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Radebeul

Gefährliche Abkürzung

Weil der Gehweg fehlt, laufen viele an der Meißner Straße in Radebeul direkt auf der Fahrbahn.

Die Schilder zeigen eindeutig: Hier dürfen Radfahrer und Fußgänger nicht weiter. Weil die Umleitung so umständlich ist, mogeln sich trotzdem viele am Baufeld vorbei. Doch die Stelle kurz vor der Weintraubenstraße ist gefährlich eng.
Die Schilder zeigen eindeutig: Hier dürfen Radfahrer und Fußgänger nicht weiter. Weil die Umleitung so umständlich ist, mogeln sich trotzdem viele am Baufeld vorbei. Doch die Stelle kurz vor der Weintraubenstraße ist gefährlich eng. © Arvid Müller

Radebeul. Sie haben mich nicht gesehen, ruft der Mann, als er an den Verbotsschildern vorbei huscht. Was er vorhat, ist nicht erlaubt und obendrein auch nicht ungefährlich. Auf der Baustelle an der Meißner Straße in Radebeul-Mitte fehlt seit vergangener Woche ein Stück Gehweg zwischen Körnerweg und der Kreuzung zur Weintraubenstraße. Konnten Fußgänger vorher auf einem schmalen, mit Warnbaken geschützten Abschnitt neben der Fahrbahn laufen, gibt es jetzt offiziell für sie kein Durchkommen mehr.

Inoffiziell nutzen trotzdem viele den Weg. So wie der Mann, an dem die Autos jetzt haarscharf vorbeirollen. Platz zum Ausweichen gibt es nicht. „Das ist typisch für Radebeul“, schimpft er. Die Verbotsschilder für Fußgänger hat er freilich gesehen, aber die ausgeschilderte Alternativstrecke will er nicht gehen. „Da schicken sie einen ja gefühlt über Radeburg.“

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Die offizielle Umleitung für Fußgänger- und Radfahrer führt den Körnerweg hoch, weiter auf die Borstraße bis zur Winzerstraße und dann die Rennerbergstraße wieder komplett nach unten. Selbst im zügigen Schritt braucht man fast zehn Minuten, um den Berg erst hoch und parallel wieder runter zu laufen.

 Rund 800 Meter Umweg. Zwar ist die Route zwischendurch ausgeschildert, aber vielen ist das offenbar einfach zu weit. Kurz nach dem Mann hastet eine weitere Fußgängerin verbotenerweise den gefährlichen Abschnitt an der Meißner Straße entlang. Keine drei Minuten später rollen zwei Radfahrer durch.


Seit ein paar Tagen gibt es eine provisorische Brücke in der Nähe vom Körnerweg.
Seit ein paar Tagen gibt es eine provisorische Brücke in der Nähe vom Körnerweg. © Arvid Müller

Auf der anderen Seite der Meißner Straße ist ein provisorischer Gehweg abgesteckt. Das Problem: Der Fußgängerüberweg mit Ampel am Körnerweg ist verschwunden. Das liegt daran, dass seit Anfang September die neuen Schienen für die Straßenbahn verlegt werden. Auch die Überquerungsmöglichkeit an der Zillerstraße musste dem Bau weichen. Dass es Fußgängern und Radfahrern in der Baustelle jetzt so schwer gemacht wird, ärgert viele.

Immerhin: Nicht weit von der Einmündung Körnerweg haben die Bauarbeiter jetzt eine Behelfsbrücke über die Schienen gebaut, über die man auf die andere Straßenseite gelangt. „Es war einige Tage erforderlich, die Querung wegzunehmen, aber jetzt haben wir diese Kompromisslösung“, sagt der Leiter der Radebeuler Verkehrsbehörde, Ingolf Zill. Das Gitter-Provisorium soll an möglichst vielen Tagen bleiben.

Es werde aber auch Zeiten geben, an denen die Brücke nicht da sein wird. Zum Beispiel, wenn der Asphalt eingebaut werden muss. „Natürlich ist es beschwerlich für Fußgänger. Aber da steckt keine böse Absicht dahinter“, sagt Zill. Die Haftungsregelungen seien so streng, dass Fußgänger nicht immer durch das Baufeld geführt werden könnten.

Mittendrin liegt auch der Zugang zum Kindergarten Thomas Müntzer. Zur Kita kommt man jetzt nur noch von der unteren Hälfte der Meißner Straße. „Ich muss gut 20 Minuten mehr einplanen“, sagt eine Mutter, die ihre Tochter bringt. Sie parkt am Krokofit, weil die Stellplätze der Kita während der Bauzeit nicht erreichbar sind, und läuft dann mit der Kleinen den Weg bis zur Kita.

Auf dem Schotterweg haben es Ältere und Leute mit Kinderwagen schwer.
Auf dem Schotterweg haben es Ältere und Leute mit Kinderwagen schwer. © Arvid Müller

„Kinder brauchen ihre morgendlichen Rituale, da kann ich sie auch nicht hetzen“, sagt die Radebeulerin. Ärgerlich findet sie, dass der provisorische Gehweg so holprig ist. Mit Kinderwagen hat man es dort schwer. Auch für ältere Leute mit Rollator ist der grobe Schotterweg ungeeignet.

Zwar gut zu Fuß, aber trotzdem von der Baustelle beeinträchtigt, ist Jörg Staupe vom XXL-Küchenstudio. Das Geschäft ist derzeit nicht mit dem Auto zu erreichen. „Wir erklären unseren Kunden, wenn sie einen Termin haben, schon vorher, dass sie weiter weg parken müssen“, sagt Staupe. Große neue Küchen für die Ausstellungsfläche können derzeit gar nicht angeliefert werden.

Höchstens kleinere Geräte, die dann von der Mozartstraße aus bis zum Geschäft getragen werden müssen. Dass es während der Bauzeiten zu Einschränkungen kommt, war ja abzusehen, sagt der Verkäufer. „Wir hoffen aber, dass sich das ganze Vorhaben nicht nach hinten verschiebt.“ Die Kommunikation sei bisher gut gelaufen. „Wir wurden von den Bauarbeitern immer rechtzeitig informiert.“

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