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FSV Lok nimmt Anlauf auf die Landesliga – trotz Risiken

Frühzeitig machten die Kickerinnen den Meistertitel in der Bezirksliga perfekt. Dabei setzt der Verein auf ein außergewöhnliches Trainer-Duo.

Von Alexander Hiller

Noch eine Dresdner Fußball-Mannschaft in der Frauen-Landesliga? In der vierthöchsten deutschen Spielklasse sind der SV Johannstadt und die zweite Mannschaft des Regionalligisten 1. FFC Fortuna Dresden seit Jahren die Platzhirsche. Johannstadt verzichtet als Sachsenmeister zum zweiten Mal in Folge auf den sportlichen Aufstieg in die Regionalliga.

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Die Vorfreude ist offensichtlich: Tanja Baartz (M.) bejubelt mit einer Teamkollegin den Aufstieg in die Landesliga. Allerdings sind beim FSV noch nicht alle Vorbereitungen für den Gang in die vierthöchste deutsche Spielklasse getroffen.Fotos: Steffen Unge
Die Vorfreude ist offensichtlich: Tanja Baartz (M.) bejubelt mit einer Teamkollegin den Aufstieg in die Landesliga. Allerdings sind beim FSV noch nicht alle Vorbereitungen für den Gang in die vierthöchste deutsche Spielklasse getroffen.Fotos: Steffen Unge

In der nächsten Saison wird daraus also ein Trio. Das hat sich zumindest der FSV Lok Dresden vorgenommen. Schon seit Wochen steht die Mannschaft aus dem Ostragehege als Meister der Bezirksliga Ost fest – und ist damit sportlich für die Sachsenliga qualifiziert. Stünde also nur noch das Okay des Vereins aus. „Ja“, sagt Trainer Dennis Ahnert und bekräftigt seine leise Antwort mit einem Nicken, „wir wollen hochgehen“. So richtig überzeugend klingt das noch nicht. Aus gutem Grund. „Natürlich ist das auch mit Risiken verbunden“, betont der Übungsleiter, der mit seiner Mutter Angelika eine in Sachsen wohl einmalige Trainerkonstellation bildet.

Die Risiken sind schnell erklärt. Einerseits muss der Traditionsverein, dessen Männer zu DDR-Zeiten in der Liga, der zweithöchsten Spielklasse kickten, natürlich mehr Geld in das Frauenteam investieren. „Ich denke, dass wir etwa 2 500 Euro mehr benötigen“, sagt Dennis Ahnert. Das scheint knapp kalkuliert, denn allein die Busmiete für künftige Auswärtsfahrten dürfte ein erkleckliches Sümmchen verschlingen. Bisher reisten die Frauen mit ihren Privat-Pkw’s zu Auswärtspartien an. „Ich will vor so einem Punktspiel gern alle beisammen haben“, sagt Dennis Ahnert. Zur Sachsenmeisterschaft in der Halle finanzierten die FSV-Frauen aus der eigenen Tasche einen Bus. Das soll keine Daueroption sein. „Wir hoffen, dass wir das nötige Kleingeld über Sponsoren auftreiben können“, sagt Dennis Ahnert, fügt aber hinzu: „Es wird aber so bleiben, dass wir auf eine gewisse Anzahl von Leuten angewiesen sind, die für nichts sehr, sehr viel machen“.

Die sportliche Entwicklung dürfte das zweitgrößte Risiko sein. „Wir wollen uns als Nummer drei in der Stadt etablieren“, betont der Trainer. Allerdings muss er in der kommenden Spielzeit auf eine seiner besten Spielerinnen verzichten. Linda Ackermann, mit 49 Saisontoren fast für die Hälfte aller bisherigen FSV-Treffer (106) verantwortlich, steht für eine Saison in der Landesliga nicht mehr zur Verfügung. Die 30-jährige ehemalige Regionalligaspielerin des 1. FFC Fortuna Dresden wollte beim FSV eigentlich nur gepflegt abtrainieren.

„Linda Ackermann ist nicht ersetzbar“, sagt Ahnert. Ob das Team ohne die Torjägerin in der Landesliga konkurrenzfähig sein kann? Der Trainer sagt ja, aber er muss auch positiv damit umgehen. Auch die Zukunft von Theresa Lackner in Dresden ist ungewiss. Ein Regionalligist aus Leipzig hat die Fühler nach der zweitbesten Torschützin (15) ausgestreckt. Allerdings kehren zwei Leistungsträgerinnen nach einer Babypause zurück. „Aber wir sind an zwei, drei neuen Spielerinnen dran“, versichert er. Dabei geht der FSV einen vielleicht nicht alltäglichen Weg. „Wir kontaktieren die entsprechenden Vereine und bitten dabei, mit den Spielerinnen Gespräche führen zu können. Das wird sicher nicht überall so gehandhabt“, sagt Dennis Ahnert.

Ebenfalls recht unüblich ist das Trainer-Team des FSV. Mutter und Sohn. Angelika Ahnert gehörte zu den ersten Frauenfußballerinnen in Dresden – bei Aufbau Mitte. „Ich bin da irgendwie mit reingewachsen, wir sind beide mit Freude und Leidenschaft dabei“, versichert Dennis Ahnert. Eine klare Rollenverteilung gibt es nicht. „Wir agieren gleichberechtigt, einigen uns auf die beste Idee. Natürlich können wir uns mal streiten, aber durch unsere familiäre Beziehung kommt man da viel schneller wieder runter“, sagt der 35-Jährige. Runter will der FSV freilich nicht mehr. Denn offenbar ist Platz genug für drei Dresdner Teams in der Frauen-Landesliga.