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Napoleons Folgen für die Oberlausitz

Zum Höhepunkt seiner Macht gehörte dem Franzosenkaisers fast ganz Europa. Das Jahr 1815 sollte ein entscheidendes für Sachsen werden.

Der französische Kaiser Napoleon I.
Der französische Kaiser Napoleon I. © dpa

Was hat der wohl berühmteste Korse Napoleone Buonaparte mit der Oberlausitz und dem Ende des Sechsstädtebundes zu tun? Dem Sohn einer verarmten Adelsfamilie, der während der Französischen Revolution aufgrund seiner überragenden taktischen Fähigkeiten sehr schnell zum General aufgestiegen war, wurde 1799 Militärdiktator Frankreichs und schließlich 1804 Kaiser aller Franzosen. Nachdem er 1806 den Rheinbund gegründet und Preußen geschlagen hatte, gehörte ihm auf dem Höhepunkt seiner Macht fast ganz Europa. Doch nach dem gescheiterten Angriff auf Russland 1812 wendete sich das Bild. Die Völker erhoben sich gegen die französische Unterdrückung, die Befreiungskriege begannen. Napoleon verlor 1814 und wurde nach Elba verbannt, kam aber für 100 Tage zurück und wurde endgültig im Jahr darauf bei Waterloo geschlagen.

Vom österreichischen Außenminister von Metternich wurden im September 1814 die Staatsoberhäupter der europäischen Staaten und Herrschaften nach Wien geladen. Der „Wiener Kongress“ begann. Ein dreiviertel Jahr lang wurde in zähen Verhandlungen die Neuordnung Europas festgeschrieben. Gewinnerstaaten wie Russland, Österreich und Preußen wussten um ihre führende Rolle und teilten die Sahnestückchen des Kontinents unter sich auf. Die Verlierer hatten das Nachsehen, so auch Sachsen, das als Teil des Rheinbundes an Napoleons Seite gekämpft hatte und nun drei Fünftel seines alten Staatsgebietes verlor.

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Teilung der Oberlausitz

Als Verliererstaat war Sachsen beim Kongress nicht vertreten, doch die Kunde über die beschlossenen Veränderungen verbreitete sich schnell. Dazu gehörte auch die Teilung der Oberlausitz. Der Norden mit Görlitz und fast der gesamte Osten beziehungsweise Nordosten mit Lauban fielen an Preußen. Der Süden und Westen der Oberlausitz blieben bei Sachsen. Mit der Teilung der Oberlausitz ging auch das Ausscheiden von Görlitz und Lauban aus dem Oberlausitzer Sechsstädtebund einher. Einer Legende zufolge soll man bereits beim letzten Sechsstädtetag vor der Landesteilung am 23. September 1814 einen Riss am Konvent-Pokal wahrgenommen haben, der die Wappen der zwei Städte Lauban und Görlitz von den übrigen vier trennte.

Diese vier südlicher gelegenen Städte des Bundes – Bautzen, Zittau, Löbau und Kamenz – agierten nun als Vierstädtebund weiter, bis er sich schließlich auflöste. Damit war nach fast 500 Jahren das Ende des am längsten bestehenden deutschen Städtebündnisses gekommen. Am 21. August 1346 war es gegründet worden, als sich Bautzen, Görlitz, Zittau, Löbau, Kamenz und Lauban mit Zustimmung Kaiser Karls IV. vereinigten, um sich und ihre Handelswege zu schützen vor Wegelagerei und Raubrittertum. Dieser Bund brachte den Städten Macht und Wohlstand und prägte so die Geschichte der Region auf Jahrhunderte. Für Zittau als südöstlichster Oberlausitzer Stadt hatte sein Ende schwere wirtschaftliche Auswirkungen. Gelegen in einem Talkessel war sie im Osten und Süden von Böhmen und im Norden von Preußen von Zollschranken umgeben. Handelsbeziehungen brachen zusammen, Kriegslasten drückten die Stadt, und eingeschleppte Seuchen waren nur schwer zu bekämpfen. Auch die Weber in den Dörfern verarmten, da sie kaum noch Arbeit hatten. In ihrer Not forderten sie die Abschaffung des Stuhlgeldes.

1991 wurde der Bund zum 770-jährigen Jubiläum der Stadt Löbau neu belebt. Seit 2014 wird an seinem Gründungstag der Tag der Oberlausitz begangen.

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