merken
PLUS Pirna

Fahrschüler in der Warteschleife

Allgemeinbildende Schulen starten bald, die Fahrschulen aber werden ausgebremst. Besonders bei einem Punkt wünschen sich Fahrlehrer Lockerungen.

Fahrlehrer Julia Mey und Hagen Korell aus Pirna. Genug Platz für sicheres Theorie lernen.
Fahrlehrer Julia Mey und Hagen Korell aus Pirna. Genug Platz für sicheres Theorie lernen. © Norbert Millauer

Sie wollen lernen, dürfen aber nicht. Allein in der Fahrschule Korell in Pirna warten derzeit etwa 30 Schüler auf die Teilnahme an der theoretischen Ausbildung, ebenfalls etwa 30 weitere auf die praktische Ausbildung im Auto oder auf dem Motorrad und im Lkw. Doch wegen der Corona-Einschränkungen bleiben die Fahrschüler zu Hause und die Fahrzeuge auf dem Betriebshof stehen. Ähnlich sieht es bei der Fahrschule Mey in Pirna aus. Nach Angaben von Julia Mey warten dort etwa 50 Interessenten auf den Start der theoretischen und praktischen Pkw-Ausbildung und mehr als 40 Männer und Frauen auf die Ausbildung für verschiedene Motorradklassen . 

"Hat man uns vergessen?", fragt Hagen Korell. Laut der aktuellen Corona Schutz-Verordnung des sächsischen Sozialministeriums seien zwar Tanzschulen, Musikschulen und Volkshochschulen von den Lockerungen der Beschränkungen ausgeschlossen, aber Bildungseinrichtungen und Bildungszentren für berufliche Aus-und Weiterbildung sowie freie Schulen zum Zwecke der Prüfungsvorbereitungen durften eingeschränkt seit Montag wieder öffnen, sagt der Fahrschulinhaber.

Anzeige
Lecker in Sicht
Lecker in Sicht

Im Seidnitz Center Dresden sind zum Jahresende 2021 Veränderungen geplant. Es soll ein neuer Foodcourt entstehen. Kunden dürfen noch mitbestimmen.

Wenigstens Motorräder sollten rollen

Er spricht sich für leichte Lockerungen aus: "Wir können in unserem Schulungsraum den Abstand von 1,50 Meter einhalten. Wir haben 50 Schutzmasken, falls die Schüler keine haben, es gibt Hautdesinfektionsspray und wir könnten die Teilnehmerzahl auf neun statt sonst 25 begrenzen." Diese Möglichkeit gäbe es auch bei der Fahrschule Mey.

"Es wäre schön, wenn wir Schritt für Schritt auch wieder anfangen dürften", sagt Julia Mey gegenüber Sächsische.de und hat dabei insbesondere die Zweiräder im Blick. "Bei der Motorradausbildung bringen die Schüler ihre Ausrüstung, wie Helm und Handschuhe selbst mit. Zudem fahren wir im Auto hinter ihnen und kommen somit nicht in Kontakt. Der Mindestabstand würde eingehalten werden."

Sozialministerium hat die Entscheidung

Auf Anfrage von Sächsische.de stellt Kathleen Brühl, Referentin im sächsischen Wirtschafts- und Verkehrsministerium klar: "Fahrschulunterricht, egal in welcher Form, ist auch nach der sächsischen Corona-Schutz-Verordnung vom 20. April nicht zugelassen. Wann diese Einschränkungen aufgehoben werden, können wir nicht sagen. Dies ist vom  Staatsministerium für Soziales und gesellschaftlichen Zusammenhalt als zuständigem Ministerium zu entscheiden."

Eine Wiederaufnahme des Fahrschulbetriebs könne erst zugelassen werden, wenn "dies unter Infektionsschutzgesichtspunkten zu verantworten sei". Dabei spielten nicht nur die Hygieneschutzmaßnahmen im Unterricht und im Fahrzeug eine Rolle, sondern auch die weiteren Ansteckungsrisiken, die mit dem Fahrschulbetrieb verbunden seien, sagt Kathleen Brühl. Denn: "Oberstes Ziel des Handelns der gesamten Staatsregierung war, ist und bleibt, die Zahl der Neuinfektionen so gering wie möglich zu halten und damit auf eine Krise zu reagieren, welche niemand zu verantworten hat. Damit sind Einschränkungen verbunden, die individuell als ungerecht oder übertrieben gewertet werden können. Aber es geht um das Retten von Leben."

Geld vom Bund ist angekommen

So bleibt auch den Fahrschulen im Landkreis nur abzuwarten, wie sich die Ausbreitung des Corona-Virus weiter entwickelt. Immerhin sind bei den meisten Fahrschulen die Soforthilfe-Zuschüsse des Bundes für kleinere Unternehmen angekommen. Firmen mit bis zu fünf Beschäftigten können bis zu 9.000 Euro und Unternehmen mit bis zu zehn Angestellten 15.000 Euro als einmaligen Zuschuss beantragen.

Auch Leasingfirmen, Vermieter und Versicherungen seien den Fahrschulen seit Beginn der Krise entgegengekommen, sagt Hagen Korell: "Unsere Fahrschulautos gelten während der Corona-Beschränkungen als stillgelegt. Die Leasingraten sind für drei Monate ausgesetzt worden", erzählt er. Zudem müsste er nur die Nebenkosten für die angemieteten Räume bezahlen. "Bis einschließlich Mai halten wir so noch durch. Wie es aber im Juni weitergeht, weiß ich nicht", sagt der Fahrschullehrer. Ähnlich sieht es auch bei der Pirnaer Fahrschule Mey aus und bei der Bad Schandauer Fahrschule Kunze.

Noch mehr Nachrichten aus Pirna, Freital, Dippoldiswalde und Sebnitz.  

Mehr zum Thema Pirna