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Familientreffen in der Galerie

Zum 100. Geburtstag des Malers Erich Thieme wurde eine Sonderschau eröffnet. Sein Bruder war Schneider in Großenhain.

Von Kathrin Krüger-Mlaouhia

Das Leben des Malers Erich Thieme blieb kurz. 1913 geboren, fiel er schon 1944 im Krieg. Und zu allem Übel wurde sein Nachlass zum Großteil verbrannt. Doch Ortrands Stadtchronist Reinhard Kißro, dessen Eltern das Wirkungshaus des Kunstmalers im Stadtteil Burkersdorf kauften, konnte als keiner Junge einiges retten: zwei große Ölgemälde, unter anderem von Schloss Lindenau, Zeichnungen der Schule und des Gemeindeamtes und Fotos.

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Kißro war es auch, der nun anlässlich des 100. Geburtstages von Erich Thieme eine kleine Kabinettausstellung im Stadtgeschichts- und Schradenmuseum gegenüber dem Bahnhof initiierte. Viele Fotos von Thieme-Arbeiten steuerte dessen Tochter bei, und sie war gestern auch zur Eröffnung mit ihrem Mann anwesend: Marita Kodjayan aus Mühlheim an der Ruhr war nur wenige Monate alt, als ihr Vater starb. Doch mit Stolz und Rührung notierte sie ins Gästebuch, wie sehr sie sich freut, welche Ehre Erich Thieme nun zuteil wird.

Ölgemälde als Verlobungsgeschenk

Der Ortrander ging in der Pulsnitzstadt zur Schule, besuchte dann das Gymnasium in Senftenberg. An der Dresdner Kunstgewerbeschule machte er seine akademische Ausbildung. Doch dann ging der junge Mann zum Militär, zur Luftwaffe, um etwas zu werden. Pilot ist er geworden. In der Semperoper lernte er seine Frau Elfriede Täubert kennen, eine Tochter aus gutem Hause in Oschatz. Das Verlobungsgeschenk war ein Ölgemälde.

1940, im November, heirateten die beiden, wohnten dann in Oschatz, wo auch Tochter Marita zur Welt gekommen ist. Doch sie blieb ein Einzelkind. Ihre Mutter vermählte sich nicht mehr. 1949 ging die Witwe mit ihr nach Duisburg. Bis zum Tod der Oma 1951 kam Marita noch regelmäßig in den Osten.

Nun ist sie wieder da, zum dritten Mal nach der Wende. Sie traf natürlich auf Reinhard Kißro, der über Ecken sogar mit ihr verwandt ist: Kißros Oma war die Großnichte von Kunstmaler Erich Thieme. Auch die 73-jährige Elfriede Nicklisch aus Ortrand ist da, eine weitere Verwandte.

So stellt sich heraus, dass Kunstmaler Thieme sogar bis Großenhain Spuren gezogen hat. Sein Bruder Willy Thieme war Schneider und lebte auf der Wildenhainer Straße 3. Bei einem Besuch 1993 lernte Marita Kodjayan ihn noch persönlich kennen, wenige Jahre später ist er gestorben. Neffe Frank ist heute in Brieske zu Hause.

Gemeinsam werden Erich Thiemes Bilder betrachtet und Erinnerungen ausgetauscht. Auch musikalisch sei der Kunstmaler gewesen, Geige und Akkordeon hat er gespielt. Ein Foto dokumentiert, wie er im Schützengraben an seine Frau Elfriede dachte: Er hatte ein Schild angebracht: „el Friede“ steht darauf.

Erich Thieme zeichnete gern Berglandschaften, weil er Ausbilder in Österreich war. Und er malte oft Schiffe und das Meer. Ein Gemälde zeigt herrliche Mohnblumen. „Obwohl ich das Bild nicht kannte, war der Mohn schon als Kind meine Lieblingsblume“, erzählt die 70-jährige Marita. Und noch etwas verbindet sie mit ihrem nahezu unbekannten Pilotenvater: Die weltgewandte Frau arbeitete im Stadtbüro der Fluggesellschaft Air France, traf dort auf ihren Mann, einen gebürtigen Armenier und ebenfalls Flieger. Das Paar hat drei Söhne. Einer davon ist wieder Pilot geworden. Bis 1981 lebte die Familie sogar im Libanon. Doch seit 1974 herrschte dort Krieg.

Bis zum Frühjahr wird die kleine Schau mit fünf Originalwerken und Fotos von Thieme-Arbeiten sowie Zeitdokumenten in Ortrand gezeigt. Dann soll die Ausstellung ins Museum Bad Liebenwerda wandern. Zu Pfingsten wird sie dann im Torhaus Lindenau zu sehen sein. Marita Kodjayan würde gern auch noch weitere Originalarbeiten als Leihgaben nach Ortrand bringen. „Mein Vater hat sehr gegenständlich und damit allgemeinverständlich gemalt“, sagt seine Tochter als Gast des 26. Tages der Ortrander Stadtgeschichte.

Geöffnet montags von 17 bis 19.30 Uhr bzw. nach Voranmeldung bei Reinhard Kißro unter 035755605216.