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Flaggschiffe und Nischenprodukte

Der Chef der Wittichenauer Stadtbrauerei spricht über Pils, Kupfer, Craft-Biere und ein Storchennest

Stefan Glaab, Geschäftsführer der Stadtbrauerei Wittichenau, mit einem 5-Liter-Fässchen an einem Gärkessel im Sudhaus: das derzeit einzige Fassbier, das Wittichenau abfüllt – alles andere geht nur per Flasche.
Stefan Glaab, Geschäftsführer der Stadtbrauerei Wittichenau, mit einem 5-Liter-Fässchen an einem Gärkessel im Sudhaus: das derzeit einzige Fassbier, das Wittichenau abfüllt – alles andere geht nur per Flasche. © Foto: Uwe Jordan

Wittichenau. Gestern, also am 23. April, war der Tag des Deutschen Bieres und Tag des Buches. Wir sprachen mit Stefan Glaab, Geschäftsführer der Stadtbrauerei Wittichenau.

Herr Glaab, was ist das Geheimnis eines guten Bieres?

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Gute Rohstoffe, überlieferte Rezepte, das Geschick des Braumeisters und Fingerspitzengefühl beim Entwickeln von Neuem. Da wird in kleiner Runde getestet und nachgebessert, bis es perfekt ist.

Welche Rohstoffe verwenden Sie?

Regionale! Malz aus Sachsen und Thüringen und Aromahopfen aus dem Saale-Elbe-Gebiet. Nur der Bitterhopfen kommt aus dem fränkischen Spalt – der gedeiht hier in der Nähe nicht. Mit unserem Lausitzer Wasser haben wir zudem Glück; das ist bestens geeignet zum Brauen.

Wie lange muss ein Bier reifen?

Wir geben unserem Bier 40 Tage Zeit. Das ist um einiges mehr als das, was die „Industriebiere“ gegönnt bekommen. Stärkere Biere dürfen noch länger im Keller bleiben.

Wird die Wittichenauer Stadtbrauerei das Doppeljubiläum feiern?  Also den Tag des Deutschen Bieres am 23. April – und „Zehn Jahre Kupfer“, denn am 22. April 2010 haben Sie ja Ihr „Rotblondes“ vorgestellt?

Groß feiern ist in der Corona-Zeit nicht möglich – vielleicht gönnt sich aber mancher gerade jetzt ein Wittichenauer, ein „Kupfer“. Das sollte ja damals eine Art „Grundnahrungsmittel“ für die erwarteten Bergleute werden, die bei Spremberg Kupferschiefer abbauen sollten. Nun, es ist anders gekommen, aber unser Kupfer ist eine Erfolgsgeschichte geworden und geblieben. Gefeiert wird, hoffentlich, wieder im Herbst bei unserem Brauereifest.

Apropos „Neues“: Was gibt es da jetzt?

Wir haben in diesem Jahr das Wittichenauer „Alkoholfrei“ auf den Markt gebracht – für die Fastenzeit und alle, die Bier mögen, aber auf Alkohol verzichten wollen. Ja, Alkohol ist, wie auch das Fett bei Speisen, Geschmacksträger, aber unser „Alkoholfrei“ ist dennoch ein echtes Bier. Wir setzen Spezialhefe ein, die so gut wie keinen Alkohol erzeugt – und das Bier wird im Keller kalt gehopft. Ich denke, wir haben das Aroma gut hinbekommen.

Wie nehmen die Kunden das Wittichenauer an – und was sind die Renner?

Ganz klar: Der Fassbier-Absatz ist durch die Gaststätten-Zwangsschließungen vollkommen eingebrochen. Beim Flaschenbier haben wir zwar keine großen Sprünge nach oben zu verzeichnen, wie das bundesweit der Fall sein soll; bei „stärkeren“ Alkoholika ja sogar noch mehr – aber wir sind stabil. Dass es keine enormen Mehrkäufe gibt, kann daran liegen, dass unsere Kunden wissen: Wittichenau liefert stetig; Engpässe wird es nicht geben. Außerdem pasteurisieren wir unsere Biere nicht, sondern liefern sie des besseren Geschmacks halber naturbelassen aus. Das erlaubt zwar kein jahrelanges Lagern; das wissen unsere Kunden; aber sie wissen auch, dass Bier frisch eben am besten ist. Zudem ist es uns lieber, wenn Kästen und damit Leergut nicht ewig im Kundenkeller lagern, sondern im Umlauf bleiben. Pils und Kupfer sind unsere „Flaggschiffe“ – und die drei „Brauwerk“-Biere etwas Besonderes: „Oster“ ist ausverkauft, „Hellen Bock“ wird es bis Mai geben und dann wieder im September, „Keller“ ist das ganze Jahr im Angebot.

Ist der Brauerei-Getränkeshop offen?

Ja! Wir sind sehr froh, dass wir mit dem Getränkeabholmarkt Am Stadtgraben eine unabhängige Vertriebsmöglichkeit haben. Er arbeitet zu den Standardzeiten: Montag bis Freitag 8.30 bis 12 und 14.30 bis 18 Uhr; Sonnabend 8 bis 12 Uhr. Es ist empfehlenswert, nicht vorrangig nur den Freitagnachmittag zu nutzen. Auch in unserem Shop gilt die „Mund-Nasenbedeckungs-Pflicht“.

Herr Glaab – Ihre Bier-Lieblingsmarke?

Wittichenauer Pils! Süffig, spritzig, frisch.

Trinken Sie auch fremdes Bier ?

Wir registrieren und testen, was andere brauen; auch ausländische Biere – aber generell gilt: Bier ist ein Stück Heimat!

Was halten Sie von „Craft“-Bieren einerseits und andererseits, sagen wir mal, entfernt bier-ähnlichen Experimenten mit Geschmacks-Beimischungen?

Genau genommen, ist Wittichenauer „Craft“-Bier, denn handwerklich (das heißt „Craft“ ja) brauen wir generell. Unsere drei „Brauwerk“-Biere sind Craft-Biere im zeitgenössischen Sinn. Craft-Biere sind oft interessant, werden aber aufgrund der Ausstoßmenge immer Nischenprodukte bleiben. Bier-ähnliche Getränke haben wohl ihre Berechtigung, aber Bier ist nur Bier, wenn es nach dem Deutschen Reinheitsgebot von 1516 gebraut wird.

Was sollte man beim Biertrinken beachten – und was absolut vermeiden?

Wichtig ist das Lagern: kühl und dunkel. Bier sommers im Auto stundenlang durch die Gegend zu kutschieren, also hell und heiß – nein! Und trinken sollte man es aus dem passenden Glas; Helles aus der klassischen Tulpe; Dunkles aus dem Pokal.

Heute ist auch Tag des Buches. Welche Lektüre empfehlen Sie zu einem Bier?

Ein Bier-Buch! Zu Biersorten oder Brauereigeschichte – oder einen Bier-Krimi.

Ist der Brauereistorch schon da?

Auf den ist seit 25 Jahren Verlass! Im Nest sind aktuell drei Eier. Auf unserer Website www.wittichenauer.de kann man per Storchenkamera das Nest beobachten.

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