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Figuren aus Sachsenhausen

Der Großvater von Kai-Uwe Schwokowski wurde als angeblicher Leibarzt Adolf Hitlers verpfiffen.

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Von G. Kracht, K. Krüger-Mlaouhia

Dr. med. Heinz Schwokowski hat seinen Enkeln das Schachspiel beigebracht. Einer dieser Enkel ist der Großenhainer Rechtsanwalt Kai-Uwe Schwokowski. Opa Heinz hatte seinen Enkeln damals erzählt, dass er die Schachfiguren aus Holz im Lager Sachsenhausen mit Hilfe einer Glasscherbe schnitzte. Diese Worte und das künstlerische Geschick seines Großvaters werden dem Großenhainer immer im Gedächtnis bleiben. Sein Opa musste in Sachsenhausen Schlimmes miterleben.

Der Krieg war vorbei, es war schon der 8. August 1945. Da wurde Heinz Schwokowski von einer Einheit der operativen Gruppe der Roten Armee verhaftet. Er war verpfiffen worden. Ein schüchterner junger Mann Anfang zwanzig, der im Krieg einen Arm verlor, hatte Schwokowski als angeblichen Leibarzt Adolf Hitlers in Ostpreußen denunziert. Der Junge verriet ebenfalls den Namen seines Onkels, der von den Nazis ein großes Gut zur Verwaltung übernommen hatte. Der Junge war selbst auf der Kommandantur tagelang gefesselt und verhört worden, um ihm irgendwelche Nazi-Namen zu entlocken.

Zu Fuß ins Speziallager

Die Verhafteten wurden daraufhin im Keller unterm Gericht eingesperrt. Weder ihre Partei, die KPD, noch der Landrat konnten helfen. Die ausgemergelten Männer mussten bis nach Sachsenhausen, während des Krieges KZ und nun Speziallager, zu Fuß laufen. Ihnen folgten verhaftete Frauen mit Schwerkranken auf Handwagen.

Dass ihr Mann noch lebt, erfuhr Frau Schwokowski 1946 von einer Frau aus Berlin. Die war extra mit dem Zug gekommen, um die Nachricht zu überbringen. Das Beerdigungskommando von Sachsenhausen hatte kleine Kassiber mit kurzen Nachrichten aus dem Lager geschmuggelt und unter Baumstämmen versteckt. Die Bevölkerung leitete sie dann weiter.

Kurze Zeit später kam extra ein russischer Offizier samt Dolmetscher aus dem Lager zu Frau Schwokowski, um deren Mann zurückzuholen, da er getürmt sei. Dem war aber nicht so. Er wurde als einer der Letzten am 22. August 1948 aus Sachsenhausen entlassen. Denn Schwokowski wurde als Arzt gebraucht und durfte erst am letzten Tag gehen. Er war sogar bei der Narkose des bekannten Schauspieler Heinz George dabei und wirkte zuletzt als Arzt des Frauenbataillons. 1200 Frauen waren in Sachsenhausen in sechs Baracken.