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Findlinge blockieren Parkplatz am Stausee

Badegäste ärgern sich über die großen Steinblöcke. Denn sie können ihre Autos nun nicht mehr am Straßenrand abstellen.

Von Ulrike Kirsten

Helmut Schneider und seine Frau Renate sind erbost. Seit 40 Jahren kommen die Freitaler zum oberen Stausee an der Unkersdorfer Landstraße, um hier zu baden. Am liebsten nackt. Den Platz in der Nähe der hinteren Staumauer haben sich eine Gruppe von Naturfreunden, Familien aus Dresden, Freital und den umliegenden Gemeinden, selbst hübsch hergerichtet. Die Betonstufen, die ins Wasser führen, hat Schneider selbst mit saniert.

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Doch nun fühlen sich das Ehepaar und andere Badegäste aus ihrem sommerlichen Paradies vertrieben. „Bisher ging es hier immer entspannt zu. Das ist Erholung pur, einfach traumhaft“, sagt der 77-Jährige. Als die Schneiders im Frühling aber das erste Mal in diesem Jahr an dem Badeplatz nach dem Rechten sehen wollte, trauten beide ihren Augen nicht. „Die wenigen Freiflächen, die es zum Parken gab, hat die Stadt nun mit großen Felsblöcken zugestellt“, sagt Helmut Schneider. Bei einem Bekannten klemmte vor Kurzem sogar ein Strafzettel hinter dem Scheibenwischer. Über ein Verwarngeld von 35 Euro. Für die Freitaler ist das ein großes Ärgernis.

Der Stausee und seine Umgebung befinden sich im Landschaftsschutzgebiet „Elbtal zwischen Dresden und Meißen mit linkselbischen Tälern und Spaargebirge“. Gelbe Schilder kennzeichnen das Gebiet. In dem Schutzgebiet sei es außerdem verboten, kraft- oder motorbetriebene Fahrzeuge aller Art außerhalb der öffentlichen Straßen oder ausdrücklich dafür ausgewiesenen Flächen zu parken“, sagt Christian Korndörfer, Leiter des Umweltamtes. „Ein derartiges Verbot ist in Landschaftsschutzgebieten allgemein üblich und auf den Elbwiesen beispielsweise auch der Fall.“ Weil es für die örtliche Polizei immer aufwendiger wurde, das ausufernde illegale Parken um den See zu ahnden, habe das Umweltamt die Zufahrt zu einer größeren wilden Parkfläche mit Findlingen versperrt, erklärt Korndörfer.

Ziel ist es, die Kulturlandschaft des Elbtales und des angrenzenden Randbereiches des Lößhügellandes zwischen Dresden und Meißen zu erhalten. „Das bedeutet aber nicht, dass Besucher hier nicht erwünscht sind oder gar vertrieben werden sollen. Gebadet wird hier schließlich schon seit DDR-Zeiten“, so der Amtsleiter. Das Landschaftsschutzgebiet am Stausee hingegen existiere nicht erst seit diesem Jahr, sondern bereits seit 1974. Hier könne sich jeder aufhalten, wandern oder baden. Lediglich das Abstellen von Fahrzeugen in der freien Landschaft sei verboten. Auch der Energiekonzern Vattenfall duldet die Badegäste. Zur Sicherheit spannt der Betreiber des Pumpspeicherwerks in Niederwartha, zu dem der Stausee Oberwartha gehört, sogar ein Absperrseil. Zwar können Besucher weiter mit dem Auto über die Unkersdorfer Landstraße an den See fahren, nur Parken ist nicht mehr erlaubt. Korndörfer empfiehlt, den öffentlichen Nahverkehr zu nutzen. Mit dem Bus sei der Stausee über die Haltestelle Rennersdorf zu erreichen. „Außerdem führt ein Wanderweg direkt an den See.“ Die Stadt will deshalb, trotz der vielen aufgebrachten Badegäste, am Parkverbot festhalten. „Die Regelungen zum Landschaftsschutzgebiet gelten schon seit langer Zeit und wurden nicht mit dem Ziel durchgesetzt, das Baden im Stausee zu unterbinden. Allein das Parken in der freien Landschaft war und ist verboten“, sagt Christian Korndörfer.

Schneiders werden nun wohl seltener an den Stausee kommen. Zu anstrengend wäre für sie die Anreise mit dem Bus. „Wir sind auf das Auto angewiesen. Wenn wir hier nicht mehr parken dürfen, wird es schwer. Mit dem Rad, das schaffen wir in unserem Alter einfach nicht mehr.“