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AfD-Frau verflucht Merkels Geburt

Die Bundestagsabgeordnete Verena Hartmann aus Sachsen fällt mit einer Hassrede auf. Später rudert sie etwas zurück.

Verena Hartmann ist mit einem harschen Kommentar auf Twitter aufgefallen.
Verena Hartmann ist mit einem harschen Kommentar auf Twitter aufgefallen. © Archiv: Oberthür

Aus dem Nichts hat ein Mann einen achtjährigen Jungen und seine Mutter am Hauptbahnhof in Frankfurt am Main vor einen einfahrenden Zug gestoßen. 

Die Mutter konnte sich retten, der Sohn starb. Eine Tragödie, die bundesweit für Entsetzen und Trauer gesorgt hat. Auch weil der Täter ein Einwanderer aus Eritrea ist.

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AfD-Politiker gehörten zu jenen, für die der Fall samt Bewertung sofort klar war. Schuld an dem Tod des Kindes ist die verfehlte Asylpolitik der Merkel-Regierung. Dass der ehemalige Asylbewerber aus der Schweiz kam, spielte bei der Beurteilung keine Rolle. Die aus Königstein stammende AfD-Bundestagsabgeordnete Verena Hartmann packte das, was sie über den Fall zu sagen hatte, in wenige Worte und veröffentlichte diese auf Twitter: „Frau Merkel, was wollen Sie uns noch antun? Sie werden nie wissen, was es bedeutet, Mutter zu sein, weder für ein Kind noch für dieses Land. Aber ich verfluche den Tag Ihrer Geburt!“

Abgeordnete Hartmann, Tweet gegen Merkel. „Zugegeben, das ist zu theatralisch.“ 
Abgeordnete Hartmann, Tweet gegen Merkel. „Zugegeben, das ist zu theatralisch.“  © Repro: SZ

Was darauf folgte, war eine Welle der Entrüstung. Ein Kommentar auf Facebook lautete etwa: „Wer von Blauen Nationalsozialisten mehr außer Rhetorik des Hasses erwartet, sollte vielleicht mal umdenken. Ich habe ja schon viel gehört von der AfD, aber selten Vorschläge, irgendwas zu lösen.“ Der Königsteiner Sozialdemokrat Peter Goebel schrieb ebenfalls auf Facebook: „Wer Frau Merkel ihre Kinderlosigkeit im Zusammenhang mit dem Mord in Frankfurt vorwirft, hat moralische Grenzen überschritten.“ Von eigenen Anhängern gab es Rückendeckung für die 45-jährige ehemalige Polizistin. Die kam selbst aus der Parteiführung. Der AfD-Vorsitzende Jörg Meuthen sagte im ZDF-Sommerinterview, er habe „ein bisschen Verständnis“, dass Menschen „da hoch emotional reagieren“.

Nach kurzer Zeit war der Tweet aber verschwunden – nach eigenen Angaben von Hartmann selbst gelöscht. „Zugegeben, der letzte Satz ist zu theatralisch und gehört so nicht in die politische Debatte …“, schrieb sie in einer längeren Begründung, nicht aber ohne die Schuld noch bei anderen zu suchen. So hätten Medien in Bezug auf die Tat das Verb „schubsen“ benutzt – damit würden „die Tat bewusst abgeschwächt und die Opfer verhöhnt“.

Nicht mehr in Königstein

Wie mittlerweile bekannt wurde, lebt Verena Hartmann nicht mehr in Königstein, sondern in Berlin. So steht es zumindest in ihrem Wikipedia-Eintrag. Ein Wegzug aus dem Landkreis dürfte für sie logisch gewesen sein. In dem hiesigen AfD-Kreisverband hatte sie keine Zukunft mehr, zumal sie ihren Wahlsieg 2017 noch mit Frauke Petry gefeiert hatte. Und das, nachdem Petry bereits aus der Partei ausgetreten war. Gern hätte die SZ Verena Hartmann zu ihrem Tweet und zu ihrem Wegzug aus dem Landkreis befragt. Doch auf E-Mails und Nachrichten reagiert sie nicht. Ihr Facebook-Bot schrieb nur: „Vielen Dank für deine Nachricht. Wir versuchen so gut und so schnell wie möglich zu antworten.“

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