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Frau Merkel bäckt für Boxer

Etwa 40 Sportler stehen heute beim Nikolausboxen im Ring. Vorbereitet wird das Turnier von einer Menge fleißiger Helfer.

Von Heike Stumpf

Seit gestern Nachmittag schon geht es im Sporthaus an der Stadtbadstraße rund. Ab dem frühen Nachmittag haben mehr als ein Dutzend Helfer die Arena hergerichtet. Das Parkett bekommt einen schonenden Belag. Dann müssen der Boxring aufgestellt, Stühle und Tische für die Punktrichter und Gäste bereitgestellt werden. Viele dieser Handgriffe überlässt Abteilungschef Horst Merkel den Jüngeren. „Mit 81 Jahren geht nicht mehr alles“, gesteht der Senior. Er steht seit 1976 an der Spitze der Sportler und war am 1. Mai 1949 einer der Männer, die den Boxverein gegründet haben.

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„Ohne die Jüngeren liefe vieles nicht oder weniger gut“, gibt Merkel zu. Er ist froh, dass er sich zum Beispiel auf die Trainer Steve Hengst und Tobias Hinke verlassen kann, die viel organisieren, eine Menge Freizeit für den Verein opfern. „Sie stehen heute pünktlich um Zwei auf der Matte zum Ringaufbau“, sagt der Abteilungsleiter drei Stunden vorher überzeugt.

Ein verlässlicher Partner auch in Sachen Box- und Vereinssport ist dem 81-Jährigen seine Frau Edith geworden. „Erst nachdem ich ihn kennenlernte, interessiere ich mich für diesen Sport. Vorher hatte ich mit Boxen nichts am Hut“, sagt die 71-Jährige, die seit 1987 die Frau an Horst Merkels Seite ist. Ganz selbstverständlich stand Edith Merkel gestern in der Küche und schob nach einem Zupfkuchen noch eine Eierschecke in den Ofen. Zwischendurch ging es zum Einkaufen, die Bestellung war längst aufgegeben. Einen Teil hatten die Merkels auch schon besorgt. Immerhin füllten die beiden gestern noch 40 Nikolaustütchen mit Nüssen, Apfel, Mandarine, Süßkram, einem Schlüsselband und einem Sehtest-Gutschein. Schließlich sollten die Boxer den Gegner gut ausmachen können, ehe sie die Fäuste fliegen lassen.

Die Präsente werden heute vor Boxbeginn von zwei Weihnachtsmännern überreicht. Weil die Beutel gefüllt sind, wird es in der Stube der Merkels wieder etwas übersichtlicher. „In der Woche vor dem Nikolausboxen ist es bei uns immer etwas hektisch“, erzählt Edith Merkel.

In den Tagen vor dem Turnier laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren. Dabei ist das gesamte Jahr über etwas zu tun. „Wir schreiben die Sponsoren an und bleiben am Ball“, schildert die 71-Jährige als Beispiel. Auch die Abrechnungen für die Veranstaltungen wollen erledigt sein. Horst Merkel kümmert sich noch um die Pokale, seine Frau besorgt Blumen für die Teilnehmer. Diese kommen aus Roßwein und Döbeln. Auch weitere Anfahrten nehmen die Sportler in Kauf, um in der Muldestadt im Boxring zu stehen. Boxer aus Gera, Schwerin, Bautzen, Sebnitz, Erfurt, Nordend/Offenbach, Coswig, Oelsnitz und Babelsberg wollen anreisen. Edith Merkel sorgt sich bereits, dass alle bei dem Wetter heil an- und wieder nach Hause kommen.

Die Frau des Chefs selbst wird während des Turniers in der Küche stehen und mit Katrin Herzer die wahrscheinlich neun Kuchen, belegte Brötchen und Getränke verkaufen. Auch Mütter von Sportlern backen für die Besucher, Väter und die Jugendlichen selbst packen häufig bei Auf- und Abbau mit an. Für einen netten Sportnachmittag im Advent sind also viele fleißige Helfer im Einsatz. Meist sind es solche wie die Merkels. „Eigentlich bin ich lieber im Hintergrund“, sagt Edith Merkel, während sie den Anweisungen des Fotografen folgt.

Ab nächster Woche wird es wieder etwas ruhiger bei den Merkels. Für Edith Merkel ist der Einsatz für den Verein dann abgeschlossen. Horst Merkel fährt noch zu Turnieren. Er selbst hat als 17-Jähriger zum Boxen gefunden – durch einen Aufruf auf einem Werbezettel. Ingesamt 126 Kämpfe hat er danach bestritten. Nach den meisten stieg er als Sieger aus dem Ring.

Veranstaltungstipp: Nikolausboxen, heute ab 14 Uhr, im Sporthaus an der Stadtbadstraße in Roßwein.