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First Lady

Birgit Weber, die erfolgreiche Koordinatorin der Zittauer Senioren EM, wird Beigeordnete des Bautzener Landrats.

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Von Jana Ulbrich

Der Görlitzer Oberbürgermeister hätte sie gern als Projektmanagerin für den Berzdorfer See gehabt. In Zittau wollte man sie auf dem Chefsessel im Rathaus sehen. Im Dresdner Innenministerium lässt man sie nur ungern wieder gehen. Aber Birgit Weber – parteilos – hat sich für Bautzen entschieden. Und Bautzen für Birgit Weber. Dort hat der Kreistag die 47-jährige Bauingenieurin, Verwaltungsfachfrau und Fördermittelexpertin als Nachfolgerin des verstorbenen Beigeordneten Wolfram Leunert gewählt. Es gab 15 Bewerber und ein Auswahlverfahren, von dem sie später sagen wird, dass sie sich gefühlt habe wie bei den Abiturprüfungen: Ein vorgegebenes Thema, eine Viertelstunde Vorbereitungszeit und dann ein Vortrag vor der Personalfindungskommission. Birgit Weber muss lächeln. Durch so ein Auswahlverfahren hat sie noch nie gemusst, sagt sie. Und es hat ihr auch bei noch keiner Bewerbung zuvor jemand die Frage gestellt, ob sie denn genügend Durchsetzungsvermögen besitze. „Wirke ich, als ob ich keines hätte?“, fragt sie und wirkt fast ein bisschen verunsichert darüber, wie sie wohl von anderen wahrgenommen wird. „Oder traut man Frauen generell weniger Führungsqualitäten zu?“

Als ob sie ihre nicht schon oft genug unter Beweis gestellt hätte. Sie hat im sächsischen Wirtschaftsministerium das Referat Straßenbau geleitet und war für den Wiederaufbau der Infrastruktur nach dem Elbehochwasser 2002 zuständig. Sie hat zum Beraterstab des Ministerpräsidenten für die Leipziger Olympiabewerbung gehört. Sie hat die Abteilung Raumordnung, Bau- und Wohnungswesen in der Landesdirektion geleitet. Nach dem August-Hochwasser 2010 hat die Landesdirektion sie nach Görlitz geschickt. Sie hat dort die Stabsstelle Flut aufgebaut, Wiederaufbaupläne für zerstörte Gebäude, Straßen und Brücken geschrieben und ein „Strickmuster“ entwickelt, nach dem die betroffenen Gemeinden schnellstmöglich an Fördergelder für den Wiederaufbau kommen konnten. Der Landkreis Görlitz war bei der Schadensbeseitigung anderen weit voraus. Es war eine spannende, aufregende und arbeitsreiche Zeit, sagt Birgit Weber. In den zweieinhalb Jahren in der Stabsstelle Flut hat sie keinen Urlaub gemacht. Stattdessen hat sie nebenbei die Leichtathletik-Europameisterschaft der Senioren 2012 organisiert. Als die Vorbereitungen für das sportliche Großereignis im Dreiländereck zum Desaster zu werden drohten, ist sie als Generalmanagerin in die Bresche gesprungen – und hat einen nüchternen sportlichen Wettbewerb zum Großereignis gemacht. Wenn sie eine Sache anpackt, dann immer mit aller Kraft. Sie hat viel Lob geerntet für ihre Arbeit im Kreis Görlitz. Das aber mag sie nicht auf sich allein beziehen. Birgit Weber ist ein Teammensch. Sie spricht immer von „wir“ und der „Mannschaft“, wenn sie über ihre Arbeit redet. „Was ich vielleicht ganz gut kann, ist, Leute von einer Idee zu begeistern“ sagt sie. Und wenn jemand von der Idee begeistert ist, zieht er auch mit.

Vielleicht ist es ja ihre stille und eher nordisch kühle Art, die die schlanke, blonde Frau so zurückhaltend wirken lässt. Obwohl sie ja gar nicht aus dem Norden, sondern aus Bad Salzuflen in Nordrhein-Westfalen stammt. Birgit Weber ist keine, die mit ihren Erfolgen prahlt. Sie redet überhaupt nur ungern über sich selbst: sie lebt seit der Trennung von ihrem langjährigen Lebensgefährten allein, sie hat keine Kinder, sie hat ein Haus in Zittau, und sie ist eine begeisterte Hochseeseglerin, aber seit Jahren schon nicht mehr dazu gekommen. Um den Oberbürgermeister-Sessel in Zittau würde sie sich nicht bewerben. Nicht wegen der Aufgabe, sondern wegen des Wahlkampfs. Selbstdarstellung ist nichts für sie.

Im Januar ist ihre Abordnung nach Görlitz ausgelaufen. Sie ist nur ungern wieder nach Dresden zurückgekehrt. Sie hat sich um die Beigeordneten-Stelle in Bautzen beworben, weil sie hier viel näher dran ist an den Menschen und den Problemen, sagt sie, viel näher als in einem Ministeriumsbüro. Kreisentwicklung sei ein spannendes Thema. Sie kommt aber auch zurück in die Lausitz, weil sie sich hier viel mehr zu Hause fühlt als in Dresden oder Leipzig. Im Mai übernimmt sie ihre neue Mannschaft.