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Flugzeuge sollen bleiben

Die Bürgerinitiative hält eine Doppelnutzung des Großenhainer Flugplatzes für möglich.

© a.hübschmann

Von Birgit Ulbricht

Die ersten 500 Unterschriften sind zusammen. So schätzt Armin Benicke vom Fliegerverein den Stand bei der Unterschriftensammlung zum Erhalt der Fliegerei in Großenhain ein. Gestern war dazu ein erster Termin im Fliegertreff, dem „Richthofens“. Unmittelbar nach dem Stadtratsbeschluss am 14. Oktober für einen Industriepark hatte sich eine Bürgerinitiative gegründet, die das Aus für die allgemeine Luftfahrt im Sinne einer internationalen Industrieansiedlung verhindern will. Denn darauf läuft der städtebauliche Vertrag hinaus, den das Rathaus mit dem Freistaat Sachsen geschlossen hat.

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Ein Gutachten, das es dazu geben soll, dass sich Fliegerei und Gewerbeansiedlung grundsätzlich ausschließen, wird weiterhin vom Staatlichen Immobilien- und Baumanagement (SIB) unter Verschluss gehalten. Anderenorts gibt es diese Doppelnutzung durchaus, ja sogar bewusst, um schnelle Verbindungen für die Firmenchefs vorzuhalten. Gerade deshalb wollen sich die Flieger nicht in die Ecke stellen lassen, sie hätten etwas gegen Arbeitsplätze. Nur zehn Prozent der Flugbetriebsfläche sei zum Erhalt eines Landeplatzes vonnöten, so Holger Faulhaber, der 2012 als Geschäftsführer der Flugplatz-Betreibergesellschaft entlassen wurde, weil er eine Petition beim Landtag zum Erhalt des Flugplatzes initiiert hatte. Schon das war aus seiner heutigen Rückschau ein klarer Verstoß gegen geltendes Arbeitsrecht.

Die Bürgerinitiative traut „dem Abnicken einsamer Entscheidungen in der Stadt nicht mehr“, so Armin Benicke. Offenbar sehen es auch viele Großenhainer so. Letzten Samstag haben vorm Einkaufsmarkt Netto in drei Stunden 130 Personen unterschrieben. Das Selectorz hat spontan angeboten, ebenfalls die Unterschriftenlisten im Geschäft am Frauenmarkt auszulegen. Auch das Sportgeschäft Henner Ruscher, der Presseshop Riedel, Jörg Naumann vom Kfz-Zulassungsdienst und der Geschenkeladen an der Dresdner Straße machen mit. Etwa 2500 Unterschriften braucht die Initiative bis zum 14. Dezember. Das ist der Stichtag, zwei Monate nach dem Stadtratsbeschluss. „Wir wollen mehr als eine Bevorratungsfläche, wie es so schön amtsdeutsch heißt, die am Ende vielleicht nur eine beleuchtete grüne Wiese ist“, so Benicke. Die Fliegerei einzubüßen, das „Fliegende Museum“ zu verlieren, alle Großveranstaltungen wie VW-Alarm oder Supermoto zu vertreiben und dann keinen Großinvestor an der Hand zu haben, das wäre für Benicke der schlimmste Fall. Denn das die Verkehrsanbindung von Großenhain so toll ist, dass die Investoren Schlange stehen, glaubt er nicht. „Warum geht denn dann Lidl aus Lampertswalde mit der Begründung weg, die Anbindung sei zu schlecht?“, fragt Benicke.

Die Wirtschaftsförderung Sachsen sieht die Chancen für Großenhain weit optimistischer. Der Flugplatz gehöre zu den Top-15-Standorten in Sachsen. Im Landkreis wäre der Industriepark Großenhain mit seinen 230 Hektar der größte zusammenhängende Standort. Solche großen Flächen werden nur noch im Leipziger Land vorgehalten, so Abteilungsleiterin Heike Hempel. Sie verweist auf Ansiedlungserfolge wie die Autowerke von Porsche und BMW sowie das Europa-Hub von DHL in Leipzig. Weitere Ansiedlungen sind TAKATA Sachsen, die zur italienischen Magnetto-Group gehörende MA Automotive Deutschland GmbH in Treuen oder der Automobilzulieferer Eberspächer in Wilsdruff. Ob da die Fliegerei wirklich keinen Platz mehr hat, das weiß allerdings auch sie nicht.