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Freie Fahrt war einmal

Stadt und Eigentümer in Paulsdorf haben sich geeinigt. Anwohner fühlen sich übergangen.

Von Regine Schlesinger

Die Anwohner des Neuen Weges in Paulsdorf können es kaum fassen. Den Teil des Neuen Weges, der von der Lämmergrundbrücke aus zu ihren Grundstücken führt, versperren seit Montag sowohl aus Richtung Talsperrenstraße als auch vom Unteren Lämmergrund aus rotweiße Verkehrszäune. Sie sind versehen mit einer Sperrscheibe und einem Schild, auf dem das Wort Privatweg zu lesen ist.

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Anwohner wie Werner Hauptvogel hatten bis zuletzt gehofft, dass genau das nicht passieren wird. Sie haben dagegen protestiert, haben über 80 Unterschriften gesammelt und immer wieder darauf aufmerksam gemacht, dass der schmale Neue Weg nur im Ringverkehr funktioniert, mit zwei Möglichkeiten für die Zu- und Abfahrt. Mit der Sperrung gibt es nur noch eine. Alle, die hinter zum Lämmergrund zu einem der Wochenendhäuser wollen, müssen wie auch die Anwohner selber jetzt diese eine Zu- und Abfahrt nehmen. Sie endet auf der Talsperrenstraße in einer Spitzkehre. Sie macht für alle, die nicht aus Richtung Dippoldiswalde kommen oder dorthin wollen, umständliche Wendemanöver erforderlich. Werner Hauptvogel kann sich nicht vorstellen, wie das künftig funktionieren soll, besonders im Winter, wenn Schneeberge die schmale Fahrbahn noch enger machen.

Muss es aber irgendwie, denn die Stadt hat den Rechtsstreit um den Neuen Weg verloren. Jahrzehntelang wurde der Weg öffentlich genutzt. 2009 bekam das Grundstück, über das er verläuft, neue Eigentümer, die sich ein Haus darauf bauten. Vom öffentlichen Weg haben sie nichts gewusst. Um nicht haftbar gemacht zu werden, wenn auf diesem Weg ein Unfall passiert, sperrten sie ihn ab, öffneten ihn aber nach Gesprächen mit der Stadt wenig später wieder für Fußgänger und Radfahrer. Zu einer gütlichen Einigung kam es nicht. Es folgte der Rechtsstreit, bei dem das Gericht entschied, der Weg übers private Grundstück ist kein öffentlicher, auch wenn er über viele Jahrzehnte hinweg so genutzt wurde. Es hätte dafür schon viel früher einer klaren Regelung bedurft. Bereits seit Ende des vergangenen Jahres hätten die Grundstückseigentümer daher den Weg absperren können, taten es aber nicht, weil die Stadt noch einmal mit ihnen verhandeln wollte.

Diese Verhandlungen haben inzwischen stattgefunden, wie Petra Kambach von der Bauverwaltung der Stadt informiert. Sie endeten damit, dass der Weg für jeglichen Verkehr, also auch für Fußgänger und Radfahrer gesperrt wird, was durch den Bauhof zu Wochenbeginn erfolgt ist. Die Grundstückseigentümer ihrerseits treten der Stadt kostenfrei ein kleines Stück ihrer Fläche ab, damit dort, wo der untere Lämmergrund eine Kurve beschreibt, ein Wendehammer gebaut werden kann. Anlieferer oder Entsorgungsfahrzeuge sollen hier wenden und wieder zurückfahren können.

Der Bau kommt aber frühestens 2015. Im Haushalt fürs laufende Jahr, der zurzeit noch gar nicht beschlossen ist, hat die Stadt dafür keine Mittel eingeplant. Einen Ausbau der schmalen Straße wird es nicht geben. Wie Petra Kambach dazu mitteilte, wurden die Eigentümer, deren Grundstücke an der Straße liegen, gefragt, ob sie bereit sind, Fläche für Ausweichstellen abzugeben. „Das wurde abgelehnt“, sagt Petra Kambach. Auch der Ausbau der Spitzkehre für eine bessere Zu- und Ausfahrt wird aus diesem Grund nicht kommen. Zudem wäre der Aufwand zu hoch.

Werner Hauptvogel und weitere Anwohner wollen aber nicht kampflos aufgeben. „Wir können diese Sperrung nicht akzeptieren“, sagt der Paulsdorfer.