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Faulturm Kaditz feiert Richtfest

Die Stadtentwässerung präsentiert sich als Vorbild in Sachen Klimaschutz. Sie produziert über die Hälfte ihres Energiebedarfs selbst.

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Von Stefan Rössel

Die Stadtentwässerung Dresden hat gestern Richtfest für ihre neue Schlammbehandlungsanlage gefeiert. Anlass dazu ist, dass das weithin sichtbare Riesenei fast geschlossen ist. Es ist der erste Faulturm der Anlage, der im Juni 2011 in Betrieb gehen soll. Ein zweiter Reaktor soll drei Monate später in Betrieb gehen.

Wirtschaftsbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) sprach angesichts der 35 Meter hohen Fauleier und des bereits fertigen 40-Meter-Erschließungsturms direkt an der Autobahn etwas ironisch von einem neuen Eingangstor in die Stadt. Ernst meinte er allerdings, dass er die Stadtentwässerung als Vorbild in Sachen Klimaschutz in der Landeshauptstadt lobte. Das unternehmerische Engagement bringe die Stadt in ihrem Bemühen voran, die Kohlendioxid-Emissionen um die Hälfte zu reduzieren. Dazu habe sich Dresden 1994 mit dem Beitritt zum Klimabündnis der europäischen Städte verpflichtet. Johannes Pohl, Technischer Geschäftsführer der Stadtentwässerung, steuerte die Zahlen dazu bei. Mit der künftigen Vergasung des Klärschlamms würden 2,7 Millionen Kubikmeter Erdgas pro Jahr eingespart, die bisher zum Trocknen eingesetzt werden. Das bedeute, dass 12000 Tonnen Kohlendioxid pro Jahr weniger in die Atmosphäre abgegeben werden.

Pohl kündigte noch weitere Maßnahmen zur Energieeinsparung an. Dazu werde gemeinsam mit der Technischen Universität ein Energiemonitoring durchgeführt.

Mit der neuen Behandlung des Klärschlamms wird gleichzeitig Energie erzeugt. Täglich werden rund tausend Kubikmeter erwärmter Klärschlamm, so viel, wie ein Schwimmbecken fasst, in die Faultürme geleitet. Dort wird der Kohlenstoff in Methangas verwandelt, das ein Blockheizkraftwerk speist. Zwischenstationen sind Reinigung und Verdichtung des Gases sowie ein Speicher.

Eigene Stromerzeugung

Der dort erzeugte Strom würde für die Versorgung von 10000 Personen reichen. Die Stadtentwässerung wird ihn jedoch für den Eigenbedarf nutzen. Sie deckt damit künftig über die Hälfte aus eigener Produktion.

Auch an anderen Stellen sorgt das Unternehmen für eigene Stromerzeugung. So betreibt sie das größte Solarkraftwerk Dresdens, nämlich eine Fotovoltaikanlage auf dem Dach des Regenüberlaufbeckens mit einer Produktion von jährlich 180 Megawattstunden. Und eine Turbine im Auslauf von der Kläranlage zur Elbe – der Höhenunterschied beträgt fünf Meter – erzeugt 650 Megawattstunden.

Der entgaste Klärschlamm wird in Kompostierungsanlagen aufbereitet. Damit werden Tagebaurestlöcher verfüllt. Mit dem Ende der Trocknung fällt auch der periodische Gestank weg.