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Flotter Dreier im Standesamt

Die Minimalvariante der Hochzeit ist im Kommen. Die Masse legt aber Wert auf Feierlichkeit. Aber Vorsicht!

Von Jens Hoyer
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Mandy Neumüller (l.) und Irina Schädlich sind die Standesbeamtinnen der Stadt Döbeln. Sie trauen mehr als 100 Paare im Jahr. Auf Wunsch gibt es für jedes Paar die ganz individuelle Hochzeitsrede.
Mandy Neumüller (l.) und Irina Schädlich sind die Standesbeamtinnen der Stadt Döbeln. Sie trauen mehr als 100 Paare im Jahr. Auf Wunsch gibt es für jedes Paar die ganz individuelle Hochzeitsrede. © Jens Hoyer

Döbeln. Die Minimalvariante einer Hochzeit sieht so aus: Braut, Bräutigam und die Standesbeamtin. Trauzeugen sind nicht mehr vorgeschrieben. Gäste sind nicht geladen. Alles ist auf das Notwendige beschränkt. Eine Rede muss nicht sein oder sie wird ganz kurz gefasst. 

Immer öfter wählen Paare diese puristische Version, sich „Ja“ zu sagen, erzählt Irina Schädlich, Döbelner Standesbeamtin. „Das liegt auch daran, dass Menschen heute mehrfach heiraten. Oder es sind schon ältere Leute, die schon viele Jahre zusammenleben und im Kleinen die Ehe schließen.“ Statt 30 Minuten ist die Trauung auf 15 Minuten reduziert. Mancher kommt auch ganz auf die Schnelle im T-Shirt und kurzen Hosen. Eine Eheschließung in Flipflops hat es auch schon gegeben.

Für die Mehrheit der Brautpaare bleibt die Hochzeit im Standesamt aber ein festlicher Akt, der ausgiebig mit Verwandten und Freunden zelebriert wird. „Wir haben schon den Eindruck, dass die Paare das ernst nehmen. Sie meisten sind dankbar, dass wir eine persönliche Rede halten. Bei uns gibt es keine Massenabfertigung. Wir führen mit dem Brautpaar vorher ein persönliches Gespräch“, sagte Irina Schädlich. 

Individuell ist selbst das Stammbuch. Zum zweiten Mal hat das Standesamt ein eigenes Stammbuch kreiert. „Das vorige hatten wir vor drei Jahren. Das war schnell ausverkauft“, sagte Irina Schädlich. Die neue Auflage zeigt die Pferdebahn vor dem Rathaus. Und sie ist damit auch ein Tipp für die individuelle Hochzeitsgestaltung: Manche Paare buchen die Bahn nämlich als originelle Hochzeitskutsche.

Im vergangenen Jahr haben sich im Döbelner Standesamt 125 Paare das Jawort gegeben – ein Rekord. „Das war unser bisher erfolgreichstes Jahr“, sagte Irina Schädlich, die mit ihrer Kollegin Mandy Neumüller die Trauungen vornimmt. In diesem Jahr seien es über 100. „105 werden es bis zum Jahresende wohl werden. Es gibt immer noch zwei oder drei Paare, die im Dezember kurzentschlossen heiraten.“

Für 2020 gibt es schon 50 Anmeldungen. Zum Jahresbeginn werden es erfahrungsgemäß noch einmal deutlich mehr. „Zu Weihnachten werden viele Heiratsanträge gemacht. Die Paare kommen dann im Januar wegen eines Termins“, sagte Irina Schädlich. Auch wichtig: der originelle Hochzeitstermin. Wer am 10.10.2020 heiraten will, hat in Döbeln schlechte Karten. Der Tag ist mit drei Trauungen voll ausgebucht. Eine kleine Chance gibt es noch am 20.2.2020. „Da haben wir bisher zwei Reservierungen. Das ist ungewöhnlich für einen Februar“, sagte Irina Schädlich.

Einen Eheschließungsrekord hatten die beiden Standesbeamtinnen am 18.8.2018 aufgestellt. Da gab es fünf Trauungen in Döbeln. „Da haben wir uns reingeteilt. Das schafft man nicht alleine“, sagte Irina Schädlich. Am 9.9.2019 gab es in Döbeln vier Eheschließungen. „Für einen Montag war das sehr ungewöhnlich.“ Nicht sehr beliebt bei Hochzeitspaaren ist der Ostersamstag. Dafür ist Pfingsten meist ausgebucht.

Wem das Trauzimmer mit 30 Stühlen nicht reicht, der kann auch die Maximalversion wählen: In den großen Saal des Rathauses passen 75 Leute. Dort hatte Irina Schädlich im August ihren Chef, den Döbelner Oberbürgermeister Sven Liebhauser, in den Ehehafen gelotst. „Wer das vorhat, sollte aber rechtzeitig klären, ob der Saal frei ist“, sagte Irina Schädlich. Alternativ gibt es seit April auch ein Trauzimmer im Wilden Mann in Ostrau. Dort wurden schon fünf Ehen geschlossen, für kommendes Jahr gibt es drei Reservierungen. „Wir halten in den Sommermonaten einen Sonnabend im Monat für Ostrau frei. An diesem Tag gibt es in Döbeln keine Trauungen“, sagte Irina Schädlich.

Viele Brautpaare beginnen sehr zeitig mit der Planung ihrer Hochzeit. Bis zu eineinhalb Jahre vorher. Da sollte die Standesbeamtin am Tag der Hochzeit nicht ausfallen. „Wir sind manchmal schon auf dem Zahnfleisch gelaufen, aber wir haben das immer hinbekommen“, sagte Irina Schädlich.

Originelle Hochzeiten sind gut und schön. Die Standesbeamtin gibt den Paaren aber den Tipp, es damit auch nicht zu übertreiben. Einer der Trends sei, die Gäste mit der Hochzeit zu überraschen. „Das wird dann mit einer Wanderung oder Familienfeier verbunden. Die Leute kommen am Rathaus vorbei und sagen: Komm, wir gehen mal schnell heiraten“, erzählte sie. Das kann auch ins Auge gehen. In einem Falle sei die Mutter des Bräutigams schwer verärgert gewesen, weil sie weder passend angezogen war, noch die Haare hergerichtet hatte. Andere Gäste hätten sie überreden müssen, nicht abzufahren.