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Ein Sternekoch für Herzogswalde

Dieter Maiwert war Sternekoch am Tegernsee, zog an den Weißen Hirsch und landete nun in Herzogswalde.

© Karl-Ludwig Oberthür

Von Tobias Winzer

Dieter Maiwert sieht etwas müde aus. Der letzte Abend steckt ihm noch in den Knochen. Doch die Augen strahlen Begeisterung aus. „Wir waren das erste Mal ausgebucht“, sagt der Koch. „Dabei haben wir noch gar nicht groß Werbung gemacht.“ Besser hätte sich Maiwert den Start im Klubhaus des Golfplatzes Herzogswalde nicht vorstellen können. Erst seit ein paar Tagen haben er und seine Lebensgefährtin, Madeleine Maaßen, dort das Restaurant Maiwerts geöffnet. Der Umzug aus Dresden scheint sich gelohnt zu haben.

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Ganz freiwillig kam dieser aber nicht zustande. Erst vor einem Jahr waren Maiwert und Maaßen – er ist der Chef in der Küche, sie führt den Service – nach einer Insolvenz vom Tegernsee nach Dresden gezogen. Er habe dort 14 Jahre lang erfolgreich ein Restaurant geführt, wie Maiwert erzählt. Er erkochte sich einen Michelin-Stern, das Lokal war oft ausgebucht. Ein Stammgast habe ihm dann so lange von Dresden vorgeschwärmt, dass er 2017 nach Dresden zog. Hier wollten sich Maiwert und Maaßen in der Villa Herzog am Weißen Hirsch ein Restaurant mit angeschlossenem Hotel aufbauen. Doch aus der Übernahme des Hotels wurde trotz anderslautender Versprechungen nichts, wie Maiwert sagt. Die Eigentümerin der Villa und der Spitzenkoch trennten sich im Streit. Es gab eine Räumungsklage, die mit dem Auszug Maiwerts endete. Er und seine Lebensgefährtin zogen weiter – und landeten nun im Klubhaus des Golfplatzes Herzogswalde.

Ein Großgastronom aus Dresden erzählte Maiwert von dem leerstehenden Restaurant in dem Wilsdruffer Ortsteil. Es war erst Mitte 2017 unter dem Namen Issma eröffnet worden. Wegen mangelnder Umsätze schlossen die beiden Betreiber den Laden zum Jahreswechsel jedoch wieder. Reinhard Saal, Multimillionär und Golfplatz-Inhaber, aß zwei Mal bei Maiwert und war begeistert. „Es hat einfach zwischen uns gepasst“, so der Koch.

„Aber Deckel drauf“, sagt Maiwert zu den alten Geschichten. Er will nicht zurückblicken, sondern lieber nach vorn. In Herzogswalde hat sich der 60-Jährige voll in die Arbeit gestürzt. Die Küche schmeißt er fast allein, hat nur einen Beikoch an seiner Seite. 13-Stunden-Tage sind Normalität. Ähnlich geht es der Lebensgefährtin, die den Service vorerst allein übernommen hat. Es ist ein Neuanfang im kleinen, aber feinen Stil. „Mir widerstrebt es, schlecht zu kochen. Das kann ich nicht“, sagt Maiwert, der eine ungewöhnliche Biografie hat. Mit abgeschlossener Kochausbildung studierte er Chemie. Brach das Studium ab, aber arbeitete trotzdem fünf Jahre lang in einem Chemieunternehmen. Zwischendrin betrieb er noch eine Tennisanlage. Schließlich landete Maiwert doch noch in der Gastronomie – mit dem Ziel, eine Spitzenküche aufzubauen. Das gelang ihm nach wenigen Jahren mit der Verleihung des Michelin-Sterns. Nebenbei gehörte ihm aber auch noch eine Currywurst-Bude.

„Mischimaschi“ auf der Speisekarte

Einige dieser Brüche sind nun auch im neuen Restaurant in Herzogswalde zu spüren. „Das ist ein totales Mischimaschi“, sagt Maiwert zur Speisekarte. Seine Herausforderung ist es, einerseits ein schnelles Angebot für die Golfer, die sich tagsüber auf dem 18-Loch-Kurs tummeln, zu schaffen und andererseits seinem Anspruch auf Sterneküche gerecht zu werden. Maiwert löst dieses Problem, in dem er einfache Gerichte, wie Wiener Schnitzel, Currywurst und Penne al Arrabiata, auf höchstem Niveau kocht. „Bei mir ist alles selbstgemacht“, sagt er. „Ich nehme den Kartoffelsalat nicht aus dem Eimer.“ Wer will, kann diese Hausmannskost auch am Abend bekommen, sich aber auch für ein gehobeneres Fünf-Gang-Menü mit Graved Lachs, Spinat Ravioli, Linguine und Lammkarrée entscheiden. Die Preise sieht Maiwert „am unteren Rand dessen, was möglich ist“. Die Currywurst gibt es bei ihm für neun Euro, die Penne für sieben, das Fünf-Gang-Menü für 69 Euro.

Auch wenn der Umzug nach Herzogswalde erzwungen war, ist Maiwert angetan von dem Lokal am Golfplatz. „Es ist gut, dass es ein Restaurant mit Golfplatz ist und nicht andersherum.“ Die Küche war voll ausgestattet, sodass kaum Investitionen nötig waren. Der große Gastraum ist modern eingerichtet und hell. Der Hingucker ist ein kupferner Kaminabzug im Lounge-Bereich. Eine riesige Glasfront gibt den Blick auf den Golfkurs frei. Daran kann sich selbst Maiwert, der kein Golfspieler ist, ergötzen. „Der Ausblick ist fantastisch“, sagt er.

Ob er sich nun wieder einen Michelin-Stern erkochen will? „Darum geht es gar nicht“, antwortet Maiwert schnell. Auch am Tegernsee habe er nicht damit gerechnet. Was kommt, das kommt.

Restaurant Maiwerts, Am Golfplatz 1, Herzogswalde, geöffnet von 12 bis 21 Uhr, Montag Ruhetag