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Fabrik mit Denkmalwert

Coswig will mit dem Unternehmen einen Vertrag schließen, damit die historischen Gebäude erhalten bleiben. Das bringt aber auch Probleme für die Fabrik.

Das Verwaltungsgebäude von Herlac Coswig ist eines der schönsten einer Fabrik aus der Gründerzeit im Kreis Meißen. Es ist saniert, wird allerdings nur zu einem Drittel gebraucht.
Das Verwaltungsgebäude von Herlac Coswig ist eines der schönsten einer Fabrik aus der Gründerzeit im Kreis Meißen. Es ist saniert, wird allerdings nur zu einem Drittel gebraucht. © Arvid Müller

Coswig. Das Fabrikgelände der Firma Herlac an der Industriestraße 28 in Coswig ist etwas Besonderes. Die Denkmalschützer beim Landkreis Meißen schreiben dazu: Es ist eines der bemerkenswertesten und gestalterisch anspruchsvollsten Fabrikareale des Ortes, mit einer repräsentativ gestalteten Eingangshalle im Verwaltungsgebäude.

 Durch die Lage an der Eisenbahnstrecke Dresden-Leipzig gilt das Areal als Wahrzeichen, der einst bedeutenden sächsischen Industriestadt Coswig. Die Anlage ist baugeschichtlich, ortshistorisch und industriegeschichtlich bedeutend sowie von baukünstlerischer Qualität.

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Farben werden hier in Coswig seit fast 110 Jahren hergestellt. In Dresden wurden schon 1833 die „Carl Tiedemann Chemische Werke“ gegründet, die dann 77 Jahre später nach Coswig zogen. Seine Großkunden waren Werften und die Eisenbahn. Die Produktpalette reichte von echten Bernstein-Fußboden-Lackfarben bis hin zu Celluloselacken. 

Wer heute das Verwaltungsgebäude betritt, dem knarrt unter den Schuhsohlen noch das historische, aber bestens erhaltene Parkett. Eine Treppe mit edlem Geländer führt nach oben. Die Flurtür mit Kassettenglasfenstern ist bestens erhalten. Wären da nicht die modernen Lampen, der Besucher wähnte sich in die Gründerzeit versetzt.

Heute sind die Räume im Verwaltungsgebäude allenfalls zu einem Drittel belegt, erläutert Geschäftsführer Stefan Gramm. Der promovierte Chemiker behauptet sich im deutschlandweiten Markt der Farbenhersteller unter 300 Konkurrenzfirmen. 

Innerhalb der Mipa-Gruppe mit Sitz im bayerischen Essenbach sind die Coswiger etwas Besonderes, weil sie mit über 1.000 Rezepten sehr schnell auf Farbenwünsche der Kunden reagieren können. Kunden wie etwa die Möbellackierer für Ikea, Autoreparaturlacke und vor allem auch Speziallacke, die mit UV-Strahlen ausgehärtet und damit besonders widerstandsfähig sind, kommen aus Coswig.

Die neue Halle musste inmitten des historischen Fabrikkomplexes schnell nach dem Brand von 2017 errichtet werden, um die Produktion zu sichern.
Die neue Halle musste inmitten des historischen Fabrikkomplexes schnell nach dem Brand von 2017 errichtet werden, um die Produktion zu sichern. © Arvid Müller
Der Uhrenturm ist ein weithin sichtbares Wahrzeichen von Herlac. 
Der Uhrenturm ist ein weithin sichtbares Wahrzeichen von Herlac.  © Arvid Müller
Die alten Hallen nahe der Gleise sind Ruinen
Die alten Hallen nahe der Gleise sind Ruinen © Arvid Müller

55 Mitarbeiter sind bei Herlac Coswig beschäftigt. Den Standort und damit die Mitarbeiter in Lohn und in Coswig zu halten – innerhalb der harten Konkurrenzsituation – sei jedes Jahr eine neue Herausforderung, sagt Geschäftsführer Gramm. Umso mehr traf das Unternehmen eine Brandstiftung 2017, als eine komplette Halle in Schutt und Asche gelegt wurde.

Damit anschließend wieder produziert werden konnte, musste schnell eine neue Lagerhalle gebaut werden, erläuterte Coswigs Bauamtsleiter Wolfgang Weimann vor den Stadträten der Stadt. Diese Halle entstand als Neubau. Dafür gab es Verständnis bei der Stadt. 

Abgesehen von der Ausnahmesituation ist fortan allerdings Stadt und Denkmalschützern wichtig, dass das Herlac-Management die vorhandenen historischen Gebäude für seine Erweiterungen nutzt und diese damit auch erhält.Der Bauamtsleiter: „Für alle künftigen Absichten müssten alte denkmalgeschützte Gebäude in die Pläne einbezogen werden. Diese sollten nicht einfach liegenbleiben, um daneben neu zu bauen.“ Und damit die Firma dies auch umsetzt, will die Stadt mit Herlac einen Vertrag abschließen.

Die Anregung dazu kam vom Denkmalamt im Landratsamt bei einer Besichtigung im vorigen Jahr. Dies betreffe vor dem Hintergrund des Neubaus der S 84 auf der anderen Straßenseite unter anderem die damit einhergehende Verlagerung des Lagergebäudes für Nitrocellulose – dem ehemaligen Wollebunker – und den Erhalt einzelner historischer Betriebsgebäude.

Doch nicht alles, was sich die Denkmalschützer denken, passt zusammen. Herlac-Chef Gramm zeigt beim Rundgang auf den Zustand des Lagergebäudes sowie auch das alte Gebäude, direkt neben den Bahnschienen. Der Verfall macht deutlich, dass der Abriss nicht mehr fern sein kann. Dies zu erhalten sei wirtschaftlich nicht vertretbar. Selbst Sicherungsaufwendungen könne sich das Unternehmen nicht leisten.

Stefan Gramm nennt den bekannten Uhrturm, die alte Siederei, das Verwaltungsgebäude freilich und die aktuellen Produktionshallen, die erhalten und gepflegt werden. Hinzu kommen ständig Ausgaben, um die Abluftanlagen zu modernisieren, welche sich in die alten Gebäude nur schwer installieren lassen würden.

Die Herlac sei bereit, eine solche Vereinbarung mit der Stadt und den Denkmalschützern abzuschließen, hieß es zu Jahresbeginn. Allerdings müsse dem Unternehmen finanziell auch Luft gelassen werden – etwa, wenn es um den Bau einer Ersatzlagerhalle für den vorgesehenen Abriss auf der anderen Straßenseite gehe. 

Diese neue Halle müsste dicht an den Produktionsanlagen errichtet werden. Zum Beispiel dort, wo die Ruine an den Bahnschienen steht. „Nur wenn die Produktion hier erfolgreich gesichert werden kann, bleiben uns auch die Kraft und das Geld, die gut erhaltenen Gebäude wie den Uhrenturm und andere weiter zu sanieren“, sagt der Geschäftsführer.

Der Stadtratsbeschluss mit dem besonderen Vertrag wurde inzwischen mit einer Gültigkeit von zehn Jahren abgesegnet. Die Räte haben ihm zugestimmt und Herlac hat auch unterschrieben.

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