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Für alle Einsätze gerüstet

Die Frauensteiner Wehr existiert seit fast 150 Jahren. In dieser Zeit haben die Kameraden viel erlebt.

Von Peter Salzmann

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Mit Oppacher gelassen losradeln

Eine ausgedehnte Fahrradtour ist fabelhaft – wenn sie gut vorbereitet ist.

Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr“ – diesen Slogan hatten sich schon die Altvorderen auf die Fahne geschrieben. Die Worte sind nach 1989 wieder in Mode gekommen und der Tradition verpflichtet – auch in Frauenstein. Die heimische freiwillige Feuerwehr trägt seit 25 Jahren den Ehrennamen „Oskar Göhler“. Die Jünger Sankt Florians ehren damit einen ehemaligen Unterbrandmeister, der seit 1922 mit viel Engagement seinen ehrenamtlichen Dienst versah und sich nach dem Zweiten Weltkrieg große Verdienste um die Feuerwehr, vor allem um die Wiederherstellung der Trink- und Löschwasserversorgung rings um das Silbermann-Städtchen erworben hat.

Derzeit gehören 32 Aktive zur Wehr, darunter drei junge Frauen. Sie kommen aus den unterschiedlichsten Berufen. „Bei uns sind zum Beispiel Klempner, Elektriker, Kraftfahrer, Schüler und Studenten dabei“, sagt Wehrleiter Danny Oelschlägel, ein 1,96 Meter-Hüne, der selbst gelernter Werkstoffprüfer ist. Zur Wehr gehört aber auch die Alters- und Ehrenabteilung, deren Mitglieder die Aktiven mit ihren Erfahrungen unterstützen, und die 20-köpfige Brandschutzgruppe.

Mit sichtlichem Stolz berichtet der Wehrleiter von den etwa 25 Mitgliedern der Jugendfeuerwehr, die bei Jugendwart Nico Zimmermann und seinem Bruder Steve in bester Obhut sind. Im Vorjahr haben die Mädchen und Jungen an einem Nachwuchs-Feuerwehr-Camp in Finnland erfolgreich teilgenommen.

Danny Oelschlägel, in Frauenstein geboren, ist seit 1994 dabei. Sein Stellvertreter Jens Finger ist gelernter Landmaschinenmechaniker und ein Frauensteiner Urgestein. Der 44-Jährige begann seine ehrenamtliche Laufbahn zu DDR-Zeiten als junger Brandschutzhelfer.

Ältester Feuerwehrmann ist der 71-jährige Jürgen Schlesier, die Jüngste ist Selina Fischer mit 16 Lenzen. Wer sich aufmerksam ein Gruppenfoto der Wehr betrachtet, kann gut verstehen, warum sie 2000 den Wettbewerb um den Titel „Schönste Feuerwehr Sachsens“ gewonnen hat. Danny Oelschlägel winkt aber ab: „Wichtiger sind uns die vielen Urkunden, die uns gute Platzierungen unserer Frauen, Männer und Jugendlichen bei Wettkämpfen bescheinigen“, versichert er.

Im Schnitt wird die Frauensteiner Feuerwehr pro Jahr zu 15 Einsätzen gerufen, auch über die Kreisgrenze hinweg. „Überwiegend handelt es sich um technische Hilfeleistungen bei Personen- und Sturmschäden oder bei Hochwasser, und auch um Kleinbrände“, so Jens Finger. Nicht vergessen werden die Frauensteiner den wohl dramatischsten Einsatz der letzten Jahre. Das war 2004 ein Unfall auf der Straße von Frauenstein nach Burkersdorf, bei dem vier junge Menschen ums Leben kamen. „Das geht schon an die Nieren“, sagt Jens Finger.

Für ihre Einsätze ist der Wehr gut gerüstet. Sie verfügt über ein Löschgruppenfahrzeug LF 16 mit Tragkraftspritze TS 8-8 und Notstromaggregat, einen Kia-Einsatzleitwagen und einen Vorausrüstwagen VW T4 mit hydraulischen Rettungsgeräten. Die Drehleiter ist ein Geschenk der befreundeten Wehr Weilmünster im Taunus. „Aber Teile unserer Technik sind in die Jahre gekommen“, ergänzt Danny mahnt Oelschlägel, der sich für seine Kameraden auch eine Verwaltungs-Software und neue Schutzbekleidung wünscht.

Erbe wird liebevoll bewahrt

Wer das Domizil der Wehr in der Saydaer Straße 7 betritt, ist überrascht. Pokale, Vasen, Teller, Krüge und Keramik zieren die Wände und Vitrinen, dazu Fahrzeugmodelle, unter ihnen der Ford Five Engine von 1951 und der Mannschaftswagen K 30 mit Schlauchtransporthänger. Die Räume atmen Feuerwehrgeschichte. Zumals teils vergilbte Fotos an längst vergangene Zeiten erinnern. Ein „Feuerwehr-Pass unter dem „allerhöchsten Protektorate Seiner Majestät des Königs“, ausgestellt im Jahre 1896 bescheinigt einem Carl Heinrich Schade die Mitgliedschaft. Die Gründung der Frauensteiner Feuerwehr ist auf das Jahr 1873 datiert. Die Männer wurden „zum Brande des Schützenhauses gerufen“, ist in einer Broschüre zu lesen. Die Wachmannschaft habe für ihre Löscharbeit 2 Taler und 20 Neugroschen sowie eine öffentliche Anerkennung erhalten. Nostalgiker sind die Frauensteiner nicht. Aber das Erbe der Altvorderen wird „Gott zur Ehr, Dem Nächsten zur Wehr“ liebevoll bewahrt.

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