahr zu Hause aufbaut. „Wer einmal angefangen hat zu krippeln, krippelt immer“, sagt er lachend.

Krippenschau im Elisabethsaal am Kirchberg, geöffnet Freitag, Sonnabend und Sonntag jeweils von 9 bis 18 Uhr