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Flexible Wand soll vor Flut schützen

Entlang der Mulde ist an drei Stellen der Bau eines mobilen Hochwasserschutzes geplant. Er hält Wasser und Treibgut ab.

Von Cathrin Reichelt

Allein am Eigentum der Stadt Roßwein hat das Hochwasser im Juni vergangenen Jahres Schäden in einer Höhe von rund 10,5 Millionen Euro verursacht. Genau 20  Brücken stehen auf der Liste. Dazu kommen Spielplätze, eine Sporthalle, Straßen, Wege und Stützmauern. An insgesamt 51  Objekten sind umfangreiche Reparaturen notwendig.

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Ein weiteres Hochwasser kann niemand ausschließen. Um in Zukunft die Schäden in Grenzen zu halten, will die Stadt Roßwein jetzt vorbeugen. Die Abgeordneten haben in ihrer letzten Sitzung einstimmig die Anschaffung eines mobilen Hochwasserschutzes beschlossen.

Die Wände sollen Auf dem Werder zwischen den Häusern Nummer 34 A und 38 sowie dem Haus Nummer 2 und dem Trafohaus der Envia und auf der Muldenstraße zwischen den Grundstücken 11 und 26 errichtet werden. In der Vergangenheit prallte das Hochwasser dort gegen Sandsackbarrieren. Der neue Flutschutz erspart das aufwendige Befüllen und Stapeln der Sandsäcke.

In Minutenschnelle aufgebaut

Zwei Angebote lagen den Stadträten für den mobilen Hochwasserschutz vor. Sie entschieden sich für das Produkt der Firma Aquaburg aus Münster. Das hatte auch die Bürgerinitiative Hochwasserschutz Roßwein bevorzugt, die in die Planungen einbezogen wurde. Bei dem Schutzsystem wird eine Betonwanne in den Boden eingelassen, in der die Schutzwand lagert. Sie besteht aus Aluminiumpfosten, an denen ein Edelstahlnetz mit einer Aquafolie befestigt ist. Alles zusammen findet in der Bodenwanne Platz und wird mit einem Riffelblech abgedeckt. „Das System kann mit einem Gewicht bis zu 40 Tonnen überfahren werden“, erklärt Bürgermeister Veit Lindner (parteilos). Im Ernstfall befindet sich die Schutzwand also bereits vor Ort und kann in wenigen Minuten mit einfachen Werkzeugen aufgebaut werden. Zwei Personen können innerhalb von zwei Stunden bis zu 200 Meter solcher Wände hochziehen, ohne dafür einen Laster, Gabelstapler oder andere größere Hilfsmittel verwenden zu müssen. Das Riffelblech dient dabei zur Stabilisierung der mobilen Wand. Sie ist in einer Höhe zwischen 80 Zentimetern und zwei Metern verfügbar. In Roßwein wird im Durchschnitt eine Höhe von 1,60 Metern benötigt. „Bei einer Flut wie 2013 reicht das aus“, meint Lindner. Allein für den Abschnitt zwischen dem Ärztehaus und dem roten Haus sind für eine Länge von zwölf Metern zehn Elemente der Schutzwand nötig.

Alle Tests bestanden

Das System ist am Zentrum für Klimafolgenforschung in Niedersachsen geprüft und getestet worden. Dabei wurde nicht nur die starke Strömung des Wassers simuliert, sondern auch schweres Treibgut eingesetzt, das gegen die Schutzwand schlägt. Die hielt allen Tests stand. Auch nach hundertmaligem Aufbau seien alle Materialien intakt gewesen.

Insgesamt will die Stadt für den mobilen Flutschutz rund 50 000 Euro ausgeben. Wartungskosten fallen für das System in den kommenden Jahren nicht an. „Aber es sollte einmal pro Jahr zur Probe aufgebaut werden, um zu sehen, ob alle Teile funktionieren“, erklärt der Bürgermeister.

Bis spätestens November will die Stadtverwaltung den Abgeordneten vorschlagen, wie und in welchem Zeitraum der mobile Hochwasserschutz in Roßwein aufgebaut werden soll. In die Überlegungen werde auch einbezogen, wie eine Überflutung der Stadtbadstraße ab dem Stadtbad in Richtung des Festplatzes vermieden werden kann. „Eile ist geboten. Das Hochwasser im Juni 2013 und der starke Regen im vergangenen Monat haben uns gezeigt, wie schnell die Mulde wieder ansteigen kann“, meint Veit Lindner.