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Helfen Dynamo jetzt die Psychologen?

Nach der späten Niederlage gegen den Hamburger SV geht es nun zu Spitzenreiter Bielefeld. Für den nächsten Kraftakt im Abstiegskampf gibt es mentale Aufbauhilfe.

Markus Kauczinski wird nicht müde, seine Mannschaft anzufeuern. Auch vor dem Spiel bei Spitzenreiter Arminia Bielefeld am Montagabend gibt sich Dynamos Cheftrainer kämpferisch und zuversichtlich.
Markus Kauczinski wird nicht müde, seine Mannschaft anzufeuern. Auch vor dem Spiel bei Spitzenreiter Arminia Bielefeld am Montagabend gibt sich Dynamos Cheftrainer kämpferisch und zuversichtlich. © dpa-POOL/Robert Michael

Dresden. Der Wahnsinn geht weiter, auch wenn es Markus Kauczinski nicht so nennt. Der Trainer von Dynamo Dresden spricht von einer Herausforderung, sogar von einer Chance. Nur drei Tage nach dem Kraftakt gegen den Hamburger SV, der unglücklich mit 0:1 endete, treffen die Schwarz-Gelben am Montagabend auf das nächste Top-Team der 2. Fußball-Bundesliga. Spitzenreiter Arminia Bielefeld ist dem Aufstieg nahe, Dynamo kämpft als Schlusslicht weiter um den Klassenerhalt.

"Man muss zulassen, dass es wehtut, das man trauert, dass man einen Tag braucht", meint Kauczinski zu dem Tiefschlag vom Freitagabend, als der HSV durch Joel Pohjanpalo in der 84. Minute doch getroffen hat. "Was die Jungs gerade leisten, was sie einsetzen, mit welchem Herz sie das leben - da tut es einem weh, wenn sie dafür nicht belohnt werden. Aber so ein Kampf kann auch beflügeln", sagt der 50-Jährige und nennt die vielen positiven Nachrichten und den spontanen Auftritt einiger Fans nach dem Spiel am Stadion. "Sie haben uns gefeiert für das Herz und die Leidenschaft, die wir gezeigt haben. Das ist ein unheimlicher Antrieb, eine unheimliche Motivation."

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Schließlich habe man trotz des Sieges von Wehen Wiesbaden am Samstag bei Holstein Kiel noch alles in Reichweite, was die Prognose von sächsische.de bestätigt.

Für die Dresdner geht es darum, die Schmerzgrenze möglichst zu ignorieren, was zunehmend zu einer Kopfsache werden kann. Deshalb setzt Kauczinski auch auf mentale Unterstützung. Seit dem Winter-Trainingslager ist Silvio Schröter als Sportpsychologe eingebunden. Der 40-Jährige ist als Spieler im Nachwuchs von Dynamo groß geworden, hat dem Verein - gemeinsam mit Lars Jungnickel - durch seinen Wechsel zu Energie Cottbus im Jahr 2001 eine überlebenswichtige Transfersumme von einer Million D-Mark gebracht. Für die Lausitzer, Hannover 96 sowie Duisburg bestritt Schröter insgesamt 116 Spiele in der Bundesliga, durch schwere Verletzungen wurde seine Karriere beeinträchtigt.

Unterstützung für das Trainerteam

Jetzt unterstützt er Dynamos Trainerteam, soll zu "einer umfassenden Sicht" beitragen, die Kauczinski wichtig ist, "weil ich es schätze, einen anderen Blickwinkel zu bekommen, jemanden zu haben, der Dinge sieht, die man selbst nicht sieht". Dabei legt er auch Wert auf die Meinung, wie er nach außen wirkt. Zudem arbeitet mit Henning Thrien ein weiterer Psychologe auf Honorarbasis für Dynamo. Den Spielern werden Einzelgespräche auf freiwilliger Basis angeboten. "Das wird auch genutzt", berichtet der Chefcoach, der sich auch davon "Impulse für diese schwierige Zeit" erhofft.

Silvio Schröter behauptet den Ball gegen Kevin Mc Kenna (l.) von Energie Cottbus. Allerdings spielte Dynamo damals in der viertklassigen Amateuroberliga gegen die zweite Mannschaft der Lausitzer. Schröter gehörte damals zu den verbliebenen Talenten aus de
Silvio Schröter behauptet den Ball gegen Kevin Mc Kenna (l.) von Energie Cottbus. Allerdings spielte Dynamo damals in der viertklassigen Amateuroberliga gegen die zweite Mannschaft der Lausitzer. Schröter gehörte damals zu den verbliebenen Talenten aus de ©  Foto: Lutz Hentschel

Schließlich muss man das erst mal "verpacken", wie es Kauczinski formuliert. "Ich will und wollte das nie zum Thema machen", meint er, aber unmittelbar vor seiner "Lieblingswoche" mit den Auswärtsspielen in Bielefeld, Kiel und Sandhausen wird ihm immer mehr bewusst, was ihm und seiner Mannschaft nach der Corona-Zwangspause zugemutet wird. "An einem Spieltagswochenende spielen wir zweimal: Freitag und Montag. Das hat es nicht so oft gegeben - und wir spielen Donnerstag schon wieder. Diese Belastung ist schon ein starkes Brett."

Immerhin gibt es personell gute Nachrichten: Bis auf Dzenis Burnic (Sprunggelenk), Justin Löwe (Schulter) und Godsway Donyoh (muskuläre Probleme) sind alle Spieler einsatzbereit - und das im wahrsten Sinne, wie Kauczinski am Beispiel von Chris Löwe berichtet. "Der sagt: ,Mir egal, Trainer. Ich bin da, mir sind die Beine scheißegal.`Das ist genau die Einstellung, die wir jetzt brauchen."

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Der späte Tiefschlag gegen den HSV habe einige runtergezogen, dafür müsse man Verständnis haben. "Aber auf der Zielgeraden zum nächsten Spiel kommt doch wieder der Kampf, die Einstellung, der Wille, nicht aufzugeben und alle Widerstände beiseite drücken zu wollen", sagt der Chefcoach. "Wir wollen wieder die volle Leistung, mit voller Emotion eine Schlacht gegen Bielefeld zu liefern. Vielleicht diesmal mit dem glücklicheren Ende für uns."

Ein solches Erfolgserlebnis wäre sowohl für die Tabelle als auch für den Kopf wichtig.

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