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Flaschengeister von Mönch und Magd

Ab heute hat der Historische Weihnachtsmarkt in Bautzen Premiere. Heike und Norbert Kunz sind dabei.

© Uwe Soeder

Von Miriam Schönbach

Eiskristalle stechen in die Haut. Kälte beißt in die Hände. Bruder Norbert und seine Magd Heike werfen einen besorgten Blick in den Himmel. „Xaver soll ja ordentlichen Wind mitbringen. Wir lassen gerade noch eine Hütte bauen“, sagt der Mann in der braunen Mönchskutte. In seinen Händen halten er und seine Begleiterin Selbstgebranntes, Flaschen mit Apfel-Quitte- und Vogelbeeren-Brand sowie Sauerkraut-Geist. Diese hochprozentigen Leckereien bringen sie zum historischen Weihnachtsmarkt in Bautzen mit. Die dreitägige Veranstaltung organisiert erstmals das Historische Stadtvolk Bautzens vor der Mönchskirchruine.

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Doch jetzt geht es schnell wieder ins Bierbrauhaus in Kleindöbschütz. Flink schlüpfen Norbert und Heike Kunz aus ihren Kostümen. Der 45-Jährige heizt den Ofen an. Die Wärme verbreitet sich im Gastraum. Auf der Theke stehen noch mehr selbst gebrannte Schätze. „In diesem Haus befand sich bis in die 1920er-Jahre eine Obstbrennerei. Da liegt es nahe, das Brennen selbst auszuprobieren“, sagt der Maschinenbauingenieur – zumindest für ihn und seine Frau.

Denn das Ehepaar steht auf Selbstgemachtes. Schmunzelnd setzt sich Norbert Kunz zu seiner Frau an den Tisch und erzählt: „Angefangen hat alles vor 20 Jahren im Studentenwohnheim in Chemnitz. Beim Bier haben wir uns überlegt, dass wir selbst Bier brauen könnten.“ Die Idee wird fix in die Tat umgesetzt. In der Braustolz-Brauerei holen sich die experimentierfreudigen Studenten Hopfen und Malz. Danach setzen sie im Kochtopf ihren Sud an. In einem Weinballon und leer getrunkenen Bierflaschen mit Schnappverschluss lassen sie das Gebräu gären. Nach drei Wochen verkosten sie ihr Bier. Es schmeckt. Die Kunde dringt bis nach Berlin. Dort studiert Heike Kunz Rehabilitationspädagogik.

Die beiden Oberlausitzer kehren nach ihrer Ausbildung zurück in die Heimat. Norbert Kunz macht sich 1997 mit einem Unternehmen für Form-, Werkzeug- und Gießereimodellbau in Bautzen selbstständig. Ein Jahr später steigt seine Frau in die Firma ein. Die Kunz-Engineering GmbH beschäftigt bald 30 Mitarbeiter. Die ersten Jahre lassen kaum Raum für Freizeit, doch 2003 denkt Norbert Kunz wieder an sein erstes selbst gebrautes Bier. Er geht in den Keller seines Hauses in Mönchswalde, setzt auf einem Elektroherd wieder einen Sud an. Der Duft lockt die Nachbarn. Im selben Jahr noch melden die Hobbybrauer ihr Bier offiziell an und gründen einen Verein. Er schreibt sich neben dem Brauen die Erforschung der Klosterbrauerei Mönchswalde auf die Fahnen. Bereits 1676 erlaubte Kurfürst Johann Georg II. dem Domstift im Vorwerk eine Brauerei zu errichten. Diese Tradition stirbt Anfang der 1940er-Jahre.

Außerdem ruft der Verein die Bierbrau-Mönche ins Leben. „Nun suchen wir dringend Nachwuchs. Wer sich also für das Brauhandwerk interessiert, kann sich gern bei uns melden“, sagt Heike Kunz und steigt gemeinsam mit ihrem Mann die schmale Treppe in den Keller hinab. Während sich nämlich die Brauanlage im Erdgeschoss befindet, steht die vom Zoll verplombte Brennerei eine Etage tiefer.

20 Sorten brennt die Familie Kunz. Die Früchte, wie Apfel, Birne oder Pflaume, sammeln sie selbst, bei den Vogelbeeren versuchen sie schneller als die gefiederten Gourmets zu sein. Das Sauerkraut für den Geist stampfen sie selbstverständlich auch eigenhändig. Gekostet werden darf ab heute. Und vielleicht hat auch Tief „Xaver“ ein Einsehen. „Ansonsten haben ganz viel Wärmendes dabei. Neben dem Selbstgebrannten bekommt man bei uns Heißes Gewürzbier, Quarkkrapfen und Rauchwurst“, stimmen Bruder Norbert und Magd Heike nochmals ihr Repertoire ab. Und eine Frage erübrigt sich zum Schluss: Natürlich ist alles selbst gemacht.