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Für Cremes und Gummibärchen

Eine Algenzucht ist eines von mehreren Investitionsprojekten im Industriepark Schwarze Pumpe.

Viele Kohlenhydrate, ungesättigte Fettsäuren und Beta-Carotinen – weiß Wikipedia – sind Argumente für die Verwendung von Algen in Nahrungsmitteln.
Viele Kohlenhydrate, ungesättigte Fettsäuren und Beta-Carotinen – weiß Wikipedia – sind Argumente für die Verwendung von Algen in Nahrungsmitteln. © Uwe Schulz

Vor ziemlich genau zwei Jahren war im Spreetaler Gemeinderat der Geschäftsführer der Spreetaler Früchte GmbH zu Gast, um eine Investition im Industriepark Schwarze Pumpe anzukündigen – einen riesigen Gewächshauskomplex, in dem Tomaten und Paprika wachsen sollen. Im Frühling 2017 sollte erstmals geerntet werden. Daraus wurde nichts. Aus irgendeinem Grund verzögert sich das Projekt.

In dieser Woche hatte der Spreetaler Gemeinderat erneut einen Unternehmenschef zu Gast. Gunnar Mühlstädt steht an der Spitze der im Herbst 2017 beim Amtsgericht Dresden ins Handelsregister eingetragenen Inalgo Dresden I GmbH. „Wir meinen es wirklich ernst und werden das Vorhaben umsetzen“, sagte er am Mittwoch den Gemeinderäten. Dieses Vorhaben ist eine Mikroalgenproduktion ganz im Südosten des Industrieparks. Investitionssumme im ersten Schritt: drei Millionen Euro. Dafür sollen auf 2 500 Quadratmetern vier Gewächshäuser entstehen.

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Nächste Woche, so Mühlstädt, werde der Bauantrag eingereicht. Gezüchtet werden sollen die Algen in einem durchsichtigen Röhrensystem, in dem rund 168 000 Liter Wasser zirkulieren. Geerntet und getrocknet ist das Endprodukt ein dunkelgrünes Pulver. Der Inalgo-Chef berichtete, dass es sowohl in der Kosmetik als Bestandteil von Cremes wie auch in der Futter- und der Nahrungsmittelindustrie zum Einsatz kommen soll. Den Algen werden nicht nur der Gesundheit zuträgliche Eigenschaften zugeschrieben, wenn man sie Salaten, Säften oder dem morgendlichen Müsli beifügt. Sie dienen laut Gunnar Mühlstädt auch dazu, Süßigkeiten wie Gummibärchen oder Smarties einzufärben.

Die Gemeinderäte erfuhren, dass ein Gutteil der heute verarbeiteten Mikroalgen aus China importiert werde. Die Jahresproduktion in Deutschland läge bei etwa 100 bis 120 Tonnen. Inalgo will mit einer Menge von 20 Tonnen im Jahr beginnen. Bei Erfolg könne die Produktion in Schwarze Pumpe mit dem zur Verfügung stehenden Platz jedoch vervierfacht werden. Zunächst steht aber die Umsetzung der Phase 1 auf der Tagesordnung. Mit der Volksbank ist ein Finanzier gefunden, mit der ebenfalls Gunnar Mühlstädt gehörenden Dresdener Firma Mint Engineering auch ein Anlagebauer mit entsprechender Erfahrung. Auf der Mint-Webseite finden sich zum Beispiel Bilder einer Algenzucht-Anlage im niedersächsischen Bad Fallingbostel. Ein riesiger Arbeitgeber wird Inalgo sicher nicht. Wie Mühlstädt sagte, würden zunächst drei Arbeitsplätze entstehen, mit einer Verdopplung der Produktionsanlagen in Phase 2 wären es dann fünf bis sechs. Trotzdem würde sich Spreetal sicher über einen zusätzlichen Gewerbesteuer-Zahler freuen. In der Tat ist wohl auch vorgesehen, dass die Firma ihren Sitz demnächst von Dresden nach Spreetal verlegten wird.

Petra Lehmann vom Industriepark-Management, mit dem im Auftrag von Spreetal und Spremberg deren Firma ASG betraut ist, nannte Inalgo am Mittwoch im Gemeinderat als nur eine erfolgreiche Firmenansiedlung. Die Zeiten, zu denen es in Schwarze Pumpe ausschließlich um Braunkohleveredlung ging, sind lange vorbei. Prominentestes Beispiel ist wohl die Papierfabrik von Hamburger Rieger, die derzeit an einer Erweiterung arbeitet. In den letzten zwei Jahren hat aber auch der Transport- und Hebetechnik-Spezialist Felbermayr sein Engagement in Schwarze Pumpe mit dem Erwerb der zuletzt vom Energieunternehmen Alpiq genutzten Fläche verstärkt. Die Ingenieurfirma SIK oder auch das Messtechnik-Unternehmen Stebatec geben weitere Beispiele für neue Aktivitäten am Standort ab.

Die ASG hat unterdessen weitere Vorhaben angeschoben, um den Industriepark für Interessenten attraktiv zu halten. Die Erweiterung ihrer beiden Klärwerke zum Beispiel soll 61 Millionen Euro kosten, ein eigenes Wasserwerk 5,5 Millionen Euro. Insgesamt ist vorgesehen, bis zum Sommer des nächsten Jahres noch einmal die stolze Summe von sage und schreibe 90 Millionen Euro zu verbauen – zum großen Teil finanziert über als Fördergeld ausgereichte Steuermittel. Etwas mehr als 5,5 Millionen Euro soll zum Beispiel die Beseitigung des alten Klärwerks auf dem früheren Gaswerksgelände kosten. Die Stebatec will laut Petra Lehmann dorthin expandieren. Die ASG-Chefin ist überaus optimistisch, was die Zukunft des Standortes angeht: „Im Moment bearbeiten wir weitere 25 Anfragen.“ Sie erwähnte Firmen, die sich mit Recycling und Energiespeichertechnik befassen. Bis zum Sommer soll auch eine Studie zur schon seit Längerem immer mal wieder erwähnten Erweiterung des Industrieparks in Richtung Süden fertig sein. Einen Gemeinderat veranlasste das zu der Frage, wie lange man denn die Flächen für die Früchte GmbH noch vorhalten wolle. Antwort von Bürgermeister und Industriepark-Zweckverbands-Chef Manfred Heine: „Sobald ein Anderer verbindlich zusagt, sind sie weg."