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Ex-Bürgermeister lässt seine Verabschiedung platzen

Ein halbes Jahr nach seinem Ausscheiden sollte Frieder Haase beim Neujahrsempfang gewürdigt werden. Doch er kam nicht.

© Daniel Förster

Von Carina Brestrich

Sie war Punkt Sechs im Programm des Neujahrsempfanges der Stadt Königstein, direkt vor der Eröffnung des Buffets: die offizielle Verabschiedung des früheren Bürgermeisters Frieder Haase (parteilos). Fast ein halbes Jahr nach dem Ausscheiden aus seinem Amt sollte das ehemalige Stadtoberhaupt jetzt im Treff-Punkt gewürdigt werden. Der Stadtrat hatte sich auf den Neujahrsempfang als würdigen Rahmen geeinigt – nach langen Diskussionen.

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Den Anstoß dazu hatte Linken-Stadtrat Mario Bauch gegeben. Im September hatte er vor seinen Ratskollegen eine Abschiedsfeier für Haase vorgeschlagen – und stieß damit prompt auf Widerstand vonseiten der oppositionellen CDU-Fraktion. Deren Bürgermeister-Kandidat und früherer Stadtrat Tobias Kummer hatte Haase nach 14 Jahren Amtszeit im Sommer zwar abgelöst, eine offizielle Abschiedsfeier für seinen Amtsvorgänger aber lehnte er ab. Haase habe sich bei den Mitarbeitern der Verwaltung im kleinen Rahmen verabschiedet, sagt er damals. Bei der Meinung, dass die Stadt deshalb keine Verabschiedung organisieren muss, blieb Kummer offenbar bis zuletzt. Denn am Ende war es nicht er, der Haase für den Empfang einlud, sondern der Gewerbeverein, mit dem die Stadt die Veranstaltung jedes Jahr organisiert.

Für Frieder Haase war genau das der Grund, letztlich doch nicht zu kommen. Der Ex-Bürgermeister hatte sich vor Monaten noch offen dafür gezeigt, an einer Abschiedsveranstaltung teilzunehmen. Nun aber ließ er die Akteure, die sich für seine Verabschiedung starkgemacht hatten, auf ihren Präsenten sitzen. Dass er beim Neujahrsempfang offiziell verabschiedet werden sollte, habe er aus der Zeitung erfahren. Aus der Einladung dagegen sei das nicht hervorgegangen.. „Mit mir hat nie jemand gesprochen und einen Termin abgestimmt. Deshalb war ich sowieso verhindert“, sagt Haase. Es tue ihm leid für die, die extra für ihn etwas vorbereitet hatten. „Aber so eine Einladung sollte doch vom Repräsentanten der Stadt ausgehen. Das hätte zumindest Stil.“

Bürgermeister Tobias Kummer allerdings will sich nicht den schwarzen Peter zuschieben lassen. „Der Gewerbeverein ist stets federführend bei der Organisation des Neujahrsempfangs“, sagt er. Zudem hätten sich Stadtrat Mario Bauch und der Gewerbeverein in den vergangenen Monaten allein um die Gestaltung der Verabschiedung gekümmert. Darauf hatte sich die Verwaltung verlassen. „Dass er nun nicht gekommen ist, ist nicht unsere Schuld“, sagt er.

Schlussendlich verabschiedeten die Gäste Haase auch ohne ihn. Stadtchronist und Stadtführer Udo Kühn hatte zusammen mit Mario Bauch und dem Gewerbeverein den Programmpunkt vorbereitet. „Wir haben uns mehrmals getroffen und uns abgestimmt“, sagt Bauch. Mit ein paar extra für ihn gereimten Versen, einer Urkunde und einem Blumenstrauß sollte dem Ex-Bürgermeister für sein Schaffen gedankt werden.

Auch Jens Schranz vom Gewerbeverein bedauert Haases Abwesenheit vom Neujahrsempfang. Obwohl tatsächlich das Rathaus den Großteil der Gäste einlädt, habe man sich keine Gedanken darüber gemacht, dass eine Einladung über den Gewerbeverein für Enttäuschung sorgen könnte. „Es ist sicher auch dem geschuldet, dass man sich mit seiner Verabschiedung von vornherein sehr schwer getan hat“, sagt er. Für Frieder Haase ist die Sache mittlerweile abgehakt. „Ich lege darauf inzwischen keinen Wert mehr“, sagt er. (mit df)