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Fast 30 000 Ziegel für das Dach

Noch vor Weihnachten sollen die Handwerker von der Bretniger Kirche abziehen. Hauptsache es kommt kein Frost.

Von Reiner Hanke

Die Balken im Dachstuhl der evangelischen Kirche in Bretnig sind genauso alt wie der ganze Kirchenbau: In diesem Jahr feiert die Gemeinde das 110-jährige Jubiläum. Und bald kann sie auch das Ende der Dachsanierung feiern.

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Dort hinauf geht es im 46 Meter hohen Kirchturm über eine schmale Eisenstiege und eine Luke bis unters Dach. Es zieht wie Hechtsuppe auf dem Weg nach oben. Dort angekommen, wirft mattes Licht dunkle Schatten zwischen die Dachbalken. Ein Teil davon war nach 110 Jahren morsch. Sie mussten jetzt erneuert werden. Auch Dachsparren wurden getauscht und neue Kupfer-Dachfenster eingesetzt.

Christian Frenzel managt den Bau. Der ehemalige Gemeinde-Vorstand hat die Bauphasen mit dem Fotoapparat dokumentiert, Alt und Neu nebeneinandergestellt. Auf den Fotos ist auch ein Lastenaufzug zu sehen. Der wurde für die Arbeiten montiert, um Abbruchmaterial hinunter und Baustoffe hinauf zu befördern. Ein Wetterschutzdach über den Walmdächern erleichterte den Bau. Deren Bekrönung war für die Handwerker eine besondere Herausforderung.

„Auf der Nordseite konnten die vier Holzgauben an alter Stelle wieder aufgesetzt werden“, erklärt Christian Frenzel. Die Fenster der Dachgauben, einschließlich Rahmen, wurden durch Gemeindemitglieder in Eigenleistung repariert und gestrichen. Unter den Gauben führt jetzt im Dach ein neuer Laufsteg entlang, damit die Fenster zugänglich bleiben. Das helle Holz fällt sofort ins Auge.

Christian Frenzel ist selbst Handwerker. Vielleicht zieht er gerade deshalb vor den Bauleuten den Hut. Wie sie hier tragende Balken ausgewechselt haben, sei bewundernswert gewesen. Zimmerleute, Dachdecker, Dachklempner, Gerüstbauer, Blitzschutzmonteure und weitere Fachleute arbeiteten Hand in Hand. Hier wurden keine dünnen Bretter gebohrt, sondern dicke Balken gesägt.

Noch stehen die Gerüste auf der Ostseite der Kirche, aber der Bau schreitet voran. Wegen der günstigen Witterungsbedingungen in den vergangenen Wochen konnte immer wieder mit Pausen gearbeitet werden. Am Treppenaufgang und am Chordach zum Beispiel. Schaut man von oben auf die Kuppel über dem Altar, so sind noch die offenen Abschnitte zu entdecken. Abdeckplanen flattern im Wind. Etwa 30 Meter darunter im Kirchenschiff haben 550 Menschen Platz und können den Sternenhimmel in der Kuppel bewundern.

Christian Frenzel: „Die Putz-Schäden an der Nordostecke und unterhalb des Schornsteines sind inzwischen ebenso repariert wie der Sandstein-Sims.“ Pfarrerin Jutta Gildehaus freut sich: „Christian Frenzel hat den Bau hervorragend begleitetet.“ Er habe ihr damit viel Arbeit abgenommen. Denn mit den drei Gemeinden Bretnig, Hauswalde und Rammenau, die die Pfarrerin betreue, habe sie einiges um die Ohren.

Die Zahlen sind gigantisch, die sich Christian Frenzel notiert hat: Laut Lieferschein werden genau 28 864 Dachziegel verbaut. Davon sind rund 27 000 Ziegel bereits an ihrem Platz. Die letzten knapp  2 000 stehen noch aus: „Alle Ziegel wurden in Mörtel verlegt, das kann nicht jeder“, lobt Frenzel. Die neuen Ziegel schimmern jetzt rot im Halbdunkel zwischen den Sparren.

Gut 180 000 Euro kostet die Dachsanierung mit Zuschüssen und Fördermitteln.  30 000 Euro muss die Gemeinde selbst aufbringen und ist für jede Spende dankbar. So legen die Gemeindemitglieder auch selbst Hand an, wenn es möglich war, die Kosten zu drücken. 680  Euro wurden jetzt bei der Großreinigung gespart. Mit einer Fahnenstange und einer Art Flaschenzug beförderten Bretniger Gemeindemitglieder fast 60 Eimer mit Dreck und Schutt aus einem Dachfenster hinunter. Christian Frenzel ist glücklich, dass der Bau so gut vorankommt. Im Juli ging es los. Wenn alles gut läuft, wird das Dach über dem Altargewölbe vor Weihnachten fertig und der Bau damit beendet sein. Vor allem Frost können die Bauleute jetzt nicht gebrauchen.

Ein besonderer Dank gelte dem Kirchenvorstand, für den Mut, ein solches Projekt anzugehen, sagt Christian Frenzel. Gebaut wurde die Bretniger Kirche im neoromanischen Stil nach Plänen der Architekten Gebrüder Völkel aus Großröhrsdorf. „Wer möchte denn, dass so ein repräsentatives Gebäude – mit dem neu gestalteten Kirchplatz davor – zerfällt und aus dem Ortsbild verschwindet?“ fragt Christian Frenzel. Die Bretniger sollen erfahren, wofür hier investiert wird: „Ohne die Kirche würde etwas Schönes fehlen“, ist sich Christian Frenzel sicher.