merken
PLUS

Feucht-fröhliche Formel-1-Feier

Daniel Ricciardo sorgt für Abwechslung und ein bisschen Spannung im Kampf um die WM.

© dpa

Von Martin Moravec und Patrick Storzer

Der WM-Weckruf von Dauergrinser Daniel Ricciardo verdarb Formel-1-Spitzenreiter Nico Rosberg die Laune. Nach fünf Doppelerfolgen kam Mercedes beim spektakulären Großen Preis von Kanada ins Trudeln. Zu allem Überfluss mussten sich die Silberpfeile auch mit einer ausgiebigen Jubeltour des Premierengewinners abfinden, die auf dem Siegerpodest auch sein drittplatzierter Red-Bull-Gefährte Sebastian Vettel feierte. „Für ihn ist das ein fantastischer Tag – klasse, dass es aufgegangen ist“, lobte der vierfache Weltmeister den Australier.

Anzeige
Biathlon-Weihnachtsfeier - jetzt buchen!
Biathlon-Weihnachtsfeier - jetzt buchen!

Kondition, Koordination und Konzentration: die unvergessliche Weihnachtsfeier mit der Sie und Ihre Kollegen ins Schwarze treffen.

„Ich habe keine Lust, dass Red Bull gewinnt. Wir wollen sie schlagen und auch alle anderen Rennställe“, echauffierte sich Rosberg nach seinem zweiten Platz. Durch den Ausfall seines Mercedes-Kollegen Lewis Hamilton baute der 28-Jährige aber seinen Vorsprung auf den Briten mit jetzt 140 Punkten auf 22 Zähler aus. „Es ist extrem enttäuschend für uns, das Rennen nicht zu gewinnen und sogar lediglich mit einem Auto auf Platz zwei ins Ziel zu kommen“, nörgelte Rosberg.

Dagegen konnte Ricciardo mit dem Grinsen nicht aufhören. „Es ist ein bisschen surreal. Ich benötige Zeit, bis ich das verarbeite“, stammelte der 24-Jährige, der als vierter Australier und 105. Rennfahrer einen Grand Prix gewinnen konnte. „Ich genieße diesen Moment. Es ist ein Moment, den ich bewahren sollte.“ Einer weiteren Silberpfeil-Bilderbuchfahrt rasten zunächst Rosberg und Hamilton entgegen. Nach der Hälfte des siebenten Saisonlaufs funkten beide aber binnen weniger Sekunden SOS an die Box. „Ich verliere Power“, hieß es unisono. Bis zu 160 PS fehlten den Motoren angeblich aufgrund von Problemen am Energierückgewinnungsmodul. „Wir hatten einen Temperaturanstieg in einem System, das wir nicht für so grundlegend hielten“, erläuterte Motorsportchef Toto Wolff. „Die Bremsen waren überhitzt. Da baten wir beide, behutsamer mit ihnen umzugehen. Das machten sie auch. Beide waren dennoch immer im Maximum.“

Für Hamilton war trotzdem nach 48 Runden Schluss. „Die Bremse fiel aus, ging kaputt. Du trittst auf die Bremse. Das Auto wird nicht langsamer – kein gutes Gefühl“, analysierte der Brite, der im WM-Duell mit Rosberg weiter an Boden verlor. „Ich kam schon zweimal in dieser Saison nicht ins Ziel. Diese Punkte muss ich mir anderswo zurückholen“, sagte Hamilton.

Kratzen, beißen, Krallen zeigen

Seine Bosse verstehen es als Warnung, dass erstmals in dieser Saison kein Mercedes gewann. „Für uns ist das ein guter Weckruf, dass die WM verdammt lange geht“, sagte Wolff, dessen Teamaufsichtsrat Niki Lauda den Auftritt Rosbergs angesichts der Schwierigkeiten lobte: „Es war eine meisterhafte Gala von Nico.“ Der „nette Herr Rosberg“ schärfte binnen zwei Rennwochenenden sein Profil entscheidend. Der Sohn eines ehemaligen Weltmeisters, der laut Hamilton „in Monaco mit Jets, Hotels und Yachten aufgewachsen“ ist, kann auch kratzen und beißen. Seine Krallen zeigte er im „Krieg der Sterne“ gegen den Briten in Monte Carlo, auch wenn das Parkmanöver in der Qualifikation, wie er betonte, keine Absicht war. In Montreal bewies Rosberg eindrucksvoll, dass er auch auf der letzten Rille kämpfen kann. Sein zweiter Platz mit halber Kraft war „weltmeisterlich“, fand nicht nur Lauda. Auch die Medien auf der Insel, die eher ihrem Landsmann zugeneigt sind, zollten Rosberg Respekt.

Der Vergleich mit Englands Torwartlegende Gordon Banks und dessen Jahrhundertparade bei der Weltmeisterschaft 1970 in Mexiko gegen den Kopfballkracher des Brasilianers Pele adelt den deutschen Fußball-Fan Rosberg auf besondere Art. Wie einst Banks rettete er in einer schwierigen Situation seine Mannschaft und holte wichtige Punkte im Kampf um seinen ersten WM-Titel.

Respekt verdient auch Titelverteidiger Vettel, der seinem Rennstallgefährten Ricciardo fair zu dessen erstem Erfolg gratulierte – umso mehr, als langsam klar wird, dass der grinsende Australier dem Heppenheimer bei Red Bull den Rang abläuft. Mal sehen, wie lange der „nette Herr Vettel“ das noch mitmacht. (dpa/sid)