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Frau Holles Helfer

Die Kamenzer Bettfedernreinigung Kießlich betreibt das alte Gewerk mit Freude. Zurzeit mangelt‘s nicht an Arbeit.

Etwa 14 Tage nach dem Forstfest geht es meistens los. Da kommen die ersten Kunden mit ihren Federbetten zu Kießlichs an die Wallstraße und wollen ihre Daunen für den Winter schick gemacht haben. Oft ist die kalte Jahreszeit da noch weit weg, aber der kluge Mann baut bekanntlich vor. Und wie lautet das schöne Kamenz-Sprichwort? Nach dem Forstfest sowieso gleich Weihnachten ist. Petra und Jörg Kießlich freut das, denn so trudeln die Bestellungen später nicht alle auf einen Haufen ein. „Von September bis Dezember herrscht bei uns Hochkonjunktur“, sagt der Chef. „Da können wir kaum aufblicken.“ Viele holen spätestens jetzt ihre warmen Betten vom Boden herunter und tauschen sie gegen die Sommerdecken aus. „Ist die Kälte dann erst einmal da, gibt keiner mehr freiwillig seine Zudecke her“, weiß Kießlich.

Doch ist es heutzutage überhaupt noch modern, Bettfedern reinigen zu lassen? „Ja, es hat wieder zugenommen. Nach der Wende haben sich alle Lama-Decken zugelegt. Da war plötzlich nichts Gutes mehr an der Feder“, bedauert Petra Kießlich. Ärgerlich war das und man musste eine ganz schöne Durststrecke überbrücken. Glücklicherweise sind die Kunden dahinter gekommen, dass Qualität eben doch überzeugt. Oft sind es zwar die älteren Leute, die die Betten herbringen, aber das macht nichts. „Sie erledigen diese Arbeiten ja auch für ihre Kinder und Enkel, die sich darüber freuen, selber aber vielleicht noch nicht allein gekommen wären. Einige wissen gar nicht, dass es unser Gewerbe überhaupt gibt“, “ sagt die 52-Jährige. Das Geschäft lebt sowieso von der Mundpropaganda. Wer zufrieden ist, sagt es halt weiter. Und das Konzept geht auf.

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Dabei ist die Kamenzer Bettfedernreinigung kein Novum. Schon Petra Kießlichs Eltern Siegfried und Ursula Schäfer schüttelten hier fleißig fremde Betten auf. „Mein Vater hat das Geschäft in den 70er Jahren gegründet. Er war eigentlich gelernter Schlosser, übernahm es von Susanne Thiemann. Deren Geschäft befand sich einst an der Hoyerswerdaer Straße. Sie selbst hatte keinen persönlichen Nachfolger, so kamen die Schäfers gerade recht. „Mein Vater fand das Gewerk, wo noch vieles Handarbeit ist, sehr interessant. Allein die Gewerbeanmeldung aber war eine schwierige Angelegenheit und dauerte länger, als der komplette Aufbau der neuen Firma inklusive Maschine“, sagt Petra Kießlich.

Das Haus an der Wallstraße wurde extra für den Betrieb erworben, man brauchte schließlich Platz. Für die Technik, einen Zuschneidetisch sowie einen Verkaufsraum. Beratung ist alles. Petra Kießlich wuchs somit im Elternhaus, das gleichzeitig Arbeitsstätte war, auf. „Es war schon irgendwie vorprogrammiert, dass ich den Betrieb später übernehme“, sagt die gelernte Bäckerin, die später noch zur Bürokauffrau umschulte. „Auch wenn ich das mittlere von drei Kindern war. Ich habe immer mit geholfen und bin den Eltern zur Hand gegangen“, erinnert sie sich. Seit 1996 führen die Kießlichs nun die Geschäfte. Die Reinigungsmaschine von „August Wallmeyer / Eisenach“ geht immer noch. Baujahr 1937! „Das Schätzchen läuft wie geschmiert“, lobt Jörg Kießlich, der selbst Elektriker ist und mal schnell nach dem Rechten sehen kann, wenn etwas muckert. Das passiert aber nicht oft. Kürzlich waren die Kießlichs auf einer Messe und haben sich moderne Reinigungsmaschinen angesehen. „Ehrlich gesagt gibt es aber überhaupt keinen Grund, sich zu verändern“, sagt der Geschäftsmann. Die „August Wallmeyer“ reinigt die Federn ausschließlich per Dampf. Dieser wird schön altmodisch mit einem kleinen Ofen und Holz erzeugt. Im Inneren befinden sich große Schlegel, die zwischen den Federn rotieren und sie richtig schön durchmengen. Je nach Verschmutzungsgrad braucht es ein oder zwei Durchgänge. Durch ein großes Absaugrohr gelangen die getrockneten Daunen dann in einen großen Sack, ehe sie per Hand in die Betten eingefüllt werden. Mal sind es klassische, mal Vier-Kammer-Stepp-Decken. „Bis zu zwei Stunden braucht es für ein Bett“, so Petra Kießlich. Aber die Arbeit macht Freude. So kurz vor Weihnachten flattern nun auch noch jede Menge Sonderwünsche ein: Einsteckkissen für den Kinderwagen, Puppenwagen- oder Kuschelkissen. Frau Holle hätte ihre Freude daran.