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PLUS Löbau

Die Zukunft kommt im Bus von DJ Bobo

Das Digital-Labor "Fabmobil" macht Station in Löbau. Darin entwickeln Schüler Ideen, wie die Oberlausitz lebenswert bleibt.

Benno Brucksch ( l.) vom "Fabmobil"-Team mit Marven und sein Vater Sylvio Pfeiffer-Prauß.
Benno Brucksch ( l.) vom "Fabmobil"-Team mit Marven und sein Vater Sylvio Pfeiffer-Prauß. © Matthias Weber/photoweber.de

Ein tiefschwarzer Doppeldecker-Bus parkt auf dem Gelände der Landesgartenschau in Löbau. An seiner Windschutzscheibe prangt ein kleiner Aufkleber mit einer verstörenden Botschaft. "Das Internet zerstört Dein Leben" steht darauf. Nun gut, mag mancher so sehen. Irritierend ist diese Aussage aber in Hinblick darauf, dass ohne Internet alles undenkbar ist, was in diesem Bus passiert. Die Gäste des Doppeldeckers sollen diese Aussage deshalb auch durchaus als Ironie begreifen. "Es kommt eben darauf an, wie man das Internet nutzt. Es gibt Fluch und Segen", sagt Benno Brucksch. Er gehört zum Team des "Fabmobils". So lautet der Name des schwarzen Busses - und er soll jungen Menschen den technologischen Segen bringen.

Im Inneren des Busses reihen sich digitale Maschinen aneinander. 3-D-Drucker surren vor sich hin, ein Laser-Gravierer bringt wie von Geisterhand hochpräzise Schriften und Logos auf ein Schild und eine CNC-Fräse produziert scheinbar ohne menschliches Zutun Werkstücke. Gesteuert werden diese Geräte nur von fingergroßen Datensticks. "Das Fabmobil ist ein Raum für angewandte Zukunft", sagt Benno Brucksch, "die Idee ist, diese Technologie jedem zugänglich zu machen." "Jedem" heißt in diesem Falle insbesondere Jugendlichen in der Oberlausitz. Sieben Schüler aus Löbau und Umgebung lernen hier in einem dreitägigen Workshop noch bis Donnerstag die neuen Technologien kennen. Das "Fabmobil" ist eine Erfindung der beiden aus der Oberlausitz stammenden Designer Sebastian Piatza und Christian Zöllner. Die gründeten in Dresden den Verein "Constitute" zur Förderung kreativ-technologischer Praxis. Um die von diesem Verein in einigen Städten gegründeten "Fablabs" mobil zu machen, kauften sie den alten Doppeldecker, in dem einst  der Schweizer Pop-Star "DJ Bobo" europaweit auf Tour war. Für den dreitägigen Stopp des Mobils in Löbau konnten sich die Schüler bewerben. 15 kostenlose Plätze waren angeboten.

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"Das Internet zerstört Dein Leben" - dieser Aufkleber im "Fabmobil" ist eine ironisch gemeinte Empfehlung, das Internet richtig zu nutzen.
"Das Internet zerstört Dein Leben" - dieser Aufkleber im "Fabmobil" ist eine ironisch gemeinte Empfehlung, das Internet richtig zu nutzen. © Markus van Appeldorn

"Das Fabmobil macht es uns möglich, mit dieser Technologie in den ländlichen Raum zu kommen", sagt Benno Brucksch. Und dabei geht es nicht bloß um Spielerei, sondern um die Zukunft der Region. Denn wo immer Brucksch und sein Team mit dem Bus in der Oberlausitz Station machen, erleben sie die gleiche Reaktion ihrer jugendlichen Gäste. "Wenn wir sie fragen, wie es ihnen hier gefällt, sagen alle, dass sie sehr gerne in der Oberlausitz leben", schildert Brucksch. Auf die Frage nach der Zukunft kommt dann die enttäuschende Antwort: "Dann sagen alle, dass sie wahrscheinlich weggehen und nicht wiederkommen wollen, weil es für das, was sie studieren wollen, hier keine Arbeitsplätze gibt." So soll es nicht bleiben. "Wir erarbeiten mit den Schülern Ideen, wie die Zukunft aussehen muss, damit sie nach ihrem Studium wiederkommen können", erklärt Benno Brucksch. Dabei geht es um Themen wie Mobilität im ländlichen Raum oder auch Versorgung. Warum etwa muss man für einen Kinobesuch in die nächste große Stadt fahren? "Die Ideen der Jugendlichen nehmen dann Gestalt an. Wir drucken etwa einen Kinobus auf dem 3-D-Drucker", erklärt Brucksch Inhalte des Workshops mit dem Thema "Zukunft 2030". Die dreidimensionalen Ergebnisse werden auf einer großen, hölzernen Karte des Landkreises befestigt. Am Ende unserer Tour werden diese Karten aus allen Landkreisen der Lausitz vom Süden Berlins bis zum Zittauer Gebirge wie ein Puzzle zusammengefügt und auf einer Ausstellung gezeigt.

Die Schüler lernen auch, dass die Zukunft von Technologien längst begonnen hat und in der Industrie angekommen ist. Airbus etwa fertigt Flugzeugteile im 3D-Druckverfahren. Der Vorteil: Bei der sogenannten "additiven Fertigung", fällt kein Verschnitt an. Und die Technologie spart Energie. "Ersatzteile müssen nicht mehr verpackt und mit dem Schiff oder dem Flugzeug über Kontinente transportiert werden", sagt Brucksch. Stattdessen schickt man ein paar Daten per Internet ans andere Ende der Welt. Dort wird das Teil dann einfach gedruckt.

Das "Fabmobil" macht noch bis Mittwoch Station auf dem Messegelände in Löbau.
Das "Fabmobil" macht noch bis Mittwoch Station auf dem Messegelände in Löbau. © Matthias Weber/photoweber.de

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