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Fitmachen für den Arbeitsmarkt

Bei der Josua Gemeinde in Bautzen absolvieren gleich elf Leute ihren Bundesfreiwilligendienst

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© Uwe Soeder

Von Madeleine arndt

Deutschunterricht am praktischen Beispiel: „Das ist ein Blitzableiter“, erklärt Christoph Löhnert. In einer Hand hält der 67-Jährige einen Metallstab, mit der anderen fährt er im Zickzack durch die Luft. „Ah, a flash“, antwortet ihm auf Englisch Salim Omar. Der 25-Jährige lässt ebenfalls mit der Hand einen imaginären Blitz auf dem Boden einschlagen. Löhnert und Omar machen beide ihren Bundesfreiwilligendienst im Haus der Josua Gemeinde auf der Dr.-Peter-Jordan-Straße 9. Gerade wollen sie den Blitzableiter reparieren.

Elf Bundesfreiwilligendienstler, kurz Bufdis genannt, leisten aktuell bei der Josua Gemeinde ihren einjährigen Dienst. Da der Bundesfreiwilligendienst seit Dezember auch Asylbewerbern mit guter Bleibeperspektive offensteht, treffen dort nicht nur die Generationen, sondern auch verschiedene Kulturen aufeinander. Derzeit arbeiten fünf deutsche Bufdis im Alter zwischen 28 und 67 Jahren und sechs Flüchtlinge im Alter zwischen 19 und 38 Jahren in der Gemeinde. Sie helfen vor allem, den Kinder- und Jugendclub „Käller“ im Untergeschoss des Hauses wieder herzurichten. „Es ist schön, dass wir so viele Bufdis haben“, freut sich Jugendpastor Clemens Mudrich. Ein Jahr lang wurde mit ihrer Hilfe der „Käller“ wasserdicht gemacht und renoviert. Mittlerweile trainieren dort die ersten Tanzgruppen, obwohl es noch einiges zu tun gibt.

Viel Verwaltungsarbeit

„Die ersten acht Bufdis haben wir im September 2013 eingestellt“, erinnert sich Pastor Alf Mudrich. Er empfand es anfangs als Wagnis, damit anzufangen. Vor allem wegen der ganzen Verwaltungsarbeit die mit Bufdi-Stellen verbunden ist. Die potenziert sich noch einmal bei den Flüchtlingen. Sei es die Arbeitserlaubnis oder das Einrichten eines Girokontos – „es sind unheimlich viele Dinge, die man klären muss“, betont Alf Mudrich. Und außerdem passiere es auch mal, dass ein ausländischer Bufdi nicht wiederkommt. Etwa, weil er in eine andere Stadt weitergezogen ist.

Doch für Alf Mudrich und seinen Sohn Clemens ist das nur ein kurzes Ärgernis, denn sie sehen auch, was sie bewegen können. „Das bringt uns in den Kontakt zu den Flüchtlingsheimen“, begründet Clemens Mudrich ihr Engagement. Die Arbeit als Bufdi sei die beste Form der Integration für die Asylbewerber. Die bringen nach ihrer Arbeit oft auch Freunde aus den Heimen mit ins Gemeindehaus, unterhalten sich, trinken Kaffee und nutzen das Internet. So entsteht Gemeinschaft.

Bei der Gemeinde wieder auftanken

Gemeinschaft ist etwas, was viele Bufdis schätzen, egal welcher Herkunft sie sind. Das beobachtet Martin Leubner. Der 54-Jährige ist seit vielen Jahren mit der Gemeinde verbunden und übernimmt die Koordination der Bufdis und derjenigen, die gerichtlich auferlegte Sozialstunden ableisten müssen. „Viele erleben nie Familie, nie verbindliches Essen“, nennt er Beispiele. „Wir haben auch Leute dabei, die mit sich und der Welt zu kämpfen haben, die vom Arbeitsmarkt weg sind.“ Egal wie es dann nach dem einen Jahr für die Leute weitergeht. Sie können bei der Josua Gemeinde „auftanken“ und werden wieder „aufgepäppelt“, wie Leubner, der seit einem Monat selbst Bufdi ist, es beschreibt. Hoffnung auf bessere Chancen bei der Jobsuche hat Klaus Penzholz, der auf einen Schwatz ins Gemeindezentrum gekommen ist. Der 34-jährige Fachlagerist hatte im vergangenen Jahr seinen Bundesfreiwilligendienst absolviert und beim Umbau des „Källers“ mitgeholfen. Er konnte dabei seine handwerklichen Kenntnisse ausbauen, erzählt er. „Ich hoffe, dass es was bringt“, sagt Penzholz mit Blick in die Zukunft. „Ich habe jetzt viele Bewerbungen abgeschickt.“

Dem 67-jährigen Christoph Löhnert sitzt der Druck der Jobsuche nicht mehr im Nacken. Er ist wegen der Sache Bufdi geworden: „Ich brauche eine Beschäftigung und mache es für die Gemeinde.“ Geduldig erklärt Löhnert den Flüchtlingen auf Deutsch, was gerade zu bauen oder zu reparieren ist. Etwa dem 19-jährigen Mouhamad Solyman, der unschlüssig mit ein paar Fliesen hantiert, die auf den frischen Estrich drauf sollen. Mouhamad Solyman stammt aus dem syrischen Aleppo. Seit drei Monaten wohnt er im Parkhotel in Niedergurig, davor war er in Schneeberg und in Weiden. Der junge Mann möchte gern in Deutschland Fuß fassen und hier sein Zahnarztstudium beenden.

„Aktuell leisten im Landkreis  Bautzen 309 Personen einen Bundesfreiwilligendienst. Der überwiegende Anteil – nämlich 237 Personen – ist über 27 Jahre alt“, berichtet Antje Mäder vom Bundesfamilienministerium. Der Ausländeranteil unter den Bufdis ist klein. Sachsenweit machen 64 Asylberechtigte bzw. Asylbewerber mit guter Bleibeperspektive einen Bundesfreiwilligendienst, so Mäder.