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Freital

Stotterstart beim Feuerwache-Projekt

Freital will ein neues Depot bauen, doch schon beim Grundstückskauf gibt es Streit - aus mehreren Gründen. Dabei drängt die Zeit.

Die Stadträte Klaus Wolframm, Peter Weinholtz und Lothar Brandau vor der Wache in Döhlen, wo auch das neue Depot gebaut werden soll.
Die Stadträte Klaus Wolframm, Peter Weinholtz und Lothar Brandau vor der Wache in Döhlen, wo auch das neue Depot gebaut werden soll. © Karl-Ludwig Oberthür

Immer dann, wenn Freitals Kommunalpolitiker auf das Thema Feuerwehr zu sprechen kommen, geht es schnell nur noch um eines: die neue Feuerwache Döhlen. Seit Jahren wird darüber geredet, dass man mitten in der Stadt ein neues Depot brauche - größer, moderner, zweckmäßiger als die jetzige Zentrale. Nun sollte der Stadtrat dafür die ersten Beschlüsse fassen. Es ging um einen Grundstückskauf und die Ausschreibung eines Realisierungswettbewerbs. Doch dazu kam es nicht. Auf Antrag der Mitte-Links-Fraktion wurden beide Punkte von der Tagesordnung genommen. Denn auch andere, beispielsweise die Freien Wähler, hatten Bedenken.

Warum, dass wollen drei Lokalpolitiker gerne erklären. Klaus Wolframm (SPD), der Fraktionsvorsitzende von Mitte-Links sowie Lothar Brandau und Peter Weinholtz, beide FDP, und ebenfalls der Fraktion zugehörig. Sie stehen ein paar Tage nach der Stadtratssitzung in der Straße Am Glaswerk, wo die Döhlener Feuerwehr ihren Sitz hat. Die Wache ist sozusagen die Schaltzentrale der gesamten Freitaler Wehr. Und soll es bleiben. Das meinen auch Wolframm, Brandau und Weinholtz. 

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Allerdings fühlen sie sich im Unklaren gelassen, was genau die Stadt nun vorhat. "Wir wissen überhaupt nichts zu den Hintergründen und Plänen", kritisiert Klaus Wolframm. Es gebe kein Konzept, keinen Standortvergleich, keinen Kostenvergleich und für den vorgesehen Grundstückskauf noch nicht mal ein Verkehrswertgutachten. "Zumindest haben wir nichts Konkretes zu sehen bekommen", bestätigt Lothar Brandau.

Preisnachlass auf Verkaufsangebot

Die Verwaltung hatte den Stadträten in besagter Sitzung zwei Beschlüsse vorgelegt. Der erste bezog sich auf den zukünftigen Standort. Demnach soll die neue Wache an die Stelle des jetzigen Depots gebaut werden. Ein beigefügter Lageplan zeigt die Grenzen des Baubereiches. Er umfasst nicht nur die Fläche der bisherigen Wache, sondern auch zwei Wohnhäuser mit 15 Wohnungen, das Feuerwehrtechnische Zentrum des Landkreises, einen Parkplatz, Teile der Straße und ein Grundstück, auf dem ein Skoda-Autohaus mit Werkstatt steht. "Was plant die Stadt hier eigentlich? Was soll aus den Wohnhäusern und den Mietern werden, wofür braucht man das Land der Autowerkstatt?", fragt Peter Weinholtz.

Speziell das Autohaus-Grundstück wird teuer. Es ist in Privatbesitz, der Eigentümer will 500.000 Euro dafür haben. So steht es in der Beschlussvorlage. Oberbürgermeister Uwe Rumberg (CDU) erläuterte in der Sitzung, nach nochmaligen Gesprächen gebe es nun einen Preisnachlass, das Verkaufsangebot liege jetzt bei 470.000 Euro. Die Stadträte wollten die Angelegenheit trotzdem vertagen. Rumberg zeigte sich danach enttäuscht. "Das ist sehr bedauerlich, weil es jetzt sein kann, dass das Grundstücksangebot auf den freien Markt geht und dann eventuell schnell weg ist." Er wolle mit dem Eigentümer reden, ob dieser sich noch etwas gedulden könne.

Klaus Wolframm, Lothar Brandau und Peter Weinholtz wollen nicht als Verhinderer dastehen. "Als Stadtrat geht es mir um das Wohl der Stadt. Und wenn wir schon eine halbe Million Euro für ein Grundstück ausgeben, dann möchte ich auch genau wissen, wofür und warum", begründet der Fraktions-Chef.

Seitens der Stadtverwaltung gibt es dazu keine Antwort, die auf eine Idee hinter dem Grundstückskauf schließen lässt. Aus dem Rathaus heißt es nur, dass mit dem Autohaus-Gelände und dem Erwerb der beiden Wohngrundstücke und dem jetzigen Feuerwehrhaus ein Areal von rund 8.500 Quadratmeter zur Verfügung stehe. "Somit kann die Planung für ein - auf die Anforderungen der Feuerwehr angepasstes - Gesamtkonzept erarbeitet werden. Damit bleibt nicht nur das recht neue Feuerwehrtechnische Zentrum erhalten, sondern es kann auch auf den bewährten Standort in zentraler Lage zurückgegriffen werden", teilt Katrin Reis, Büroleiterin des Oberbürgermeisters, mit.

Wie man bei der Wohnungsgesellschaft Freital (WGF) darüber denkt, der die beiden Wohnhäuser gehören, möchte Geschäftsführer Henryk Eismann nicht kommentieren. Die Gesellschaft gehört der Stadt, auch Stadträte wachen über die Vorgänge bei der WGF. Insofern liegt es nicht an Geschäftsführer Eismann allein, was mit den beiden Wohnhäusern passiert. "Sollte der Stadtrat für diesen Standort votieren, wären natürlich Gespräche notwendig. Dabei werde ich mich persönlich für Lösungen im Interesse unserer Mieter einsetzen", sagt Eismann.

Nähe zum jetzigen Standort

Wolframm, Brandau und Weinholtz fragen sich, ob es soweit kommen muss und es wirklich keine anderen geeigneten Grundstücke gibt. Das Problem ist, dass die Feuerwache Döhlen zumindest in der Nähe ihres jetzigen Standortes gebaut werden muss - aufgrund der Struktur des Freitaler Rettungssystems, der Ausrückezeiten, der Fahrwege.

Intern war deshalb lange auch das Gelände hinter der Areal-Tankstelle in der Diskussion - genauso zentral gelegen und mit gut 11.000 Quadratmetern sogar noch größer als der Standort Glaswerk. Warum das Gelände, auf dem mehrere ältere Gewerbebauten stehen und das ebenfalls in Privatbesitz ist, nun nicht mehr in Betracht kommt, wurde den Stadträten nicht begründet. Auf Nachfrage heißt es aus dem Rathaus: "Vor zwei Jahren wurde im Auftrag der Stadt eine Standortanalyse für den Neubau einer Feuerwache angefertigt. Im Ergebnis gab es einige potenzielle Standorte." Als am geeignetsten hatte sich dann der Standort Glaswerk erwiesen.

Die Verwaltung möchte deshalb nicht locker lassen. Der Vorschlag soll noch einmal in den Ausschüssen diskutiert werden - und dann in der Ratssitzung Anfang Juni abermals auf der Tagesordnung stehen.

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