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Marke Eigenbau wird zur Todesfalle

Zwei Surfbretter, Campingstuhl, Propeller – das Gefährt eines Bastlers aus Klipphausen hätte überhaupt nicht starten dürfen.

An diesem Bagger zerschellte am Montag gegen 16 Uhr der selbst gebaute Motorschlitten. Der 67-jährige Fahrer kam beim Aufprall ums Leben.
An diesem Bagger zerschellte am Montag gegen 16 Uhr der selbst gebaute Motorschlitten. Der 67-jährige Fahrer kam beim Aufprall ums Leben. © Roland Halkasch

Klipphausen. Olga Glugla zeigt auf Spuren im Schnee. Sie sind breit und glatt, so als wäre ein Brett gezogen worden. Das Feld, auf dem sich die Spuren befinden, liegt in Röhrsdorf in der Gemeinde Klipphausen. Olga Glugla ist Inhaberin eines Imbisses, in dessen unmittelbarer Nähe am Montagnachmittag ein 67-Jähriger ums Leben kam – bei einem Flug mit einem selbstgebauten Schneemobil.

Die Spuren führen in die Ferne, nur eine läuft gerade auf die Stelle zu, wo die letzten Rohre für eine Erdgasleitung lagern. Dort endet sie abrupt. Und dort stand am Montagnachmittag der blaue Bagger, der jetzt etwas zur Seite gefahren worden ist. An diesem Bagger stoppte die Fahrt eines 67-Jährigen aus dem benachbarten Ortsteil Ullendorf. „Das Fahren hat bestimmt Spaß gemacht“, sagt Heiko Naumann, der drinnen bei Olga im geheizten Imbiss sitzt. „Aber, wenn es so endet, dann macht es keinen Spaß mehr.“ 

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Der Rentner überlebte den Ausflug mit seinem Gefährt Marke Eigenbau nicht. Es bestand aus zwei gekoppelten Surfbrettern, auf denen ein Campingstuhl befestigt war und wurde von einem Motor mit Propeller angetrieben. Warum ist der Mann nicht vor dem Bagger abgesprungen? „Der hatte vielleicht 60, 70 Sachen drauf, da ist es nicht so einfach, abzuspringen. Außerdem war er angeschnallt, oder irgendwie festgebunden an dem Stuhl“, sagt Heiko Naumann.

Das Gefährt bestand aus einem Campingstuhl, festgemacht auf zwei Surfbrettern und mit Propellerantrieb. Eine Bremse gab es offenbar nicht.
Das Gefährt bestand aus einem Campingstuhl, festgemacht auf zwei Surfbrettern und mit Propellerantrieb. Eine Bremse gab es offenbar nicht. © Roland Halkasch

Die Nachricht des Bastler-Unglücks hat auch Kay Morris Walther im Erzgebirge verfolgt. Das Thema beschäftigt den Inhaber der Firma Snow Equipment aus Sayda an diesem Dienstag. Ganz allgemein lasse sich sagen, dass niemand solche Mobile selbst bauen sollte, so Walther.

Der Experte muss es wissen. Seit 1990 vertreibt das Familienunternehmen Bombardier-Schneemobile. Seit 1996 veranstalte die Firma auch Wettkämpfe. Auf Test- und Rennstrecken können Profis und Laien ihr Können unter Beweis stellen. Als „total verrückten Einfall“ bezeichnet Kay Morris Walther die Idee, ein Surfbrett mit Propellermotor und Campingstuhl zu bauen. Walther fragt, ob das Vehikel überhaupt eine Bremse gehabt habe und wie diese hätte funktionieren sollen.

Nach Auskunft des Tüv-Süd-Pressesprechers Vincenzo Lucà stehe es jedem Bürger frei, selbst Fahrzeuge jeglicher Art zu bauen. Allerdings dürfe dadurch niemand gefährdet werden. Deshalb dürften solche Vehikel Marke Eigenbau auch nur auf einem abgesperrten Gelände betrieben werden. Passiere etwas, hafte der Tüftler für die Schäden, die seine Technik verursache. Laut Versicherungsportal Advocard ist in Deutschland in der Regel ein Pkw-Führerschein erforderlich, um einen Motorschlitten zu lenken. Fahrer müssten außerdem mindestens 18 Jahre alt sein. Je nach Bundesland bedürfe es einer besonderen Genehmigung, um das Schneemobil allein zu steuern.

Am Montagnachmittag sind die Feuerwehren Röhrsdorf und Taubenheim alarmiert worden. Das Gerätehaus der letztgenannten ist anderthalb Kilometer vom Unglücksort entfernt. „Als wir zum Gerätehaus gefahren sind, sind wir dort vorbeigekommen, konnten uns aber nicht erklären, was passiert ist“, sagt Stefan Hanschmann, der Taubenheimer Wehrleiter. Später erfuhren die Kameraden, was gesehen war. Bis etwa 20 Uhr sicherten sie den Unfallort und säuberten die Straße. Bis auf diese – etwa 15 Meter weit – hatte es den 67-Jährigen durch die Luft geschleudert.


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