merken
PLUS Weißwasser

Festivalpläne ernten heftige Kritik

Politiker und Musiker stellen die Art und Weise infrage, wie das Lausitz-Festival initiiert wurde.

Das vom Bund mit vier Millionen Euro geförderte Festival startet am Freitag, dem 29. März, mit einem Konzert des israelischen Jazzpianisten Nitai Hershkovits in der Lausitzhalle Hoyerswerda.
Das vom Bund mit vier Millionen Euro geförderte Festival startet am Freitag, dem 29. März, mit einem Konzert des israelischen Jazzpianisten Nitai Hershkovits in der Lausitzhalle Hoyerswerda. © Foto: www. nitaihmusic.com

Region. Am Freitag startet das neue Lausitz-Festival in Hoyerswerda, bevor am Sonntag und Montag auch Konzerte in Görlitz stattfinden werden. Übers Wochenende wurden die ersten Plakate für die Konzerte beispielsweise in Görlitz aufgehängt, die Homepage enthält jetzt auch Angaben zu den Kartenpreisen: Teilweise ist der Eintritt umsonst, über zehn Euro kostet keine der angebotenen Karten. Trotzdem bleibt es eine Herausforderung, in der Kürze der Zeit die Spielorte zu füllen, darunter zum Beispiel die Dorfkirche in Cunewalde, die sich als größte Dorfkirche Deutschlands mit 2 632 Plätzen bezeichnet.

Nach den lobenden Worten für die Hamburger Symphoniker und deren Intendant Daniel Kühnel, der auch dem Lausitz-Festival als Intendant vorsteht, auf der Pressekonferenz in Görlitz sind die weiteren Äußerungen über das Konzept des Festivals ernüchternd. Dem Verein „Motor Görlitz“ stößt auf, dass es fatal an das Dreiklang-Festival erinnere. „In beiden Fällen geht es um ein Festival, das ohne Mitwirkung der regionalen Akteure aus der Taufe gehoben wurde“, erklärt Motor-Görlitz-Sprecher Mike Altmann sichtlich verärgert. „Während die lokalen Kulturschaffenden um jeden Zuschuss kämpfen müssen, sind ohne viel Aufhebens vier Millionen Euro aus dem Bundeskulturetat bewilligt worden. Für ein Vorhaben zweier Hamburger, die mit ihrem Engagement nach eigener Aussage Gäste in die ostsächsische Provinz locken. Bitter daran: Die Menschen vor Ort wurden gar nicht gefragt, was sie ihren Gästen anbieten möchten.“

Anzeige
Kompetenz in der Vermögensbetreuung
Kompetenz in der Vermögensbetreuung

Geld sicher und gut anlegen? Das ist in Zeiten der Nullzinspolitik nicht einfach. Deshalb sollte man sich gerade jetzt gut beraten lassen.

Kritisch äußert sich in einem Schreiben an die SZ auch Professor Neithard Bethke, der Leiter des Akademischen Chores an der Hochschule Zittau/Görlitz, der als Ratzeburger Domkantor in den 1990er-Jahren Erfahrungen mit dem Schleswig-Holstein-Musikfest gesammelt hatte und nach eigenen Auskünften in den zurückliegenden Jahrzehnten 40- bis 50-mal die Hamburger Symphoniker dirigiert habe. „Dieses Orchester berechtigt von seinem Können in keiner Weise, die ansässige Neue Lausitzer Philharmonie an die Wand zu drücken“ und so zu tun, als würden die Hamburger der Lausitz nun mal zeigen, wie Kultur richtig gemacht werde. Bethke schreibt: „Es geht ein Entsetzen durch die Reihe der auch hier zum Teil doch auch vorbildlich schaffenden Kulturträger“. Aber es gibt auch andere Stimmen. Ragnar Schnitzler, verdienstvoller Saxofon-Lehrer an der Kreismusikschule, dessen Schüler Preise beim Bundeswettbewerb „Jugend musiziert“ abräumten, postete in den sozialen Netzwerken: „Ein tolles Event in unserer Region“. Der bündnisgrüne Görlitzer Stadtrat Joachim Schulze schrieb: „Viel Geld im Hintergrund und hochklassige Kulturangebote. Die Erdung mit Lausitzbezug ist das, was die Hiesigen jetzt leisten müssen.“

Weiterführende Artikel

Das Lausitzfestival, das die Lausitz nicht will

Das Lausitzfestival, das die Lausitz nicht will

Der Bund will in Ostsachsen mit viel Geld ein Festival schenken. Das geschieht an den Kulturleuten der Region vorbei – mal wieder.

Die Gelder des Bundes wurden im Frühsommer vergangenen Jahres beschlossen. Warum eine inhaltliche Konzeption sowie auch die Einbindung regionaler Akteure in zehn Monaten nicht gelang, erklärt niemand. Wie die SZ bereits im vergangenen Jahr berichtete, wussten weder die Kulturstiftung Sachsen noch das sächsische Wissenschaftsministerium anfangs etwas von dem Vier-Millionen-Haushaltstitel. Wie sagte der Görlitzer Oberbürgermeister Siegfried Deinege bei der Pressekonferenz: „Er freue sich, dass selbst in Hamburg Konzepte für Görlitz entwickelt werden.“

Mehr zum Thema Weißwasser