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Fantastische Aussicht mit Nervenkitzel

Das neue Wahrzeichen von Nossen ist für Besucher zu besteigen. Die geplante Eröffnungsfeier am Samstag fiel der Corona-Krise zum Opfer.

Der neue Rodigtturm in Nossen ist offen.
Der neue Rodigtturm in Nossen ist offen. © Claudia Hübschmann

Nossen. Schon von weitem ist er sichtbar. Der neue Rodigtturm auf der mit 303 Meter höchsten Erhebung in Nossen, dem Rodigt. Aus den Baumkronen heraus ragt die Aussichtsplattform. Es ist Sonntag. Blauer Himmel, Sonnenschein. Die Menschen zieht es in die Natur. Da kommt die Eröffnung des Turmes gerade recht. Unzählige Wanderer, Radfahrer, Biker und mit dem Auto Angereiste strömen zur neuen Sehenswürdigkeit im Nossener Stadtwald. 

Ein paar Hundert Meter vom Turm entfernt, am Siebenlehner Weg, finden Autofahrer kaum noch einen Parkplatz. Neugierig laufen die Besucher an den Fuß des Turmes, der sich „durch seinen braun-grünen Anstrich der Landschaft sehr gut anpasst, obwohl er ganz aus Metall ist“, meint Bernhard Fritzsche aus Meißen.

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Gespannt steigen die Besucher nach oben. Nach 134 Stufen und 24,30 Höhenmetern werden sie mit einem beeindruckenden Ausblick belohnt. Ein bisschen Nervenkitzel ist auch dabei. Denn der Turm schwankt. Und zwar ziemlich heftig. Eine Frau erreicht gerade die Plattform, wagt einen kurzen Blick und kehrt sich wieder dem Abstieg zu. „Ich gehe wieder runter, das schwankt mir zu sehr, ruft sie noch ihrem Mann zu.“ Er selbst ist überwältigt. „Ich kannte den alten Turm noch“, erzählt der Siebenlehner. „Als ich das letzte Mal hier war, war ich ungefähr zehn Jahre alt. Aber man hatte damals keine Aussicht, nur den Blick auf Bäume.“ Kein Wunder, denn das alte Wahrzeichen war viel kleiner. „Jetzt hat man eine wunderschöne Aussicht“, schwärmt er. 

Das Ehepaar Schubert aus Dresden kannte den alten Turm nicht. „Wir wussten gar nicht, dass es hier einen Turm gab. Wir haben aus den Nachrichten davon erfahren und uns spontan entschlossen, heute hierher zu fahren“, sagt die Frau. „Es ist ein tolles Ausflugsziel. Allerdings ist in dem Wald in der Umgebung noch einiges zu tun. Wir sind von der Kleingartensparte aus gekommen. Die vielen Waldschäden sehen nicht so schön aus.“ Zudem würde sich das Paar noch eine kleine Gastronomie am Fuß des Turmes wünschen. „Dann wäre es perfekt hier.“

"Die Gestaltung ist sehr schön"

Inzwischen kommt die kleine Fenja aus Siebenlehn ganz oben an. Dem siebenjährigen Mädchen gefällt der Turm, „aber der wackelt so“, sagt sie etwas verängstigt. „Die hätten unten dranschreiben müssen, dass der Turm wackelt“, meint eine andere Frau. Dann wäre aber der große, kräftige Mann, der sich etwas ängstlich und unsicher am Geländer festhält, vielleicht nicht die vielen Stufen nach oben gestiegen. Zumindest war es sein erstes und letztes Mal: „Wir müssen ja nicht noch einmal hierher, wir haben es ja nun schon gesehen“, sagt der Radebeuler. Die Aussicht findet auch er super, aber so richtig genießen kann er sie nicht: „Ich bin mal fast von einem Gerüst gefallen. Das ist bei mir reine Kopfsache“, erklärt der Mann seine Angst. 

Dann kommt das Ehepaar Weise aus Dresden auf der Aussichtsplattform an. „Oh, wir haben heute noch ein bisschen Schaukelvergnügen“, sagt die Frau lachend. Sie hatten aus dem Fernsehen von dem neuen Wahrzeichen erfahren. „Wir machen jedes Wochenende eine Radtour mit einem neuen Ziel“, erzählen die beiden. „Als wir gestern von dem Turm hier hörten, stand unser heutiges Ziel sofort fest.“ Und sie sind begeistert, von der Aussicht und der Konstruktion. „Die Gestaltung ist sehr schön“, loben sie die Architektur. Daneben steht ein anderer Mann und schwärmt: „Wenn das Wetter so passt wie heute, ist es richtig schön hier oben.“

Alles in allem also ein gelungener Bau. Die Idee des Architekten überzeugt die Besucher. Der Turm schmiegt sich in die Waldlandschaft ein. Zwar wurde immer von 135 Stufen gesprochen, genau genommen muss man eine Stufe weniger steigen, denn die erste ist mit dem Waldboden ebenerdig.

Viele Jahre wurde diskutiert, ob ein neuer Turm gebaut werden soll oder nicht. Letztlich gelang es mithilfe von EU-Fördermitteln für ein entwickeltes Wanderwegekonzept und der großen Spendenbereitschaft vieler Unterstützer aus Nossen und anderen Regionen. Der Turm ist dabei Highlight, allein für ihn hätte es keine Förderung gegeben. Die Gesamtkosten einschließlich Abbrucharbeiten und Ausgleichspflanzungen betrugen 720.000 Euro, 80 Prozent Förderung wurde beantragt.

Nun hat Nossen also sein Wahrzeichen zurück. Der alte Rodigtturm war 1884 gebaut worden. Die Höhe betrug allerdings nur 14,60 Meter. 2008 musste der Turm wegen Baufälligkeit abgerissen werden.

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