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Familiendrama in Seifersbach

Ein 53-Jähriger aus Borken erschießt seine Frau und flüchtet. 100 Polizisten suchen nach ihm und schnappen ihn auf der Autobahn.

© Harry Haertel

Von Peggy Zill

Es herrscht eine komische Stimmung in Seifersbach, wie die Floristin des Ortes es beschreibt. Es sei schlimm, was da am Montagabend passiert ist. „Man hört und liest ja immer viel...“, sagt Andrea Scharf. Aber dass jetzt Seifersbach in den Schlagzeilen zu lesen sein wird, hätte wohl niemand gedacht. Das idyllische Dorf war am Montagabend Schauplatz eines Familiendramas. Ein 53-Jähriger erschoss seine 39-jährige Noch-Ehefrau auf einer Wiese an der Dorfstraße. Er verletzte ihre 65-jährige Mutter und schoss auf einen Streifenwagen. Seitdem ist er auf der Flucht. Hundert Polizisten aus Sachsen, Thüringen und Hessen suchen nach ihm. Wie die Polizei gestern Nachmittag mitteilt, seien seit Beginn der Öffentlichkeitsfahndung vier Hinweise zum gesuchten Audi A 6 eingegangen. Aber keiner führte zum Ziel.

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Das Haus, in dem die Eltern des Opfers leben: Die Familie wird jetzt von einem Kriseninterventionsteam betreut.
Das Haus, in dem die Eltern des Opfers leben: Die Familie wird jetzt von einem Kriseninterventionsteam betreut.
Mehrere Kamerateams und Journalisten kamen gestern in den idyllischen Ort bei Mittweida.
Mehrere Kamerateams und Journalisten kamen gestern in den idyllischen Ort bei Mittweida.

Der Tatort ist ein kleines Einfamilienhaus mit weißer Klinker-Fassade – das Elternhaus des Opfers. Die Polizei hat die Straße davor abgesperrt. Die Umgebung wird vermessen und gefilmt. Es kommen Journalisten und Kamerateams bis zum weiß-roten Absperrband. Im Haus werden am Vormittag noch Spuren gesichert und fotografiert. Ein Kriseninterventionsteam betreut die Familie.

Opfer lebte von Mann getrennt

Wie es genau zu der Tragödie kam, lässt sich bisher nur mutmaßen. „Die müssen sich gestritten haben“, sagt eine Nachbarin. Das Opfer soll noch um Hilfe gerufen haben. Dann seien die Schüsse gefallen. „Es ging alles ganz schnell“, erzählt die Anwohnerin. Der Fahrer des ersten Streifenwagens habe in Deckung gehen müssen und sich seine schusssichere Weste angelegt. ‹“Ich hätte nicht gedacht, dass hier einmal soetwas passiert.“

Der 66-jährige Vater des Opfers hatte gegen 19 Uhr die Polizei gerufen, weil sein Schwiegersohn auf dem Grundstück wild um sich schießen würde. Seine 65-jährige Frau wurde am Bein von einer Kugel getroffen. Als ein Streifenwagen eintraf, wurde laut Polizeiangaben auch dieser beschossen. Verletzt wurde niemand. Eine Polizistin kam mit einem Schock ins Krankenhaus. Die Rettungskräfte versuchten noch, die 39-Jährige wiederzubeleben. Der Tatverdächtige flüchtete vorher in seinem schwarzen Audi A 6.

Über das Opfer und die Familie können nur wenige im Ort etwas sagen – oder sie wollen nicht. Pfarrer Uwe Kranz kannte nur die Urgroßmutter der Getöteten. „Die Tochter ist schon lange drüben“, sagt ein Senior, der auf dem Bauernhof gegenüber wohnt. Er kenne die 39-Jährige nicht und sei zur Tatzeit nicht Zuhause gewesen. „Ich habe dann nur den Hubschrauber gesehen, der über dem Ort kreiste.“ Die Großeltern des Opfers hätten auf dem großen Bauernhof oberhalb des Eigenheims gelebt. Über Pfingsten hat die 39-Jährige gemeinsam mit ihrer vierjährigen Tochter Seifersbach besucht. Von ihrem Mann hatte sie sich bereits getrennt. Wie die Hessische/Niedersächsische Allgemeine schreibt, kommt der mutmaßliche Täter aus Borken in Hessen und hat bereits in Haft gesessen.

„Es wird viel gemunkelt im Dorf“, sagt Andrea Scharf, die Floristin, die das Opfer ebenfalls nicht kannte. Sie hoffe, dass der Täter geschnappt wird. Am Nachmittag, 20 Stunden nach der Tat, gelang dies Spezialkräften der thüringischen Polizei in Zusammenarbeit mit den Chemnitzer Kollegen. Gegen 15.30 Uhr stoppten die Beamten das Fluchtfahrzeug auf der A 4 in Höhe der Anschlussstelle Eisenach-Ost. Der Mann war Richtung Hessen unterwegs und wurde vorläufig festgenommen. Im Fahrzeug fanden die Beamten eine Waffe, die sichergestellt wurde. „Ob es sich dabei um die Tatwaffe handelt, müssen die weiteren Untersuchungen zeigen“, sagte Polizeisprecherin Jana Kindt. Weitere Einzelheiten wollte sie nicht nennen.