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Fotos aus Nazi-Lager aufgetaucht

Die sensationellen Bilder eines Zittauersbeschäftigen derzeit eine Forschungsgruppe umdie Anlage „Seiferts Höhe“.

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Von Annett Weckebrod

Erstmals können die Schüler des Projekts um das Nazi-Zwangsarbeiterlager „Seiferts Höhe“ in Hirschfelde in das Innere des Schreckens schauen – genauso, wie es zu Kriegszeiten ausgesehen hat. Möglich machen das historische Fotos, die ein Zittauer jahrelang bei sich zu Hause aufbewahrte. Darauf zu sehen sind karge Doppelstockbetten in ebenso kargen Baracken, die Krankenstube, die Küche, die Waschbaracke, verschiedene Werkstätten.

„Durch diese Aufnahmen werden die Geschehnisse nicht nur für die forschenden Schüler, sondern auch für Besucher der Ausstellung sehr viel lebendiger“, sagt Projektkoordinator Torsten Töpler. Sie lassen Rückschlüsse auf die Lebensbedingungen sowohl der im Lager untergebrachten Fremd- und Zwangsarbeiter, als auch der nach dem Krieg dort untergebrachten Vertriebenen zu. So sind zum Beispiel die sehr dürftigen Heizmöglichkeiten, die den Bewohnern zur Verfügung standen, zu sehen.

Bisher hatte es lediglich Luft- und Außenaufnahmen von den Baracken gegeben. Erhard Senftleben aus Zittau, der die Fotos zum Tag des offenen Denkmals mitbrachte, war sich nie endgültig sicher, ob es sich tatsächlich um „Seiferts Höhe“ handelt.

Beim Besuch der Ausstellung fielen bei ihm dann aber die letzten Zweifel. „Die Aufnahmen, die er besitzt, stammen aus den Wochen und Monaten nach Kriegsende“, berichtet Töpler. Da wurde das Lager als Entnazifizierungs- oder, wie man damals sagte, „Arbeitslager“ weitergenutzt. Erhard Senftleben weiß selbst nicht mehr so genau, woher er die Aufnahmen hat. „Er sagte, ein Hirschfelder hätte sie ihm vor 50 Jahren gegeben“, berichtet Torsten Töpler. Zurzeit werden die historischen Fotos von den Projektgruppen für die Ausstellung aufbereitet. Rund um den Übersichtsplan des Lagers werden sie so gruppiert, dass die Innenaufnahmen der jeweiligen Baracke auf der Draufsicht zugeordnet werden können. Darüber hinaus kann jetzt die durch einen Schüler erarbeitete dreidimensionale Darstellung mit den Innenansichten ergänzt werden. Der virtuelle Lagerrundgang wird so um vieles lebendiger.

„Die tiefere Auseinandersetzung mit den gezeigten historischen Fotos wird noch einige Zeit dauern“, sagt Torsten Töpler. Beispielsweise müssen die Standorte der auf den Aufnahmen abgebildeten Werkstätten, wie Elektrowerkstatt, Schumacherei, Tischlerei und Schlosserei, noch geklärt werden.

„Das vergessene Lager - Spurensuche im Gestern und Heute“ heißt das Schülergeschichtsprojekt, das seit 2. Dezember 2010 für zwei Jahre aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds und aus Mitteln des Landes Sachsen finanziert wird. Es ist bereits das zweite Projekt, das rund um das Hirschfelder Lager „Seiferts Höhe“ finanziert wird.

Beteiligt an dem Projekt sind Schüler aus verschiedenen Schulen im Landkreis, die in mehreren kleinen Gruppen die wechselvolle Geschichte des Lagers im Zusammenhang mit den Ereignissen während des Zweiten Weltkriegs und danach untersuchen. Sie kümmern sich um die Ausstellung, das Gelände, geben Führungen und arbeiten an der Homepage.

Dabei sind sie sowohl am Standort in Hirschfelde aktiv, sowie in den Räumen der Fortbildungsakademie für Wirtschaft in Zittau. Ein Einstieg in die Projektgruppen ist jederzeit möglich.

Kontakt: Torsten Töpler 03583 586974, [email protected]

www.dasvergessenelager.de