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Corona macht erfinderisch

Gärtnereien, die selbst produzieren, dürfen öffnen. Trotzdem kommen weniger Kunden. Und das Kaufverhalten ändert sich. Auch in Löbau-Zittau.

Martina Neumann von der gleichnamigen Gärtnerei in Mittelherwigsdorf inmitten von Frühlingsblühern und Gemüsepflanzen, die sie selber aufziehen.
Martina Neumann von der gleichnamigen Gärtnerei in Mittelherwigsdorf inmitten von Frühlingsblühern und Gemüsepflanzen, die sie selber aufziehen. © Matthias Weber/photoweber.de

Dicht gedrängt würden jetzt eigentlich die Kunden ihren Einkaufswagen durch die Gewächshäuser in der Gärtnerei Neumann in Mittelherwigsdorf schieben. Doch das geht nicht, obwohl die Frühlingssonne förmlich zum Pflanzen einlädt. In Zeiten von Corona ist Abstand halten Pflicht. Die Kunden halten sich dran. Sie sind froh, dass die Gärtnerei geöffnet ist. Und das darf sie, weil sie eine selbst produzierende Gärtnerei ist. Das Verkaufsgeschäft in Zittau-Süd darf aber nicht geöffnet werden.

Der Familienbetrieb zieht von Gurken, Tomaten, Paprika, Salat bis hin zu Kürbis, Zucchini, Kohlrabi, Blumen- und Rosenkohl und andere Gemüsepflanzen fast alles selber an. Selbst die Tulpen, Narzissen und Strelitzien sowie andere Frühblüher, die es hier zu kaufen gibt, kommen aus der eigenen Aufzucht. 

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Immer wieder werden neue Pflanzen satzweise gezogen. Denn manche Kunden pflanzen schon im Gewächshaus, Zelt oder im Frühbeetkasten, andere warten noch, bis das auch auf herkömmlichen Beeten möglich ist. Corona hat das Kaufverhalten der Kunden geändert. "Die Nachfrage nach Gemüsepflanzen ist deutlich gestiegen", sagt  Senior-Chef Christian Neumann. Eine Frau hatte ihm erzählt, dass sie jetzt wieder ein Stück Wiese wegmacht und Beete anlegt. 

Wieder werden in der Gärtnerei Neumann in Mittelherwigsdorf neue Gemüsepflanzen pikiert.
Wieder werden in der Gärtnerei Neumann in Mittelherwigsdorf neue Gemüsepflanzen pikiert. © Matthias Weber/photoweber.de
Auch verschiedene Tomaten-Sorten werden hier aufgezogen.
Auch verschiedene Tomaten-Sorten werden hier aufgezogen. © Matthias Weber/photoweber.de
Diese Gurkenpflanzen werden jetzt gerade in der Gärtnerei veredelt.
Diese Gurkenpflanzen werden jetzt gerade in der Gärtnerei veredelt. © Matthias Weber/photoweber.de
Seit einigen Jahren ziehen Neumanns auch Strelizien selber. 2020 ist es ein Sonderangebot gegen Fernweh.  
Seit einigen Jahren ziehen Neumanns auch Strelizien selber. 2020 ist es ein Sonderangebot gegen Fernweh.   © Matthias Weber/photoweber.de

Dennoch sind die Kunden, die im Geschäft in Zittau wegfallen, nicht auszugleichen. Die Gärtnerei musste Kurzarbeit beantragen. Bei deutlich weniger Umsatz aber gleichbleibenden Kosten für Heizung, Saatgut und Arbeitsaufwand geht das nicht anders. Um wenigstens in der Gärtnerei verkaufen zu können, gibt es Markierungen, einen separaten Ein- und Ausgang und ein Sicherheitsglas am Verkaufsstand.

Die Mittelherwigsdorfer Gärtnerei sorgte gerade in Oybin und Lückendorf für Farbenpracht. Seit über 20 Jahren bepflanzt sie dort die Blumenschalen, Beete und Parkanlagen im Frühjahr mit Stiefmütterchen. Wegen geringerer Einnahmen wollte in diesem Jahr Oybin nur die Hälfte an Blumen pflanzen lassen. "Wenn die Blumen aber einen größeren Abstand zueinander haben, sieht es nicht mehr so schön aus", erzählt Christian Neumann. Also hatte sich die Gärtnerei entschieden, so viele Blumen zu pflanzen, wie immer und dafür die Hälfte der Kosten zu übernehmen.   

Corona macht erfinderisch: Beim Gartenmarkt Herwig in Zittau wird jetzt mit Kreide gemalt, eine provisorische Theke gibt es auch. Die Hauptsache aber ist: Es ist geöffnet und die Kunden können kaufen. "Ja, wir als Gartenmarkt und Landhandel dürfen öffnen - schon immer, weil wir auch zu 50 Prozent Futtermittel, Lämmermilch und Infrarot-Lampen für Küken sowie Lebensmittel wie Säfte im Sortiment haben", erklärt Gartenmarktleiterin Yvonne Herwig.

Dennoch dürfen ihre Kunden nicht durch die Regale schlendern wie sonst üblich: "Wir haben einen Tisch und zwei Tafeln aufgestellt, die Kunden sagen, was sie wünschen und wir holen es dann", erklärt sie das Abholmarkt-Prinzip. So muss das sein, befanden auch die Behörden, die schon zur Kontrolle da waren.

Ganz so weit ist Thomas Berndt vom gleichnamigen Gartenbaubetrieb in Oderwitz noch nicht. Er war in dem Dilemma, vor Kurzem schließen zu müssen. Vorige Woche aber kam die Erleichterung: Der Freistaat gestattet auch selbst produzierenden Gartenbaubetrieben, zu öffnen. "Die Betonung liegt hier auf selbst produziert", betont der Sprecher des Umwelt- und Landwirtschaftsministeriums, Robert Schimke auf Nachfrage. Thomas Berndt will nun versuchen, den Verkauf seiner Frühjahrsblüher über seinen Laden in Oderwitz zu organisieren: "Der Laden ist groß genug, wir können da auch Linien für genügend Abstand ziehen und haben auch schon einen Spuckschutz organisiert", erklärt er.

Einen Verkauf an der Gärtnerei wäre für ihn deutlich komplizierter als im Laden, erklärt er. Noch aber ist nicht alles geklärt, es fehlen noch Absprachen. Bis dahin kümmert sich sein Betrieb weiter um die Grabpflege und fertigt auf Bestellung auch Grabschmuck an. Mit frischen Blumen und Schnittblumen ist es hingegen derzeit mehr als eng.

Das bestätigt auch Monika Dienel, Inhaberin des Naturkostladens Dienel in Herrnhut. Ihre Floristen sind derzeit in Kurzarbeit - es gibt einfach keine Schnittblumen. Aber im Naturkostladen sind weiterhin wie gewohnt alle Nahrungsmittel erhältlich - und Pflanzen auch. Monika Dienel freut sich zudem, dass auch die Wochenmärkte wieder öffnen dürfen. Das ist für den familiären Gartenbaubetrieb mit seinen Jungpflanzen von Kohlrabi bis Salat sehr wichtig.

Weiterhin im Angebot sind auch die Gemüsekörbe, die Dienels Naturkostladen generell im Angebot hat. Ein großer Ansturm auf dieses Lieferangebot habe zwar nicht eingesetzt, aber es gebe einige Kunden mehr, denen man jetzt Gemüse anliefere, bestätigt die Inhaberin. Logistisch ist das durchaus eine Herausforderung. Dennoch ist Frau Dienel froh, dass sich mit der Markt-Regelung die Lage ein "Ministück normalisiert" habe.

So ähnlich sieht es auch Thomas Krusekopf von der Hirschfelder Gärtnerei. Sein Unternehmen "Hals über Krusekopf" hat normalerweise vier Standbeine: drei Geschäfte und die Gärtnerei. Öffnen darf Krusekopf derzeit aber nur das Geschäft in Hirschfelde und die Gärtnerei, die Läden in Zittau müssen geschlossen bleiben.

Dass er dank der Nachbesserung bei den Bestimmungen nun überhaupt seine Frühblüher und Pflanzen verkaufen kann, sei "gut und wichtig", sagt er. Sachsen handele seiner Ansicht nach sehr differenziert und pragmatisch. Dennoch fehle eben ein Großteil des Geschäftes, was für seine Mitarbeiter Kurzarbeit bedeutet.

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Schwierig findet Thomas Krusekopf, dass er als Mittelständler aus vielen Rettungspaketen herausfällt: "Wir sind mit 16 Mitarbeitern zu groß für die Unterstützung für Kleinunternehmer, aber einen Rettungsschirm wie Dax-Unternehmen haben wir auch nicht", skizziert er. Hier wünsche er sich Signale von der Bundespolitik. Fürs erste aber ist er froh, dass Stiefmütterchen & Co. nun doch verkauft werden können. Auch sein Online-Geschäft mit Dekowaren gehe weiter, wenngleich verhalten nach dem Corona-Schock.

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