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Exklusiv und teuer

Im Villenviertel zwischen Teufelsbrücke und Weinberghaus verkauft fast niemand sein Haus – mit zwei Ausnahmen.

© Jens Trenkler

Von Ingo Kramer

Vier Jahre alt war Joachim Bisch, als seine Eltern 1956 mit ihm nach Görlitz zogen. Sie hatten damals drei Wohnungen zur Auswahl. „Zum Glück haben sie sich für die Holteistraße 13 entschieden“, sagt der 61-Jährige. Zum Glück deshalb, weil es ihm hier so gut gefällt, dass er abgesehen von Armeezeit und Studium immer in dem Gebäude gelebt hat. 1977 hat er seine Frau Martina geheiratet. Mit der 59-Jährigen bewohnt er heute das 1938 vom Finanzbeamten Fritz Babatz erbaute Haus. Zudem hat Bisch sein Ingenieurbüro für Bauwesen mit im Haus – und es gibt eine Miet- und eine Ferienwohnung. Die beiden Söhne des Paares hingegen sind längst aus dem Haus.

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Martina und Joachim Bisch schätzen an der Wohnlage vor allem das viele Grün – und dass die Grundstücke so groß sind, dass keiner dem Nachbarn zum Fenster reinschauen kann. „Dabei haben wir nach allen Seiten sehr nette Nachbarn“, sagt der Hausherr. Mittlerweile gibt es in der ganzen Straße nur noch einen Mann, der länger hier lebt als Bisch. In seiner Kindheit war er oft im nahen Volksbad: Im Sommer zum Baden, im Winter zum Eishockey.

Inzwischen hat sich einiges verändert. Kaum jedoch die Anzahl der Häuser. Ganze zwei Neubauten sind nach 1989 im Viertel Holtei-/Heinzel-/Martin-Opitz-Straße entstanden. Seither gibt es hier gar keine Baugrundstücke mehr. Auch die Häuser sind alle belegt. Einzige Ausnahme ist die letzte unsanierte Villa, das frühere Mädcheninternat Holteistraße 7. Sie steht für 360.000 Euro zum Verkauf. Für die Villa interessiert haben sich nach Auskunft von Petra Jany vom Maklerbüro Jany schon viele: „Bisher ist es aber immer am Preis gescheitert.“ Sie weiß, warum der so hoch ist: „Der jetzige Besitzer hat die Villa für 700.000 Mark gekauft und will sein Geld wiederbekommen.“ Im Moment gebe es Gespräche mit einem Interessenten, der sie zusammen mit dem nahen Weinberghaus kaufen und wiederbeleben will. Ob die Gespräche zu einem positiven Abschluss kommen, sei offen. Alles in allem schwärmt Petra Jany von dem Viertel: „Das ist eine der beliebtesten und teuersten Gegenden von Görlitz.“ Vor allem die Ruhe sei ein wichtiger Vorzug.

Das bestätigt auch Sandra Gollmer von der Immobilien- und Hausverwaltung „Die Maklerin“. Das Viertel, so schwärmt sie, sei grün, ruhig und trotzdem mitten in der Stadt. Die Straßenbahn ist nah, aber die drei Straßen sind nicht so übervölkert wie Biesnitz. Sie selbst besitzt hier eine Wohnung – als Geldanlage. „Die war damals sehr teuer, aber langfristig ist sie super und ich habe auch nach 15 Jahren noch die ersten Mieter.“ Zudem hat Sandra Gollmer hier in den 1990er Jahren einen Neubau begleitet. Dort gehören die Wohnungen heute zur Hälfte Anlegern, die andere Hälfte nutzt sie selbst. „Eine exklusive Lage mit exklusiven Preisen“, so die Maklerin.

Neben dem alten Mädcheninternat steht in dem Viertel derzeit noch eine zweite Villa zum Verkauf – laut Internet für 775.000 Euro. Die jetzigen Besitzer wollen ausziehen, wenn ihr saniertes Anwesen verkauft ist. Allerdings glaubt ringsherum niemand, dass sie den erhofften Preis tatsächlich erzielen werden. Martina und Joachim Bisch hingegen wollen mit niemandem tauschen. Noch nicht einmal mit denen, die eine große Villa im gleichen Viertel haben. „Unser Haus ist groß genug und voll ausgelastet“, sagt der Hausherr.

Nächste Folge am Montag: Schön wohnen in Arnsdorf-Hilbersdorf